Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen zeigen die Konsequenzen des Shutdown durch die Corona-Pandemie. Für den Mai wurde ein Anstieg um 41,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Seit April sind noch einmal 973 Menschen mehr arbeitslos.

Auch Jugendarbeitslosigkeit gestiegen

11 704 Frauen und Männer waren somit zuletzt bei der Reutlinger Arbeitsagentur und den Jobcentern der Landkreise Reutlingen und Tübingen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote war das letzte Mal im Mai 2011 so hoch wie jetzt. Sie stieg auf 4,0 Prozent (zum Vergleich: Im Land Baden-Württemberg lag sie bei 4,3 Prozent). Bei den Jugendlichen war ebenfalls eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Hier lag die Quote bei 3,5 Prozent.

Entlassungen und fehlende neue Jobchancen

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, Wilhelm Schreyeck erläutert: „Der erneute Anstieg der Arbeitslosigkeit setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen mussten wir, wie erwartet, einen hohen Zugang in Arbeitslosigkeit mit großem Anteil aus den Wirtschaftsbereichen Handel, Gastgewerbe und Arbeitnehmerüberlassung registrieren. Gleichzeitig gelang es unseren Kunden weniger häufig, eine Beschäftigung neu aufzunehmen. Wir hoffen, dass die zunehmenden Lockerungen hier eine Entlastung bringen.“ Wilhelm Schreyeck ergänzt: „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist hoch. In der Finanzkrise 2008/2009 war das Niveau jedoch noch etwas höher. Damals lag im Mai 2009 die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent und erreichte im August 2009 mit 5,3 Prozent ihren Höhepunkt.“
  • Kurzarbeit
Seit Beginn der Corona-Krise wurden nun, nachdem Anzeigen von März und April zwischenzeitlich geprüft und gesichert sind, insgesamt 4 810 Anzeigen auf Kurzarbeit und 82 047 maximal betroffene Arbeitnehmer erfasst.
  • Stellenmeldungen
Ganz zaghaft aufwärts geht es bei den offenen Arbeitsstellen, die örtliche Betriebe und Verwaltungen dem Arbeitgeber-Service meldeten. Neu hinzu kamen im Mai 519 Jobangebote. Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahreswert immer noch sehr wenig (minus 49,7 Prozent), seit April bedeutet dies aber ein Plus von 59,2 Prozent. Den Arbeitsvermittler standen im Mai insgesamt 2 210 Stellen zur Vermittlung von Arbeitslosen in Arbeit zur Verfügung.
  • Ausbildungsmarkt
Kein Schulbesuch und eingeschränkte Kontakte zu Gleichaltrigen in Zeiten der Corona-Krise war das Los vieler Jugendlicher auch im Mai. Viele hatten schon Pläne für die Zeit nach dem Schulabschluss geschmiedet. Die letzten Wochen haben jedoch so manchen Plan in Luft aufgelöst oder ganz neue Fragen aufgeworfen.

Entwicklung in den einzelnen Landkreisen

Im Landkreis Reutlingen waren im Mai 7 388 Menschen (+44,3 Prozent gegenüber Vorjahr) arbeitslos gemeldet, davon 3 536 (+60,1 Prozent gegenüber Vorjahr) bei der Agentur für Arbeit und 3 852 (+32,2 Prozent gegenüber Vorjahr) beim Jobcenter Landkreis Reutlingen.
Im Landkreis Tübingen waren 4 316 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen (+36,2 Prozent gegenüber Vorjahr). Davon wurden 2 305 von der Arbeitsagentur betreut (+56,1 Prozent gegenüber Vorjahr) und 2 011 (+18,8 Prozent gegenüber Vorjahr) vom Jobcenter Landkreis Tübingen.