Handwerk Auf der Walz: zwei Gesellinnen

Roland Kiesel mit Tini und Ann-Kathrin. Foto: Privat
Roland Kiesel mit Tini und Ann-Kathrin. Foto: Privat © Foto: . Foto: Privat
SWP 30.11.2016

Schon zwei Jahre und neun Monate ist Tini, fremde und freireisende Schneiderin, wie sie sich nennt, unterwegs. Auf Wanderschaft. Auf der Walz. Zwölf Länder hat sie seit ihrem Start in Hannover schon durchquert, auch Mazedonien und Marokko sind dabei. Ihre Kameradin Ann-Kathrin aus der Wetterau, ebenfalls fremde und freireisende Schneiderin, ist seit knapp einem Jahr hauptsächlich in Deutschland auf Wanderschaft. Es ist üblich, dass man im ersten Jahr im deutschsprachigen Raum bleibt, um sich an seine neue Rolle zu gewöhnen. In den ersten drei Monaten wird man von einem sogenannten Altgesellen  begleitet. Er bringt einem das Überleben auf der Straße bei und weiht einen in die jahrhundertealten Regeln der Wandergesellen ein.

Nun haben beide Schneiderinnen Station an der Modeschule Metzingen gemacht. Eine ehemalige Metzinger Schülerin, die ebenfalls auf der Walz ist, hat ihnen den Tipp gegeben.

Voraussetzungen für die Walz, erzählen die beiden Schneiderinnen weiter, ist zunächst der Gesellenbrief. Den haben beide erworben. Tini hat ihre Ausbildung zur Maßschneiderin für Damenoberbekleidung in Hannover an der „M3-Menschen-Machen-Mode“ absolviert. Ann-Kathrin hat ihre Lehre als Maßschneiderin im Staatstheater in Cottbus gemacht. Aber nicht nur Maßschneiderinnen dürfen auf die Walz. Jedes traditionelle Handwerk kann zünftig reisen. Man muss volljährig sein, sollte das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, noch unverheiratet sein und keine Kinder haben. Auch keine Schulden darf man haben und nicht vorbestraft. Auch da hat es bei ihnen alles gepasst.

Für sich hat Tini entschieden, dass im Mai 2017 Schluss sein soll. Ann-Kathrin macht sich da noch keine Gedanken. Sie steht erst am Anfang. Gedanken haben sich die Schüler gemacht, als Tini und Ann-Kathrin erzählten, dass kein Handy mitgeführt werden darf.