Dettingen Arbeitseinsatz für die Natur

Arbeitseinsatz für alles, was kreucht und fleucht: Zwölf Freiwillige kümmerten sich in Dettingen um den Naturschutz.
Arbeitseinsatz für alles, was kreucht und fleucht: Zwölf Freiwillige kümmerten sich in Dettingen um den Naturschutz. © Foto: Dr. Wolfgang Rapp
Von Kirsten Oechsner 11.02.2019

Ihre freie Zeit gehört normalerweise der Zucht von Tauben und Hühnern, Puten und Gänsen. Doch einmal im Jahr verlassen die Dettinger Geflügel-Fachleute die vereinseigene Anlage im Gebiet Neuwiesen und kümmern sich im Freigelände hoch über Dettingen um den Lebensraum für Vögel und andere heimische Tiere. Beide Aufgaben spiegeln sich im Namen des Geflügelzucht- und Vogelschutzvereins wider: In den vereinseigenen Schutzgebieten „Benedikten“ und „Fuchsloch“ wurden am Samstag umfangreiche Pflegearbeiten durchgeführt, aber zum Bedauern der freiwilligen Helfer musste auch viel Müll aufgelesen werden.

Eigentlich wollten sich die zwölf Helfer um den Naturschutz insgesamt kümmern – und zwar nicht nur um den für Vögel. Doch beim Arbeitsdienst galt es, auch eine Markungsputzete im Kleinen auszuführen: „Unglaublich, was alles weggeschmissen wird“, meint ein Naturschützer, der mit der Motorsense rund um das etwa 40 Ar große Areal im Gewann „Benedikten“ unterwegs war. Gefunden hat er im Gebüsch einen Sonnenschirm und Gummistiefel, unzählige Dosen und einen Steinsockel, der wohl von einem Grab stammt. Doch was ihn regelrecht schockiert hat und den Kopf verständnislos schütteln lässt: „Da hat jemand Kartoffeln weggeschmissen und seinen Biomüll entsorgt.“ Teebeutel hängen in den Ästen, auf dem Boden liegen Mandarinen- und Eierschalen. Das ganze Jahr über wird das Gebiet sich selbst überlassen: „Ab und zu mache ich einen Kontrollgang“, erklärt Vogelschutzwart Helmut Bader. Jedes Jahr im Februar wird das Gelände unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit dann aber fit gemacht für die heimische Tierwelt – ob fliegend oder kriechend, Groß oder Klein. Getan wird das, was Bader sagt: Der hat bei seinen Anweisungen das große Ganze und die Zukunft des Pflanzenwuchses im Blick. Und er weiß auch genau, welche Arbeiten in den vergangenen Jahren ausgeübt wurden: „Nicht alles kommt raus“, beschreibt er die Devise, es wird auf Bewuchs unterschiedlichen Alters geachtet. „Ein Prachtexemplare wie diese Eiche bleiben natürlich stehen“, erklärt er. Und so manche Niedriggehölze landen auch nicht auf dem Feuer: Sie dienen als Brutplatz für Bodenbrüter wie den Zaunkönig.

Morsche Spechtbäume

Ganz oben in den Baumkronen nisten Greifvögel, deshalb werden diese ebenfalls nicht alle gekappt. Selbst alte und morsche Bäume bekommen eine Chance: „Wir lassen sie als Spechtbaum stehen“, so Bader. Bienen fühlen sich in den Akazien wohl, Eichhörnchen in den Haselnusssträuchern: „Wir sind Züchter und Naturschützer“, so der Vogelschutzwart zur Motivation der Helfer, einen Samstag im Dienst der Allgemeinheit zu arbeiten. Die Helfer sägen und schleppen, stutzen und halten das Feuer unter Kontrolle. Jeder bringt sich nach seinen Möglichkeiten ein, auch die beiden mithelfenden Kinder. Deren Engagement täuscht aber nicht über den allgemeinen Trend hinweg: Auch im Geflügelzucht- und Vogelschutzverein fehlt es an Nachwuchs.

Gebiet mit Geschichte

Gearbeitet wird übrigens in einem Gebiet mit Geschichte, bereits 1903 wurde das Schutzgebiet zum ersten Mal als solches erwähnt – erst 1905 gründete sich der damals noch eigenständige Vogelschutzverein. Wer ganz genau hinschaut, kann die alte Nutzung des Areals sogar noch erkennen: „Das war früher ein Steinbruch, der aber schon lange nicht genutzt wird.“ In Dettingen wird indes immer mal wieder von den gelben Steinen gesprochen mit denen zahlreiche gewölbte Keller im Ort ausgestattet sind – sie stammen aus dem inzwischen vereinseigenen Gelände. Bei angenehmem Wetter haben die Freiwilligen am Samstag viel gearbeitet – „zahlreiche Geräte hat uns die Gemeinde zur Verfügung gestellt“, freut sich Bader über die Unterstützung – es wurde aber auch die Gemeinschaft gepflegt: Zur Pause wurden Rote Würste gegrillt. „Das gehört zum Arbeitsdienst dazu“, beschreibt er eine lieb gewonnene Tradition.

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Jahre exisitieren die inzwischen vereinseigenen Schutzgebiete „Benedikten“ und „Fuchsloch“ schon. Am Samstag waren sie Ziel einer jährlichen Naturschutzaktion.

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