Wer sein Leben lang auf die Erdwälle geblickt hat oder beim Pflügen des Ackers durchaus schon auf eine kleine Scherbe gestoßen ist, für den erschließt sich die Bedeutung des Heidengrabens nicht unbedingt - dabei handelt es sich um einen historischen Ort der Extraklasse: "Die Dimension des Oppidums kann man sich kaum vergegenwärtigen", führte der Erkenbrechtsweiler Bürgermeister Roman Weiß bei der Bürgerinfo in der Hülbener Rietenlauhalle aus. "Es haben dort mehr Menschen gelebt als die heute 6500 Bürger in den drei Gemeinden zusammen."

Dieses geschichtliche Potenzial wolle man interkommunal im Sinne eines sanften Tourismus, der die Kulturlandschaft würdigt, nutzen. Es werde kein Freizeitland oder eine Asterix-und-Obelix-Welt erschaffen, auch ist laut Weiß nicht an ein klassisches Museum gedacht: Auf wissenschaftlicher Grundlage soll ein Erlebnisfeld Heidengraben entstehen mit einem Heidengrabenzentrum als Mittelpunkt und einem Ballon als extravaganter Aussichtspunkt. Man erhoffe sich durchaus eine Umsatzsteigerung in der Gastronomie und die Schaffung von Arbeitsplätzen: "Auch die Identifikation mit der Region steigt", ist er sich mit seinen beiden Kollegen sicher. Denn auf Region kann man laut Dr. Gerd Stegmaier durchaus stolz sein, der Archäologe wird die drei Gemeinden in den nächsten Jahren im Entwicklungsprozess des Projekts begleiten.

Das Gebiet des Heidengrabens besitzt gleich mehrere Alleinstellungsmerkmale: "Es ist die größte befestigte Siedlungsanlage der prähistorischen Zeit auf dem europäischen Kontinent mir insgesamt 1700 Hektar", erklärte Stegmaier. "Das ist schwer zu fassen, wenn man heute in der Landschaft steht." Zudem sei der Heidengraben ein extrem wichtiges Wirtschafts- und Handelszentrum gewesen: "Die Wurzeln reichen zurück bis 1000 vor Christi, und das ist das Spannende." Kurz und gut: Die Bürger auf der Vorderen Alb hätten ein Kultur- und Landschaftsdenkmal von europäischen Rang direkt vor der eigenen Haustür, wobei Stegmaier das Areal am Burrenhof als wichtigen Bestattungs- und Ritualplatz mit einschloss. "Heidengraben und Gräberfeld haben es verdient, besser in Wert gesetzt zu werden."

Das sieht auch Martin Mangold vom Planungsbüro Hartmaier und Mangold aus Kirchentellinsfurt so: "Nachdem der Heidengraben 2000 Jahre in einem Dornröschenschlaf steckte, wird er nun zeitgemäß, modern und tourismusorientiert in Szene gesetzt." Dazu gehört der Einsatz von Tablets ebenso wie die Einrichtung einer App. Zum einen wird das Erlebnisfeld Heidengraben durch Erlebnisrundwege erschlossen, in die die drei Gemeinden eingebunden sind. Hauptanlaufstelle ist das Heidengrabenzentrum mit einer Panoramahalle, in der das Leben der alten Kelten bildlich dargestellt wird.

Dass das Erlebnisfeld Heidengraben jetzt schon Menschen über die eigentlich betroffene Region hinaus interessiert, wurde bei der Fragerunde deutlich: Aus dem Kreis der knapp über 100 Zuhörer meldeten sich auch Besucher aus Hochwang, Tübingen oder Neuffen zu Wort. Einer Römersteinerin ging es um eine mögliche Einbindung der Bürger: "Nur zu, es gibt viel Raum, Ideen umzusetzen", unterstrich Beiratsmitglied Martina Lehmann. Eine Erkenbrechtsweilerin kamen die prognostizierten Besucherzahlen von durchschnittlich 30 an Wochentagen und 220 an Wochenenden im Winter als zu hoch gegriffen vor. Das sah Dr. Stegmaier nicht so angesichts der vielen Rodler, Langläufer und Ausflügler oder auch Besucher der umliegenden Thermen: "Wir müssen Besucher nicht neu aktivieren, sondern nur neu lenken."

Eine Bewohnerin aus Hülben monierte den Verteilungsschlüssel der Kosten, die Hauptlast liegt bei ihrer Gemeinde. "Wir haben den Schlüssel wie in einem Zweckverband nach der Leistungsfähigkeit angesetzt", erklärt Bürgermeister Siegmund Ganser. Grabenstettens Rathauschef Harald Steidl machte deutlich: "Wenn es nach Hektar gegangen wäre, wären wir pleite." Bei der Präsentation der zukunftsweisenden und innovativen Idee des Erlebnisfeldes Heidengraben erfuhren die Besucher nicht nur Zahlen und Fakten, sie konnten sich auf einen virtuellen Rundgang durch das Zentrum aufmachen - der Tenor insgesamt war positiv.

Kosten des Projekts

Die Gemeinderäte aus Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler haben der Realisierung des Erlebnisfeldes zugestimmt, die Kosten werden mit 4,45 Millionen Euro veranschlagt. Aus öffentlichen Mitteln rechnen die Kommunen mit einem Zuschuss von zwei Millionen Euro, über Sponsoren oder Spenden werden 1,3 Millionen Euro erwartet. Die Eigenmittel der drei Gemeinden belaufen sich auf 1,1 Millionen Euro, verteilt auf drei Haushaltsjahre ab 2016.

Nicht enthalten sind die Kosten für einen notwendigen Kreisel am Burrenhof, die Aufwertung des Keltenmuseums in Grabenstetten und eines Grubenhauses für experimentelle Archäologie auf Hülbener Gemarkung.

OE