Minigolf Auf der Jagd nach der perfekten Runde

Für jeden Schlag benötigen die Minigolfer die volle Konzentration, schließlich zählen nur Asse. Treffen sie ein Mal nicht, leidet darunter die ganze Mannschaft.
Für jeden Schlag benötigen die Minigolfer die volle Konzentration, schließlich zählen nur Asse. Treffen sie ein Mal nicht, leidet darunter die ganze Mannschaft. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Michael Koch 02.04.2017

Wenn ein Normalo in seiner Freizeit mal zum Minigolfen kommt, dann sieht das meist so aus: Er bezahlt Eintritt, bekommt einen x-beliebigen Ball und Schläger und versucht mit diesen Spielgeräten, den Ball auf der Bahn von Schlag zu Schlag in Richtung Loch zu bugsieren. Irgendwann ist er dann auch drin. Nach 18 Bahnen freut sich der Hobbygolfer, dass er für sein Geld richtig oft an Ball hauen durfte.

Was an diesem Wochenende auf der Anlage des 1. MGC Metzingen abging, war genau das Gegenteil davon. Dort trafen sich vier Damen- und fünf Herrenmannschaften der 1. Bundesliga Süd zu ihrem ersten Saisonspieltag. Diese Spielerinnen und Spieler trainieren täglich, damit sie eben nicht oft den Ball spielen müssen. „Über eine Zwei freut sich hier niemand“, verrät Helmut Kühbauch, der von Vereinsseite aus die Presse über das Großereignis informiert.

Klares Ziel eines jeden Spielers ist also die „18“. Dafür investieren sie viel – Zeit und Geld. Bereits am Freitagvormittag sind die Teams angereist, um den Platz und seine Eigenheiten kennenzulernen. „Dann werden einzelne Bahnen geübt und die Materialauswahl getroffen. Am Samstag werden dann Trainingsrunden gedreht, um in den Spielrhythmus zu kommen“, gibt Roland Schmid Einblicke in die Gepflogenheiten der Spieler. Schmid selbst gehört übrigens der Mannschaft an, die ums Jahr 2000 herum die Metzinger Farben in der zweiten Bundesliga vertreten hat – der bis dato höchsten Spielklasse für den Verein, „ewig her“, winkt Schmid ab.

Zurück zum Bundesliga-Spieltag. Der findet eigentlich am Sonntag des Wochenendes statt, vier Wertungsrunden hat jeder Spieler zu absolvieren. Sechs Spieler bilden bei den Herren eine Mannschaft, drei bei den Damen. Das Problem an diesem Wochenende: Am Sonntag war es deutlich kühler als an den Trainingstagen zuvor, zudem war es Sonntagmorgen feucht auf den Bahnen. Die Erkenntnisse der Vortage hatten also nur noch bedingt Gültigkeit, weil sich mit jedem Grad Unterschied die Lauf- und Stoßeigenschaften der Bälle verändern. „Oft spielen die Teams Vereinsbälle, es benutzen also alle den gleichen. Der erste Spieler wird dann als Versuchskaninchen vorgeschickt und teilt über den Mannschaftsbetreuer den anderen seine Erkenntnisse mit“, so Helmut Kühbauch.

Kleine Wissenschaft

Miniaturgolf, das wird dem Laien schnell klar, ist neben der enormen psychischen Belastung auch eine kleine Wissenschaft. Für jede Bahn gibt es nämlich unzählige verschieden Bälle, die jeweils nach den äußeren Bedingungen ausgewählt werden. Viele Spieler haben ihre Hosentaschen vollgestopft mit Bällen, um sie warm zu halten. Auch viele Ballheizkoffer sind im Einsatz.

Dreck, zum Beispiel in Form von Blättern oder Blüten, findet man während des Bundesliga-Wochenendes natürlich nicht auf den Eternit-Bahnen, ein Ball könnte sich ja daran stoßen und seine Laufrichtung verändern. Auch Löcher oder Unebenheiten gibt es nicht, dafür haben die Metzinger Vereinsmitglieder in den vergangenen Wochen gesorgt. „Eine Woche vor dem Bundesliga-Spieltag muss die Anlage fertig sein, danach darf an den Hindernissen nichts mehr geändert werden“, weiß Helmut Kühbauch. Daher war man beim 1. MGC auch froh, den Zuschlag für den ersten Spieltag bekommen zu haben, weil dadurch der Spielbetrieb für den Publikumsverkehr nicht gestört wird, der traditionell an Karfreitag beginnt.

Die Traumrunde ließ gestern übrigens lange auf sich warten. In den ersten drei Durchgängen wurde 14 Mal die 19 gespielt, aber eben keine 18. Diese schaffte dann, unter lautem Jubel, kurz vor Toresschluss Marc Klemm aus Homburg, zwei weitere Akteure taten es ihm noch gleich. Den Sieg sicherten sich übrigens die Herren der SG Arheiligen, die im Schnitt nur 20,5 Schläge für die 18 Bahnen benötigten. Zweiter wurde der 1. MGC Mainz, der dafür bei den Damen den ersten Tabellenführer des Jahres stellt. Mit ihrem Schnitt von 21,5 Schlägen hätten es die Mainzer Damen übrigens auch bei den Männern aufs Treppchen geschafft.

Saisoneröffnung für Hobbyspieler

Die Miniaturgolf-Anlage auf dem Bongertwasen öffnet an Karfreitag, 14. April, offiziell für Besucher. Dann kann dienstags bis samstags ab 15 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bereits ab 10 Uhr, gespielt werden.

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