Das Amtsgericht Bad Urach hat dieser Tage in einer Familienangelegenheit getagt. Es ging um eine betagte Frau, die gegen ihren Willen von einer ihrer Töchter in ein Pflegeheim eingewiesen wurde. Die andere Tochter, eine Krankenschwester, holte ihre Mutter, auf deren ausdrücklichen Wunsch, wieder aus dem Pflegeheim und pflegte sie zu Hause. Eine Ärztin aus dem Ermstal übernahm die hausärztliche Versorgung.

Der Streit zwischen den beiden Schwestern eskalierte, Anwälte nahmen sich des Falls an, bis es schließlich zur Anhörung im Amtsgericht kam. Die Richterin, so berichten es Verfahrensbeteiligte, wollte sich selbst ein Bild von der Frau machen. Sie verfügte zunächst eine Anhörung der Betroffenen in deren persönlichem Umfeld. Dabei ging es auch darum festzustellen, ob die Seniorin geschäftsfähig ist.

Anhörung unter „mehr als merkwürdigen Umständen“

„Diese Anhörung fand unter mehr als merkwürdigen Umständen statt. Statt die betagte Dame zunächst allein und in vertrauter Umgebung anzuhören, nahmen Anwälte und Geschwister daran teil. Durch die Richterin wurden der Betroffenen dann suggestive Fragen gestellt, die grade beim bestehenden Verdacht einer Demenz vollkommen ungeeignet sind.“ So berichtet es ein Vertrauter der Krankenschwester. Er arbeitet für die Pflegeethik-Initiative und kennt viele solcher Fälle.

Die Diagnose „Demenz“ erfolge auf Zuruf, klagt er an. Ältere Menschen werden in Stresssituationen aufgefordert, eine Uhr zu malen, deren Zeiger auf halb fünf stehen. Eine Demenz zu diagnostizieren, sagt er, ist ein aufwendiges Verfahren. Doch Demenzen gibt es in unterschiedlicher Ausprägung. Es ist durchaus vorstellbar, dass die behandelnde Hausärztin die Sache richtig einschätzen kann. Eine Einweisung in ein Pflegeheim jedenfalls lehnt sie ab.

Richterin ordnet Zwangseinweisung und Kontaktverbot an

Anders die Richterin, die nach ihrer Befragung die Einweisung ins Pflegeheim anordnete nebst eines Kontaktverbotes für die Tochter, die sie bei sich zu Hause haben möchte. Dabei bestand weder die Gefahr einer Selbstgefährdung noch einer Fremdgefährdung. „Im Gegenteil, durch Absetzen der sedierenden Medikamente wurde die Betroffene wieder ansprechbarer, und der Gesundheitszustand besserte sich deutlich“, berichtet es der Vertraute der Pflegeethik-Initiative. Dass die alte Frau in einer solchen Stresssituation überfordert war, ist menschlich. Auf Nachfrage beim Amtsgericht erhielten wir die Antwort, keine Antwort zu erhalten. Wir bleiben dran.