Metzingen Auf Braike-Wangen tut sich was

Nach dem Bürgerentscheid lag zunächst eine dreijährige Veränderungssperre auf dem Gewerbegebiet Braike-Wangen. Nach langen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern sollen ab diesem Frühjahr konkrete Planungsschritte zur späteren Bebauung begonnen werden.  
Nach dem Bürgerentscheid lag zunächst eine dreijährige Veränderungssperre auf dem Gewerbegebiet Braike-Wangen. Nach langen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern sollen ab diesem Frühjahr konkrete Planungsschritte zur späteren Bebauung begonnen werden.   © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Michael Koch 10.01.2018

Es war am 31. August 2008: Die geplante Bebauung des Gewerbegebietes Braike-Wangen hatte zum ersten Bürgerentscheid in der Geschichte Metzingen geführt. Die Hugo Boss AG wollte auf einem Großteil der Fläche zwischen B 28 und Erms ein Distributionszentrum bauen lassen, dessen Dimensionen heftige Kritik auslösten. Letztlich stimmten 4000 Metzinger gegen die Bebauung des östlichen Teils des Gebietes. Noch am gleichen Abend trat der damalige Oberbürgermeister Dieter Hauswirth zurück, für die betroffenen Bereiche des Baugebiets trat eine dreijährige Veränderungssperre in Kraft. Schnee von gestern.

Inzwischen sind fast zehn Jahre ins Land gezogen. Der westliche Teil in Richtung Metzingen ist weitestgehend bebaut, auf dem östlichen Teil in Richtung Neuhausen wird weiterhin Landwirtschaft betrieben.

In seiner Rede beim Neujahrsempfang am vergangenen Sonntag ließ Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler eine kleine Bemerkung fallen: „... auf ‚Braike-Wangen’ und ‚Im Wasser’. Hier sind wir in 2017 wesentlich vorangekommen beim Grunderwerb und in der Planung.“

Es tut sich also was – und zwar gewaltig. „Der Grunderwerb für Braike-Wangen ist nahezu vollständig erfolgt“, bestätigte Fiedler gestern auf Nachfrage. Entgegen der einstigen Planung, als die Holy AG als Investor für die Hugo Boss AG zunächst den Grundstückskauf hätte übernehmen sollen, hat nun die Stadt selbst die Flächen aufgekauft. „So haben wir später die Entscheidungshoheit, welcher Interessent eine der Gewerbeflächen bekommt“, erläutert Fiedler.

Nicht alle haben verkauft

Zusätzlich gibt es auch einige Grundstückseigentümer, die selbst in einen neuen Gewerbebau investieren wollen. Insgesamt gibt es auf den rund 10 Hektar Fläche 120 Grundstücksbesitzer. Etwa zehn von diesen wollten nicht verkaufen. „Ihnen wird im Zuge der Umlegung eine neue Fläche innerhalb des Gebietes zugewiesen“, erläutert Konrad Berger, Leiter des Amtes Planen und Bauen bei der Stadt Metzingen, das Prozedere. „So wird niemand enteignet und wir als Stadt können unserem planerischen Auftrag nachkommen, das gesamte Areal so gut wie möglich für den angedachten Zweck, also für eine Gewerbeansiedlung, zu nutzen“, so Berger. Für die Grundstücke hat die Stadt tief in die Tasche gegriffen: 60 Euro pro Quadratmeter unerschlossenes Bauerwartungsland, marktüblich wäre eher die Hälfte gewesen, so Berger. Aber die Vorgeschichte des Gebietes habe die Preise nach oben getrieben.

Aktuell laufen die Vorbereitungen zur Bebauungsplanung und zur Umlegung. Beide sollen parallel in diesem Frühjahr auf den Weg gebracht werden.

In der Diskussion war stets die Anbindung des Gebietes. Sie soll nun zum einen über eine neue Ermsbrücke auf Höhe der Wielandstraße erfolgen, wobei dafür im Kreuzungsbereich der Ulmer Straße ein Kreisverkehr gebaut wird. Zum anderen wird die Paul-Lechler-Straße bis in das neue Gebiet fortgeführt. Auch hier soll der Anschluss an die Auchtertstraße an der OMV-Tankstelle über einen noch zu bauenden Kreisverkehr erfolgen. „Brücke und die beiden Kreisverkehre fallen nicht in die Umlegungskosten für die Grundstückseigentümer, die drei Projekte müssen wir voll aus kommunalen Mitteln finanzieren“, sagt Fiedler, der betont, dass die Ausgaben allerdings bereits im Haushalt berücksichtigt seien.

Gedacht sind vier Bauphasen: Begonnen wird mit der Verlängerung der Paul-Lechler-Straße und der angeschlossenen Ringstraße durch das Gebiet. Im zweiten Abschnitt wird dann die Ermsbrücke gebaut, die Kosten dafür belaufen sich auf 1,5 bis 1,65 Millionen Euro. Am dritten Abschnitt erfolgt der Anschluss der Brücke an die Ulmer Straße und der Kreisverkehr, der wiederum alleine mit 350 000 Euro zu Buche schlägt. Abschließend soll dann der Kreisverkehr an der Auchtertstraße gebaut werden, was mit 420 000 Euro veranschlagt ist. Möglicherweise gibt es hierzu noch Zuschüsse vom Bund, sollten die frühzeitig bewilligt werden, könne man diesen Bauabschnitt auch jederzeit vorziehen, so Konrad Berger.

Bis diese Erschließungsarbeiten allerdings tatsächlich losgehen, wird es wohl Herbst 2019. Schließlich müsse zum Beispiel auch der Gemeinderat zustimmen und es müssten vernünftige Angebote der Baufirmen eingehen. Wenn alles klappt, dann können rund ein Jahr später die ersten Gewerbetreibenden mit ihren Bauten losgehen.

In dem deutlich kleineren Gebiet „Im Wasser“ zwischen Nordtangente und Umspannwerk, früher als „Längenfeld-Ost“ bezeichnet, ist man noch nicht so weit. Weil dort auf den 3,8 Hektar deutlich weniger Grundstückseigentümer betroffen sind, könne es aber bei Bedarf auch relativ schnell gehen, so Fiedler.

Schon 2009 wurden fünf weitere Flächen als Gewerbegebiete in den Regionalplan Neckar-Alb aufgenommen. Es sind dies die Standorte „Neugreuth“ (elf Hektar zwischen Schulzentrum und Bahnlinie), „Mark/B 28“ (25 Hektar westlich der B 312 in Richtung Hundeplatz), „Tobelbach“ (zehn Hektar östlich der B 312), „Katzensteig  II“ (3,2 Hektar im Anschluss an das bestehende Gebiet) und „Eichbergstraße“ (8,5 Hektar gegenüber von Festplatz und Stadion). Für keines dieser Gebiete gibt es allerdings aktuell Pläne zu einer Umwandlung der bestehenden Grün- und Ackerflächen in ein baureifes Gewerbegebiet.

Interessenten stehen Schlange

Dabei ist die Nachfrage der Unternehmen riesig. Aus den zehn Hektar Braike-Wangen werden nach Abzug der Verkehrsflächen, Wasserschutzstreifen und Frischluftschneise letztlich etwa 6,5 Hektar Bauland, inklusive Feuerwehr und Bauhof, die dort auch noch ihre neue Heimat finden sollen. „Wir können das Gebiet mit einem Schlag füllen, die Interessenten stehen Schlange“, verrät Konrad Berger.

60

Euro pro Quadratmeter hat die Stadt Metzingen den Eigentümern für ihre Ackerflächen bezahlt. Dazu kommen nicht anrechenbare Erschließungskosten. Geld ist mit dem neuen Gewerbegebiet also nicht zu verdienen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel