Amtsgericht Attacken gegen die Mutter seines Sohnes

Grafenberg / Wieland Lehmann 20.10.2016
Sie waren ein Paar, haben einen fünfjährigen Sohn. Es gab immer mal wieder Streit, auch kurze Trennungen. Doch dann ging die Beziehung endgültig auseinander. Nun saß der 35-Jährige auf der Anklagebank.

Was Staatsanwältin Edith Zug an Sprachnachrichten und schriftlichen Mitteilungen per sozialem Netzwerk von ihm verlas, war schon allerhand. Er beschimpfte die 37-Jährige über Monate hinweg als Mist- und Dreckstück, Schlampe, ihren jetzigen Freund als Hurensohn, sprach davon die Frau zu töten, auch von ihrer Leiche war zu lesen. Ja er teilte ihr sogar mit, dass er die Drohungen ernst meine. So zeigte die Frau ihn wegen Beleidigung und Bedrohung an.

Der Angeklagte hatte einen Gerichtsbeschluss wegen des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz erhalten, der ihm untersagte solch einen Kontakt aufzunehmen. Doch er hielt sich nicht daran, im Gegenteil, immer wieder attackierte er seine ehemalige Partnerin.

Die Drohungen könne er nicht leugnen, sagte der 35-Jährige, die Trennung und ihre neue Beziehung haben ihn rasend gemacht. Die Frau habe ihn schon belogen, als er noch mit ihr zusammen war. Er sei aber nicht davon ausgegangen, dass sie es ernst meine. Sofort konterte die Staatsanwältin: „Aber sie haben davon ausgehen müssen.“ Ob es in jüngster Zeit ruhiger geworden sei, wollte der Richter wissen. Das bestätigte der Angeklagte, doch als die Frau als Zeugin aussagte, konnte das Gericht die Nachrichten von ihrem Handy hören, die er ihr noch im Oktober übermittelt hat. Auch da wurden Beleidigungen geäußert.

Die Polizeibeamtin, die die Anzeige aufgenommen hatte, sprach von der Uneinsichtigkeit des Angeklagten. Er sei nicht auf dem Polizeirevier erschienen, auch nicht nach schriftlicher Aufforderung. Sie habe mehrmals die Streife zu ihm hinschicken müssen. Immer wieder versuchte der Vorsitzende Richter, Steve Schulze-Reinhold, den Angeklagten auf die Folgen seines Verhaltens hinzuweisen. „Sie haben sich nicht im Griff“, stellte er fest. Sein Sprachgebrauch sei dem Kind abträglich, er müsse an das Wohl seines Sohnes denken. „Sie können nur verlieren“, konstatierte er. Der Angeklagte hat jede Woche auch seinen Sohn einige Zeit bei sich. „Sie haben unheimlich Glück, dass sie die Mutter Ihres Kindes ist.“ „Das war Bedrohung“, leitete Staatsanwältin Edith Zug ihr Plädoyer ein. Positiv wertete sie das Geständnis des Angeklagten, seine regelmäßigen und pünktlichen Unterhaltszahlungen und seine bisherige Straffreiheit. Doch der lange Zeitraum, die schriftlichen und verbalen Beleidigungen, die Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz erforderten insgesamt eine Freiheitsstrafe. Sie plädierte auf acht Monate, aber auch sie wollte ihm bei einer Bewährungszeit von drei Jahren eine Chance geben. „Riskieren Sie nicht Ihren Sohn“, gab sie ihm mit auf den Weg.

Der Richter folgte diesem Antrag. Neben der drohenden Haftstrafe bei Nichtbewährung hat der Angeklagte 1500 Euro an den Reutlinger Kinderschutzbund zu zahlen. Auch er sah darin eine Chance für den Angeklagten, seinen Sohn nicht zu verlieren. „Vielleicht haben Sie wenigstens verstanden, was Sie alles aufs Spiel gesetzt haben“, gab Schulze-Reinhold dem 35-Jährigen zu bedenken.
Wieland Lehmann