Metzingen / Von Peter Kiedaisch  Uhr

Die Sauter Unternehmensgruppe nimmt am Standort Metzingen Personalanpassungen vor, wie das Unternehmen am Dienstag mitgeteilt hat. Dieser Begriff bedeutet nicht automatisch Entlassungen, ist aber für Mitarbeiter durchaus einschüchternd.

Auftragseinbrüche schlagen durch

In den vergangenen Wochen musste der Standort Metzingen zahlreiche Verschiebungen von Aufträgen über das Jahr 2019 hinaus und auch einige Stornierungen von Kunden entgegennehmen, teilt das Unternehmen mit. „Damit schlagen die von den Branchenverbänden Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) registrierten flächendeckenden Auftragseinbrüche in fast allen Werkzeugmaschinensegmenten von bis zu 30 Prozent nun auch voll auf den Systemlieferanten für Werkzeugmaschinen durch.“

Der Spezialist für Werkzeugmaschinen hat seinen Umsatz in den vergangenen Monaten deutlich erhöht.

In der Pressemitteilung heißt es weiter: „Zusätzlich greifen die von der Geschäftsführung im Jahr 2018 initiierten Maßnahmen zur strategischen Neuausrichtung der Sauter Unternehmensgruppe.“

Mehr als 100 Beschäftigte der Firma Sauter haben bei einer Kundgebung die Rückkehr in die Tarifbindung gefordert.

Die notwendige Anpassung der Mitarbeiteranzahl sei die Konsequenz aus der sich deutlich abkühlenden Wirtschaft, der Optimierung von Prozessabläufen in Produktion und Verwaltung sowie dem zunehmenden Kostendruck auf die Produktion am Standort in Metzingen, gepaart mit der fortschreitenden Internationalisierung der Sauter Unternehmensgruppe.

Geschäftsführung, Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter der Sauter Feinmechanik GmbH einigen sich auf eine Tarifbindung.

Zur Stunde wird die Belegschaft über die Pläne der Geschäftsleitung informiert, wie die Geschäftsführerin der IG Metall Reutlingen-Tübingen, Tanja Grzsch unserer Zeitung bestätigt.

Sondierungsgespräche am Mittwoch

Sie steht in engem Kontakt zum Betriebsrat der Firma Sauter. Was das Unternehmen meint, wenn von „Personalanforderungen“ die Rede ist, könne durchaus vielfältiger Natur sein, sagt die Gewerkschafterin. „Ob das auf Entlassungen hinausläuft, müssen wir erst noch sehen.“ Am Mittwoch werden sich zunächst Geschäftsleitung und Betriebsrat zu Sondierungsgesprächen treffen. Dann werden die Karten auf den Tisch gelegt, oder wie es Tanja Grzesch formuliert: „Wir müssen erst mal sehen, worum es geht.“ Wenn sich die Geschäftsleitung auf sich abflauende Konjunktur oder Auftragsrückgänge beruft, müssen nach Ansicht der IG-Metall-Vorsitzenden nicht zwingend Entlassungen oder Kurzarbeit das probate Mittel sein. „Vielleicht hilft auch der Abbau von Zeitkonten“, hofft sie: „Wir haben genügend tarifvertragliche Möglichkeiten.“ Zunächst, und nur so könne sie die Situation einschätzen, benötigt sie Zahlen, Daten und Fakten. Worauf es am Ende hinauslaufen wird, sollte die Konjunktur tatsächlich schwächeln, kann sie derzeit noch nicht abschätzen: „Es gibt halt kein Allheilmittel.“

Sauter-Geschäftsführer Michael F. Rudloff ist durchaus pessimistischer. „Die Wirtschaft kühlt sich ab.“ Nicht schleichend, wie Rudloff die Lage einschätzt: „Das galoppiert“, sagt er mit Blick auf die Krise der Automobilindustrie. Diese wirke sich auf die Zulieferer aus, das schlägt auf die Maschinenhersteller durch, am Ende dieser Wertschöpfungskette sind es Unternehmen wie Sauter, deren Hauptgeschäft die Produktion Werkzeugrevolver ist. Gegenüber der IG Metall habe er schon vor wenigen Wochen signalisiert, dass die Zahlen Sorgen bereiten. Kunden stornieren Aufträge oder verschieben Bestellungen ins nächste Jahr.

Doch in den vergangenen vier Tagen habe sich die Tendenz dramatisch verschärft. Mit Blick auf den Standort Deutschland sagt er: „Wir hatten zehn Jahre eine tolle Welt, aber jetzt rumpelt’s. Dann hält er einen Moment inne und ergänzt: „Jetzt rumpelt’s gewaltig.“

Am Mittwoch also beginnen die Gespräche mit dem Ziel, in drei bis vier Wochen sagen zu können, wo Sauter steht. „Sorgsam und mit aller Vorsicht“, sollen die Entscheidungen getroffen werden. Die Rede ist zunächst davon, dass Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Zweitens trifft es jene, deren Arbeitsvertrag ausläuft. „Es wird aber auch Entlassungen geben“, sagt Rudloff. Er sagt nur noch nicht wie viel.

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