Kabarett „Wenn ick janz alt bin“

Christian de la Motte war einer der Kabarettisten beim „Five Live“ rund um den Metzinger Kelternplatz. Das „Kabarett-Hopping“ fand bereits im sechsten Jahr statt.
Christian de la Motte war einer der Kabarettisten beim „Five Live“ rund um den Metzinger Kelternplatz. Das „Kabarett-Hopping“ fand bereits im sechsten Jahr statt. © Foto: Leister
Norbert Leister 07.01.2018

Was? Muslime kriegen viermal mehr Kinder als Deutsche? Ja, warum stehst du dann noch hier vor der Flüchtlingsunterkunft“, rief Erik Lehmann am Freitagabend dem Publikum im Metzinger Holykeller entgegen. Und er verstand das auch so, wie es gemeint war: Als Aufforderung, doch endlich was für den Geburtenanstieg in deutschen Landen zu tun. Bissig, schwarzhumorig und hintergründig präsentierte sich der Dresdner Lehmann dabei.

Das Publikum hätte eigentlich gerne noch mehr von ihm gehört. Doch da war schon der erste Wechsel angesagt – 45 Minuten waren rum beim diesjährigen Kabarett-Hopping. „Ich muss immer mal wieder auf die Uhr schauen, ihr wollt ja nur einen Quickie“, hatte auch Christiane Maschajechi wenige Minuten zuvor in der Vinothek gesagt, nachdem sie sich „schwäbisch äroddisch“ auf einem extrem unbequem aussehenden Sessel geräkelt hatte. Dabei betonte sie hauchend: „Sex isch so a herrlichs Hobby.“ Unverkennbar ließ sie dabei eindeutig ihre Herkunft durchklingen.

Währenddessen berichtete Martin Grossmann im Weinbaumuseum in breitestem Bayerisch von seinem Opa: Der sei nämlich bei den Zeugen Jehovas gewesen und habe eine fast schon unheimlich große Zahl an Bibeln an Haustüren verkauft. Wie er das schaffte? Opa habe gedroht: „Wollen Sie die Bibel kaufen oder soll ich sie Ihnen vorlesen?“ Doch Grossmann schwelgte noch in anderen Erinnerungen: Seinen ersten Auftritt als Kabarettist habe er bei der Weihnachtsfeier der städtischen Müllabfuhr Deggendorf gehabt. Ohne Gage. Am Freitagabend reichte es für Martin Grossmann wenigstens zu „em Glasl Wein ond em Essen“.

Weitere Station beim Kabarett-Hoppingen: die Stadtbücherei. Dort las der heftig-deftig berlinernde Andreas „Spider“ Kreuzke „selbst ausjedachte Jeschichten“. Zum Beispiel darüber, wie es sein könnte, „wenn ick janz alt bin“. Dann werden nämlich die Mädchen in den Schulen auf diejenigen zeigen, die nicht so dick seien wie sie selbst. Das Schönheitsideal heiße dann einfach: fett. Und bekannte Filme würden als „Remakes“ erscheinen, „mit adipösen Schauspielern“. Pretty woman werde dann als extrem dralle Schönheit daherkommen und „die Titanic sinkt dann ganz ohne Eisberg“. Braucht es ja auch nicht, weil die viel zu fetten Menschen auf dem Schiff zum Kentern ausreichen.

Fünfter und letzter Künstler bei „Five Live“ war in diesem Jahr der Illusionist und Komödiant Christian de la Motte: Er ver- und bezauberte das Publikum am Freitagabend drei Mal eine Dreiviertelstunde lang in der Metzinger Festkelter. Zum Beispiel mit Ringen. Und mit der Erkenntnis, dass „Reiben und Pusten allein nicht hilft“, um die metallenen Reifen miteinander zu verketten und wieder zu lösen. Volkmar aus dem Publikum half de la Motte dabei – wobei er nicht wirklich in die Kunst dieser Zauberei eingeweiht wurde. Dem Publikum hat’s dennoch gefallen, denn der Illusionist würzte seine Tricks mit jeder Menge Humor. Ganz nach dem Motto: „Wenn’s klappt, ist’s Zauberei, wenn nicht Comedy“, so de la Motte.

Insgesamt war „Five Live“ einmal mehr auch in diesem Jahr ein voller Erfolg – „wir waren schon seit Wochen ausverkauft“, betonten Jochen Kromer und Meike Hespeler kurz vor Beginn des Kabarett-Hoppings. Als Kooperation zwischen dem Veranstaltungsring und der Metzinger Marketing- und Tourismus GmbH wurde das Happening am vergangenen Freitagabend bereits zum sechsten Mal durchgeführt. „Der Termin ist optimal, denn viele der 450 Eintrittskarten werden als Nikolaus- oder Weihnachtsgeschenk gekauft“, sagte Hespeler als MMT-Mitarbeiterin.

Die atmosphärenreichen Veranstaltungsorte – von Festkelter, Vinothek über Weinbaumuseum, Bücherei-Kelter bis zum Holykeller – waren einmal mehr ein Erfolgsgarant. Die Kapazitäten reichten von 50 bis 150 Zuschauer und waren, wie in den vergangenen Jahren auch, mit hochrangigen Künstlern besetzt worden. Wie es jedes Jahr zu dieser Auswahl der Kabarettisten kommt? „Mittlerweile melden sich Künstler und Agenturen von sich aus bei uns“, sagte Kromer. „Und es gibt jedes Jahr eine Kabarett- und Comedy-Börse in Freiburg – da ist immer jemand vom Veranstaltungsring vor Ort“, erläuterte Hespeler. Jedes Jahr wieder versuchen VRM und MMT gemeinsam ein höchst attraktives Programm zu gestalten – was den Veranstaltern auch dieses Mal wieder gelungen ist. Und: Die Vorbereitungen für das kommende Jahr beginnen jetzt. Sofort. Gleich nach dem Ende des diesjährigen „Five Live“.

„Five Live“ rund um den Kelternplatz

Zum sechsten Mal ging das Kabarett-Hopping „Five Live“ nunmehr in Metzingen über die Bühne. Das Programm von Veranstaltungsring und Metzingen Marketing und Tourismus GmbH kommt gut an, schon seit Wochen waren die Veranstaltungen ausverkauft. Jeder der fünf Künstler bietet seinen Auftritt drei Mal an dem für ihn vorgesehenen Spielort an. Ihm stehen hierzu jeweils 45 Minuten Spielzeit zur Verfügung. Dazwischen gibt es jeweils Pausen, die genügend Zeit bieten, um den Spielort zu wechseln und sich mit Getränken und kleinen Speisen versorgen können.