Gegraben und gesucht wird am Heidengraben, der keltischen Siedlung auf der Schwäbischen Alb zwischen Grabenstetten, Hülben und Erkenbrechtsweiler, schon seit Jahrzehnten. Viele Fundstücke und Erkenntnisse aus der 1700 Hektar großen Siedlungsanlage haben seither das Licht der Welt erblickt. Erste Spuren reichen zurück bis ans Ende der Jungsteinzeit, viele der Erkenntnisse stammen aus der Bestattungskultur und Grabfunden. In der späten Bronzezeit (1000 bis 800 v. Chr.) entsteht das Gräberfeld etwa am heutigen Standort des Burrenhofes, dort werden einfache Brandgrubengräber angelegt.

Danach, in der frühene Eisenzeit und der Hallstattkultur (800 bis 450 v. Chr.), werden große Grabhügel aufgeschüttet. Sieben von rund 40 inzwischen bekannten Grabhügeln sind heute am Burrenhof als Rekonstruktionen wieder zu sehen. Spätere Funde deuten darauf hin, dass das Gebiet auch später als Friedhof genutzt wurde. Sogar wieder von den Römern im zweiten und dritten Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Bekannt ist zudem, dass das keltische Siedlungszentrum, die so genannte Elsachstadt, nur etwa von 120 bis 80 vor Christus besiedelt war. Aus dieser Zeit fehlen allerdings in ganz Baden-Württemberg bislang Grabfunde. Bislang!

Denn bei einer durch FAKT e.V. und den Förderverein Heidengraben ermöglichten Lehrgrabung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen wurden im Spätsommer 2014 auf einem Acker erstmals Hinweise auf Gräber entdeckt, die genau auf die Zeit der großen spätkeltischen Stadtanlage treffen könnten. Man hat im Rest eines ungewöhnlich kleinen Grabhügel ein Gefäß und Eisen gefunden, die „allergrößter Wahrscheinlichkeit nach auf das jüngste Grab schließen lassen, das jemals am Burrenhof gefunden wurde“, sagt Dr. Gerd Stegmaier, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Uni-Instituts in Tübingen die damaligen Grabungen leitete. Die Funde seien auf jeden Fall jünger als die bisherigen Funde von 450 vor Christus, wie viel sie jünger sind, müssen weitere Untersuchungen klären.

Dabei habe man nur ein Feld von etwa zehn auf zehn Metern untersucht und dabei den Fund getätigt. Die Idee war, die Areale zwischen den bekannten Grabhügeln weiter zu untersuchen, ob man auch dort Nachweise von Bestattungen finden würde. „Dieser Zufallsfund zeigt, welches Potenzial am Burrenhof noch im Boden schlummert“, so Stegmaier. Die Grabungen werden in diesem Jahr fortgesetzt, um die Datierung der Funde noch exakter vornehmen zu können.

Bei den Untersuchungen zwischen den Grabhügeln trat aber noch eine weitere Besonderheit zu Tage. Schon in den 1980er Jahren wurden erstmals kleine Abschnitte eines Grabensystems entdeckt, der jetzt erneut unter die Lupe genommen wurden. Der Verlauf der Gräben wurden mittels Geomagnetik fortgeschrieben.

Ihre Bedeutung? „Sie könnten eine rituellen Hintergrund etwa als Prozessionsstraßen in Richtung der Grabfelder gehabt haben“, vermutet Stegmaier. Ihre Datierung deutet auf den Beginn der Elsachstadt, also das 2. oder 1. Jahrhundert vor Christus, hin. „Solche Grabenanlagen sind bislang noch von keinem anderen Bestattungsplatz in Süddeutschland bekannt. Sie sind ebenso wie das Gräberfeld beim Burrenhof einmalig im keltischen Kulturraum.“ Eben einfach sensationell!

Dabei sind die Grabenanlagen bislang nur ausschnittsweise erfasst. Im zurückliegenden Winter wurden zwei, im Abstand von elf bis zwölf Metern, parallel verlaufende Gräben mit einer Länge von bislang 350 Metern entdeckt. Diese „Straße“ führt von Südwesten in das Gräberfeld, Stegmaier hat kaum noch Zweifel, dass es sich dabei um eine Prozessionsstraße handelt. Sie belegt unter anderem, dass das Gräberfeld über einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren als Bestattungsort Verwendung fand. Seltsam ist allerdings, dass die Wegführung nicht mit dem größten Tor des Befestigungswalls, dem „Tor F“, übereinstimmt, sondern beide etwa 50 Meter versetzt voneinander liegen. Warum und weshalb das so ist, auch darüber sollen weitere Untersuchungen noch im laufenden Jahr Auskunft geben.

Info Das Leben der Kelten möglichst originalgetreu erleben kann man bei der erneuten Auflage des Kelten-Spektakels auf dem Gelände der Fliegergruppe in Hülben am 29. und 30. August.