ANGEDACHT: Christus ist unser Friede

Pfarrer Matthias Backhaus, evangelische Kirchengemeinde in Münsingen-Hundersingen.
Pfarrer Matthias Backhaus, evangelische Kirchengemeinde in Münsingen-Hundersingen. © Foto:  
SWP 03.09.2016

Die Feier des 30-jährigen Jubiläums der Münsinger Partnerschaft mit Beaupreau am vergangenen Wochenende war ein voller Erfolg. Ein Bus und mehrere Pkw machten sich am 25. August auf den Weg, um alte Freunde in Beaupreau zu besuchen oder neue zu finden. Bei der Ankunft gab es ein großes "Hallo", man umarmte sich, man küsste sich, links und rechts auf die Wange, wie es eben französische Art ist.

In vielen Veranstaltungen wurde der Partnerschaft gedacht, die nun schon ein halbes Menschenalter dauert. Man erinnerte sich an die allmähliche Entwicklung von Freundschaften, an die vielen Treffen und Besuche, die vielen Gespräche, den Austausch über das Leben im eigenen Land und über die Familien. Man erinnerte sich der gemeinsam verbrachten Urlaube. Man erinnerte sich an das erste Essen, das man im anderen Land genossen hatte Maultaschen in der Brühe etwa, was den Franzosen völlig unbekannt war. Es war auch unbekannt, dass danach nichts mehr kommt, da es üblicherweise in Deutschland nur einen Gang gibt. Das führte zu Überraschungen.

Es war ein Fest des Friedens. Alle Redner betonten den Wert dieser Begegnungen, freuten sich an der Friedlichkeit und dem guten, toleranten Geist im Miteinander. Und so ist es tatsächlich. Jeder hat leibhaft erlebt, wie positiv ein Treffen ist, das alle mit dem Willen zum Frieden miteinander feiern.

Manche behaupten, dass Menschen untereinander vor allem vom Geist der Konkurrenz bewegt seien. Man wolle miteinander kämpfen, um am Ende das Beste zu erreichen. Der Stärkere sei auch der Bessere, lautet die geheime Botschaft dahinter. Ist dem wirklich so?

Das mag im wirtschaftlichen Bereich seine relative Richtigkeit haben. Im menschlichen Bereich gilt das nicht. Das Treffen anlässlich des Jubiläums hat es erwiesen, wie so viele andere Treffen mit menschlichen Begegnungen. Allen ging es darum, dass alle in der schönen, friedlichen, freudig erregten Stimmung dieser Tage bleiben konnten. Konkurrenz war da völlig fehl am Platz.

"Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft." So schreibt der Epheserbrief (14) und weist auf eine historische Situation hin, die der heutigen ganz ähnlich ist. Damals standen sich Juden und Griechen (Heiden) unversöhnlich gegenüber. Das Gegenteil von Friede und Freundschaft bestimmte das Leben. Jede Gruppe blieb bei sich selbst, im eigenen Raum, den sie sogar mit Gewalt verteidigte. Der andere durfte in den eigenen, heimatlichen Bereich nicht kommen. So war es später auch zwischen Franzosen und Deutschen, die durch Vorurteil und eine unverantwortliche Propaganda in mehrere Kriege gehetzt wurden.

Dies war der Gedanke der Konkurrenz und auch des Chauvinismus: wir sind besser als die!

Der Epheserbrief schreibt im Gegenteil davon, dass "Christus unser Friede" ist.

Das war er damals und ist es heute ganz konkret! Denn damals fanden Juden und Griechen in einer neuen Gemeinschaft zueinander: in der christlichen Gemeinde. Was zuvor undenkbar erschien, wurde im Geist Christi möglich.

Denn das Evangelium von Jesus Christus, die Botschaft von der Liebe Gottes war überzeugend. Diese Liebe war es, die die Trennung zwischen den Menschen aufhob, und Juden und Griechen an einen gemeinsamen Tisch brachte. Das Prinzip der Konkurrenz war durchbrochen.

Bis heute ist dies ein wichtiger Grundgedanke des Christentums geblieben: dass der Geist Christi im Evangelium die Menschen zueinander bringen kann, im Geist des Frie dens und der Kooperation. Das hat die Abordnung aus Münsingen in Beaupreau erfahren, und wird dies im kommenden Jahr dem Gegenbesuch schenken.