Ansprache „Wir können mehr tun als andere“

Von Peter Kiedaisch 07.01.2018

So also vergeht die Zeit. War es denn nicht gerade erst, als Metzingens OB Dr. Ulrich Fiedler an gleicher Stätte seine Zuhörer darum bat, ihn bei der anstehenden OB-Wahl zu unterstützen? In der Zwischenzeit hat die Erde auf ihrer Reise um die Sonne mal wieder eine Runde mehr geschafft, der OB wurde mit deutlichem Vorsprung wiedergewählt und hat nun auch schon das erste Jahr seiner zweiten Amtsperiode hinter sich. Und doch ändern sich andere Dinge eher langsam oder gar nicht, weswegen Fiedler erneut und unermüdlich die Vorgänge in dieser Gesellschaft hinterfragt und einiges in durchaus kritischen Worten anprangert.

Das hat er vor einem Jahr bereits getan, weil immer mehr demokratische Staaten ihr Heil in rechtspopulistischen Strömungen suchen. „Die Trumps dieser Welt“, wie er es am Sonntag formulierte, sorgten nicht gerade für großes Vertrauen, zumal eine altgediente Demokratie wie die der USA bislang ein verlässlicher Stützpfeiler in dieser Welt war. „Doch scheinbar gibt es immer mehr Egoismen und immer mehr Menschen, die sich abgehängt fühlen“, konstatiert Fiedler, der dazu rät, „wieder für mehr Solidarität und Zusammenhalt und für das bewusste Erleben von Gemeinsamkeit zu sorgen.“ Dann hätten populistische und radikale Parteien keine Chance.

Dazu braucht es diverse Anstrengungen, die auch die Kommunen fordern werden. Die Stadt und ihre Einwohner müssen beispielsweise Wohnraum schaffen. „Die Mittel dazu“, kritisierte Fiedler, „aber müssen auch aus Berlin kommen.“ Den im Auditorium stehenden Bundestagsabgeordneten gab er die Bitte mit auf den Weg: „Sorgen Sie mit dafür, dass dringend notwendiger Wohnraum auf allen Ebenen leichter entstehen kann.“ Durch Förderprogramme, durch Investitionserleichterungen, durch notwendige Anpassungen des Planungsrechts, durch steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten oder echte Eigenheimzuschüsse. Solche Ausgaben machen sich langfristig bezahlt, davon ist Fiedler überzeugt: „Nur wer ein angemessenes und finanzierbares Dach über dem Kopf hat, lebt in der Mitte dieser Gesellschaft, und nur der kann dieser Gesellschaft auch etwas zurückgeben.“

In diesem Zusammenhang hat er nochmals dazu aufgerufen, ungenutzten Wohnraum für jene zugänglich zu machen, die ihn dringend brauchen: „Bezahlbares Wohnen ist Grundvoraussetzung für den sozialen Frieden.“

Erst in den kommenden Sitzungen wird der Gemeinderat den Doppelhaushalt für die kommenden zwei Jahre beraten und beschließen, doch eines hat Fiedler bereits vorweggenommen: Die Stadt werde auch künftig viel Geld in den Bereich Bildung stecken. Und er hat für Februar den Umzug der Grundschüler aus den Containern in die dann fertig sanierte Sieben-Keltern-Schule angekündigt.

Nach fast vier Jahren Bauzeit und Investitionen in Höhe von etwa zwölf Millionen Euro. „Wir können mehr als andere leisten“, so Fiedler. Die Einnahmen der Stadt sind, wie er sich ausdrückte, nachhaltig sehr hoch, der Gemeinderat verantwortungsvoll und anpackend und die Verwaltung motiviert, kompetent, engagiert.

Dennoch wird sich Metzingen nur das leisten, was leistbar ist. Fiedler möchte am Schuldenabbau festhalten und keine ungedeckten Schecks ausstellen. In die Bäder wird die Stadt Geld stecken, das ist bereits im laufenden Haushalt verankert. Der Beteiligungsprozess läuft, auch der Jugendgemeinderat bringt sich mit ein.

Viel Applaus erhielt Fiedler, als er den in der Gesellschaft zu beobachtenden Hang zur Vereinfachung der Welt kritisierte: Wahrheit oder Unwahrheit scheint in politischen Prozessen nicht mehr die entscheidende Rolle zu spielen, sie werden ersetzt durch den „Gefällt mir“-Knopf auf Facebook.