Römerstein Auf ambitionierten Stollen

40 Jahre Frauenfußball in Römerstein: Zum Jubiläum mit den Allstars (in Rot) und dem Nachwuchs auf ambitionierten Stollen.
40 Jahre Frauenfußball in Römerstein: Zum Jubiläum mit den Allstars (in Rot) und dem Nachwuchs auf ambitionierten Stollen. © Foto: Angela Steidle
ANGELA STEIDLE 20.06.2016
In 40 Jahren vom Juxturnier zum sehenswerten Frauenfußball auf ehrgeizigen Stollen: Die Römersteiner Kickerinnen feierten ihren hart erkämpften Ehrenplatz in der Vereinsgeschichte in Überlänge.

"Mit elf habe ich Fußball gehasst", erinnert sich Elke Schmohl, heute Coach der B-Juniorinnen, die Kaderschmiede für die aktive Damenmannschaft des FC Römerstein 05, "das war eine lästige Zeit". "40 Jahre Frauenfußball sind auf der Alb einmalig", betont die Dettinger Torhüterin Brigitte Bluck. Vor 30 Jahren war sie in Böhringen Stürmerin. "Der Fußball ist bei uns hoch im Kurs", beschwört FC-Spielmacherin Annika Kirsamer eine lange Tradition. "Man kann sich bei denen bedanken, die das in die Wege geleitet haben." Kirsamer zählt heute in Römerstein zum leistungsstarken Kern des Frauenteams in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld.

2011: Die Damenmannschaft des FC Römerstein steht gegen den SV Oberndorf im Bezirkspokalfinale (2:1). 2013: Das Bezirkspokalfinale endet gegen den TSV Lustnau wieder mit 2:1. 2015: Die Damenmannschaft holt (gegen Lustnau) mit Trainer Tobias Röhm und Annika Kirsamer endlich den ersehnten Pokal. 2016: Die Damen erreichen unter dem Trainergespann Steffen Kemedinger und Birgit Braun das Bezirkspokalfinale und den zweiten Platz in der Regionenliga 5. In der Landesliga scheitern die Römersteinerinnen in der ersten Runde.

"Unser erstes Einlagespiel war gegen eine Vereinsauswahl zum Jubiläum 60 Jahre TSV Böhringen", erinnert sich Torwart Sabine Loser. "Das war als Volksbelustigung gedacht. Jeder hat uns belacht", weiß Margot Tröster. "Wir waren 14 oder 15. Eine zusammengewürfelte Mannschaft aus Leichtathletinnen und vom Tischtennis", erinnert sich Bärbel Schumann. Margot Tröster: "Man hat uns halt machen lassen. Der Traum unserer Eltern war's nicht." Zwei Jahre kickte die Hobbymannschaft auf der Alb unter Trainer Gottlieb Sterr gegen die Teams aus Gomadingen, Steinhilben, Genkingen, Talheim, Pfronstetten und den Kampfgegner Derendingen. Sabine Loser: "Der hat sich freiwillig bereiterklärt. Wir waren wirklich nicht gut. Wir haben teilweise zweistellig verloren. Das erste Tor haben wir gefeiert wie einen Sieg." Der Mannschaftsgeist ist heute noch toll. Obwohl zumindest Bärbel Schumann seit ihrem letzten Spiel nie wieder auf dem Platz war.

Vergleichbar mit dem Herrenfußball war die Kickerei damals kaum, sagt Margot Tröster: "Bei weitem nicht professionell. Erst als wir besser geworden sind, haben wir zwei bis dreimal die Woche trainiert." Mit Unterstützung einiger Frauen aus anderen Gemeinden ging es nach einer "richtig genialen Saison" von der Kreisliga in die Verbandsliga, "die Bezirksliga gab's ja noch nicht". Der Wendepunkt, da sind sich die Böhringer Frauen einig, war Thomas Schmohl: "Der hat damals in Zainingen in der Landesliga gekickt. Der kam wegen seiner Freundin Ilse Beck. Die war richtig gut." Selbstverständlich stand die Sportlehrerin aus Bad Urach beim Jubiläumsspiel der "Römersteiner Damen Allstars" gegen die aktive Frauenmannschaft am Samstag auf dem Platz. Zwei Mal 20 Minuten plus Verlängerung, das sollte nach einem ausgiebigen Generationen-Ständerling reichen.

Immerhin hat der Anfangskader gut 15 Jahre und mehr zusammen gekickt, "europamäßig in Frankreich und Holland", wo die Ausflüge halt hingingen. "Das Verhalten zwischen Trainer und Mannschaft war immer top. Das Training war selbstverständlich und ernsthaft. Die Strategie: Kameradschaft, Sportsgeist und Ehrgeiz", sagen die Ehemaligen. "In 40 Jahren hat sich der Frauenfußball enorm positiv entwickelt", legt Brigitte Bluck nach, "nicht nur bei den Zuschauerzahlen. Es sind inzwischen sehr gute Fußballerinnen dabei." "Es gibt heute echt tolle Mannschaften", bestätigt Annika Kirsamer. Vorneweg die charismatische Damen-Nationalmannschaft: "Die EM 2011 im eigenen Land hat der Sache ziemlich Schub gegeben." Das Training sei dem der Männer ähnlich geworden, so Kirsamer: "Das Spiel selbst ist etwas weniger athletisch. Power und Geschwindigkeit haben sich angenähert. Wir spielen technisch viel versierter." Schwierig bleibt die Personallage auf der Alb. Kirsamer: "Wir hatten noch nie eine Mannschaft mit 20 Leuten. Da muss man sich was einfallen lassen und dranbleiben. Es gibt relativ viele Mannschaften drum herum."

Das Porzellanservice und die Schicklichkeit

"Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut. Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand", erklärt der DFB 1955 zum Verbot des Frauenfußballs. Das erste organisierte Frauenfußballspiel fand 1895 zwischen Nord- und Südengland statt. 1930 gründete Lotte Specht in Frankfurt den "1. Deutschen Damen-Fußball-Club" (DDFC). 1976 ruft der TSV Böhringen eine Damenmannschaft ins Leben. Sie wird in der Saison 1987/88 Meister in der Kreisliga. 1989, zur Europameisterschaft im eigenen Land, erhält die Nationalelf als Siegerprämie ein 40-teiliges Service in 1-b-Qualität von Villeroy & Boch.

ANE