Zu einer zweijährigen Gesamtfreiheitsstrafe wurde ein 25-Jähriger verurteilt, der in Bad Urach seine damalige Freundin in deren Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben soll. Der mehrfach vorbestrafte gebürtige Reutlinger gab die Tat vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Reutlingen gleich zu Beginn des Prozesses zu. An Details könne sich ihr Mandant nicht erinnern, erklärte Rechtsanwältin Franziska Rückert für ihren Mandanten, den Sachverhalt räume er allerdings vollumfänglich ein.

Eifersucht, Alkohol und Drogen: Streit brach aus

Geschehen war die Tat in den frühen Morgenstunden an einem Dezembertag im vergangenen Jahr. Der Angeklagte hatte mit seiner damaligen Freundin in deren 28. Geburtstag hinein gefeiert. Es floss reichlich Alkohol, zudem rauchten beide Joints und konsumierten Amphetamine. In den frühen Morgenstunden kam es dann zum Streit, als der Angeklagte bemerkte, dass seine damalige Freundin per Smartphone mit einem anderen Mann chattete und sich davon auch nicht abbringen ließ. Es kam erst zum verbalen Streit, dann würgte der Angeklagte seine Freundin. Ein rechtsmedizinisches Gutachten sprach von einer „massiven Gewaltanwendung mit beiden Händen“, schätzungsweise zwischen 10 und 20 Sekunden lang. Es habe „konkrete Lebensgefahr“ bestanden.

Die 28-Jährige versuchte zunächst sich zu wehren, was Kratzspuren im Nacken des Angeklagten bewiesen. Anschließend fiel die Frau in Ohnmacht, wobei sie den Urin nicht mehr halten konnte. In diesem Moment kam der Angeklagte wieder ein Stück weit zur Besinnung und wählte den Notruf, wobei der Disponent in der Rettungsleitstelle seine liebe Mühe hatte, von dem Angeklagten Einzelheiten zu erfahren – oder auch nur die Adresse des Notfalls.

Täter fällt selbst in Ohnmacht und wird dann aggressiv

Als dieser den Wohnort seiner Ex-Freundin dann doch nannte, alarmierte die Leitstelle den Rettungsdienst und die Polizei. Bis zu deren Eintreffen hatte sich die Frau weitestgehend erholt, wobei zahlreiche Einblutungen im Gesicht auf das Geschehen hinwiesen. Der Angeklagte dagegen war bis dahin zusammengebrochen und hatte selbst das Bewusstsein verloren. Was ihn später nicht davon abhielt, sich gegenüber den Sanitätern „sehr aggressiv zu verhalten“, wie es einer der vor Ort eingesetzten Polizeibeamten vor Gericht schilderte.

Von dem früheren Streit, der nun das Reutlinger Amtsgericht beschäftigte, wollte das damalige Opfer nun allerdings nicht mehr viel wissen. „Ich habe keinerlei Interesse an der Strafverfolgung“, erklärte die 28-Jährige, die sich nach eigenem Bekunden inzwischen mit ihrem Ex-Freund ausgesöhnt hat. Auch an einem Täter-Opfer-Ausgleich haben die beiden teilgenommen, wobei der Angeklagte seiner Ex-Freundin ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro versprochen hat.

Bei weitem aber nicht die einzige Straftat

Wann er dieses bezahlen kann, steht freilich in den Sternen. Denn bereits in diesem Monat muss der 25-Jährige eine Haftstrafe antreten. Im März diesen Jahres war der Kosovare bereits vom Bad Uracher Amtsgericht zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Erstmals fiel der junge Mann, der zwischenzeitlich zwei Ausbildungen zum Maler und zum Schlosser abgebrochen hatte, im Jahr 2009 auf. In den folgenden Jahren folgten fünf weitere Verurteilungen, unter anderem wegen Diebstahls, gemeinschaftlichen Diebstahls, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Unfallflucht, Körperverletzung und Beleidigung. Unter anderem war der 25-Jährige in das Bürgerhaus in Dettingen sowie in eine Kneipe eingebrochen.

Weil er gegen Bewährungsauflagen verstieß und angeordnete Sozialstunden nicht ableistete, hat der Angeklagte bereits ein Jahr in Jugendhaft verbracht. Das Schöffengericht um Amtsrichter Hausch und die Schöffen Margit Schaal und Hildegard Brändle verurteilte den 25-Jährigen nun unter Einbeziehung der vorherigen Strafe zu einer zweijährigen Gesamtfreiheitsstrafe.

Nach der Tat „intensiv um Hilfe bemüht“

„Sie wollten ihrer damaligen Freundin definitiv weh tun und sie maßregeln“, hielt Richter Hausch dem Angeklagten vor. „Das hätte auch anders ausgehen können.“ Zu Gute hielt der Richter dem jungen Mann, dass er sich nach seiner Tat „intensiv um Hilfe bemüht“ habe und er sich zudem mit seiner Ex-Freundin ausgesöhnt habe. An einer Haftstrafe führte für Hausch dennoch kein Weg vorbei. „Sie leben in den Tag hinein, haben ein Drogen- und Alkoholproblem und keinen Plan für die Zukunft nach der Haft. Da kann ich keine günstige Prognose sehen“, sagte Hausch und ergänzte: „Trotz vieler Warnschüsse haben sie ihr Leben nicht in den Griff gekriegt. Alle Chancen, die man ihnen geboten hat, haben sie versemmelt.“ Immerhin scheint der Angeklagte aus seinem Tun gelernt zu haben. Seit jenem Dezembermorgen, so erklärte der Mann vor Gericht, habe er keine Drogen mehr konsumiert.

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