ANGEDACHT: Demonstration für Frieden

Hermann Weiß ist Pfarrer an katholischen St. Bonifatiuskirche in Metzingen
Hermann Weiß ist Pfarrer an katholischen St. Bonifatiuskirche in Metzingen
SWP 15.11.2014

Anlässlich der Friedenswoche findet am Sonntag in der Martinkirche in Metzingen ein ökumenischer Bittgottesdienst um den Frieden statt. Alle Kirchengemeinden der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen haben ihren Hauptgottesdienst am Sonntagmorgen dafür freigegeben, damit möglichst viele Mitglieder daran teilnehmen. Die Veranstalter der Friedenswoche hoffen, aus der Nische herauszukommen, in der sie in den letzten Jahren anscheinend geraten sind, als zu den Abendgottesdiensten immer weniger Teilnehmer gekommen sind.

In diesem Jahr haben wir dankbar das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls und der Wiedervereinigung gefeiert. Viele sehen es immer noch als Wunder an, dass es kein Blutvergießen gab, als die Menschen mit Kerzen aus den Kirchen kamen und durch die Straßen gezogen sind - getaufte Christen und Ungetaufte. Sie haben unter Einsatz ihres Lebens mutig für ihre Überzeugung demonstriert. Und immer mehr haben sich ihnen angeschlossen. Sollte es 25 Jahre danach nicht möglich sein, in die Kirche zu kommen, um gemeinsam zu bedenken, wie wir friedlich wirken können. Christen haben die Überzeugung, dass Gottes Geist am Werk ist, wenn Menschen aufstehen und Widerstand leisten gegen Unrecht und Gewalt. 1938 haben es die Kirchen und Christen versäumt, sich eindeutig auf die Seite derer zu stellen, deren Gotteshäuser angezündet und deren Geschäfte geplündert wurden. Heute haben wir nicht zu befürchten, angegriffen zu werden, wenn wir uns zum Beispiel für Asylbewerber einsetzen. Wir haben alle Freiheit dazu.

Gemeinsam können wir für unsere Überzeugung eintreten und demonstrieren, dass wir Frieden wünschen und dass der Gewalt Einhalt geboten wird. Hoffentlich geben viele ihrem Herzen ein Stoß und bewegen sich zur Martinskirche. Wir können ein Zeichen setzen, dass uns die Menschen am Herzen liegen, die unter Terror und Krieg leiden müssen. Wir erscheinen ohnmächtig gegenüber den Nöten und Problemen so vieler und gegenüber der massiven Gewalt von selbst ernannten Gotteskriegern. Ich glaube, Gott will keine Gewalt. Er braucht nicht einmal unser Gebet. Aber wir brauchen einander und gegenseitigen Beistand und einen Geist, der uns zusammen aufstehen lässt. Die brennenden Kerzen können ein Zeichen sein, das in der Dunkelheit wirkt.