Die Woche Peter Kiedaisch über den Wald und seine Jagdreviere Adrenalin und die Schweine

Peter Kiedaisch.
Peter Kiedaisch. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 08.12.2018

Nach monatelangem Abwägen, Prüfen und Streiten können die Jagdreviere auf Metzinger Gemarkung doch neu vergeben werden, ehe die alten Pachtverträge auslaufen. Den Schwarzkitteln im Unterholz bleibt also nichts erspart, dabei hat es am Donnerstag während der Sitzung des Gemeinderats noch nach einer unfreiwilligen Schonzeit ausgesehen. Der von der Verwaltung vorgelegte Beschlussantrag geriet nämlich in die Schusslinie. Das Feuer eröffnete ebenfalls ein Schwarzer, wenn auch ohne Kittel. Eckart Ruopp (CDU) kritisierte beispielsweise den neuen Zuschnitt der Reviere. Die werden künftig kleiner. Zudem stünde in der Ausschreibung nichts von einem Sonderkündigungsrecht für Jäger, wenn wegen etwaiger Härtefälle die Jagd nicht nur unrentabel, sondern in finanzieller Hinsicht geradezu desaströs würde. Pächter tragen die durch Schwarzwild verursachten Schäden. OB Dr. Ulrich Fiedler widersprach: Jeder Vertrag sei außerordentlich kündbar, zudem werde für die Jäger eine Art Hilfsfonds eingerichtet. Dann wunderte er sich über diese aufkeimende Diskussion, schließlich hatte der Gemeinderat darüber bereits vor Monaten gestritten und die Verwaltung gebeten, die Sache nochmals zu prüfen. Das hat sie getan, und zwar mit allen Beteiligten, also den Jägern, der Unteren Jagdbehörde des Landratsamts und mit Vertretern des Gremiums. Die Jäger jedenfalls signalisierten der Verwaltung ihre Zustimmung. Inzwischen liegen für einzelne Reviere schon Bewerbungen vor, obwohl die Ausschreibung noch gar nicht erfolgt ist, übrigens auch für die vermeintlich unattraktiven Gebiete mit hohem Feld- und Wiesenanteil. Als OB Fiedler freilich der CDU-Fraktion verbal einen Schuss vor den Bug setzte, weil diese ja in Holger Weiblen einen Juristen hätten, der das doch beurteilen könne, konterte dieser eloquent mit den in diesem Metier immer dann üblichen Worten, wenn es ungemütlich wird: „Herr Kollege!“ Denn Fiedler ist ebenfalls Volljurist. Die Sache endete friedlich, wenngleich nicht einstimmig. Indessen zweifelte Dominik Ohly (CDU) die Wirksamkeit von Drückjagden an. Nur kurz währte der Glaube, über all das waidmännische Gerede keime irgendwo Mitleid auf mit der armen Kreatur. Doch Ohly wäre nicht der Perfektionist, der er ist, würde er sich von Gefühlen leiten lassen: „Das viele Adrenalin in den Wildschweinen“, so Ohly, „macht das Fleisch nur schlechter.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel