Zainingen / ANGELA STEIDLE  Uhr
Der Hausherr holt tief Luft: "Es ist unglaublich, was die Musiker leisten. Am Ende des Jahres nochmal so ein Highlight zu setzen. Einfach beeindruckend."

"Wir haben einen sehr progressiven Musikverein, der sich immer wieder auf etwas Neues einlässt. Auch auf modernes kirchliches Liedgut", Pfarrer Bernhard Elser "fehlen die Worte - und eigentlich spricht der Abend für sich". Vor mehr als 350 bewegten Zuhörern spielte der Zaininger Musikverein zum ersten Mal in nahezu kompletter Besetzung in der Kirche. Ein paar Zufälle hatten zusammen geholfen: Die Festhalle wird umgebaut und fiel als Veranstaltungsraum für das Jahreskonzert aus. Die Kirche war bis knapp vor Weihnachten ausgebucht und gerade da gab es jede Menge Alternativ-Programm. Alle Zweifel des Dirigenten halfen nichts. Christoph Winkler bekam seinen lange gehegten Wunsch erfüllt: Ein eigenes Kirchenkonzert. Eine kleine musikalische Herausforderung. So hatten die Zaininger ihren Musikverein noch nie erlebt, und so hatten auch die Musiker ihre Zaininger Kirche noch nie erlebt.

"Das ist ganz anders als im Festsaal", meinte Winkler, "mucksmäuschenstill, man hört jeden Ton und jeden Ausrutscher. Jeder ist hochkonzentriert. Die Akustik ist im leeren Raum ganz anders als voll besetzt." Ganz bewusst hatte der musikalische Leiter die ausgetretenen Pfade der Unterhaltungsmusik verlassen - war dann aber auch nicht der Versuchung erlegen, hochphilosophisch konzertante Musik zum Besten zu geben. Ganz kurz vor Weihnachten konnte sich Christoph Winkler nichts anderes vorstellen, als eine Einstimmung auf die Heilige Nacht. So umspielten die Bibeltexte zur Weihnachtsgeschichte eher vertraute Kirchenklänge wie das "Preludio Jubilate" oder "Tochter Zion", "Kommet ihr Hirten", "Was soll das bedeuten" oder ein völlig neu gehörtes "Gloria in excelsis Deo".

Die Dominanz der Blechblasinstrumente wechselte spielend zu Holz und einem feierlichen Querflötentrio. Die Kapelle spielte die warmherzigen Gesangseinlagen von Elisa Röcker, Madlen Schönleber und Stefanie Wurst in den Vordergrund, der feine Uhrschlag eines Glöckleines, Trompetenecho und Paukenschauer. Zum Finale sang die Gemeinde mit Musikverein "O du Fröhliche". Bis der verdiente Applaus kam und die Instrumente wieder eingepackt wurden. Eine Zugabe gibt es am Altar leider nicht.

Christoph Winkler hatte sich und seinen Musikern einiges abverlangt. Seit Oktober stand das Programm: "Kirchenmusik ist eine ganz andere Literatur, eine Herausforderung. Das formt meine Musiker. Ich hab auch darauf geachtet, dass die Bearbeitung was hergibt." So sparsam hört sich das an, wenn der Dirigent eigentlich meint: Ein feierlicher Glanzpunkt auf gewohnt hohem Niveau, in einer unvergleichlichen Atmosphäre. Märchenhaft, verzaubernd, mit einem ganz ungewöhnlichen Repertoire. Und die Zuhörer sagen Danke für ein paar unvergessliche Momente, die Weihnachten schöne Töne näher bringt.

Bereits im moderierten Vorprogramm lag der Anspruch hoch: mit "Jesus, berühre mich", einem modernen Kirchen-Popsong von Liedermacher Albert Frey, der Filmmusik zu Aschenbrödels Tanz mit drei magischen Haselnüssen, Freddy Mercurys Hymne "The Great Pretender" mit einem Trompetensolo von Wolfgang Röcker und Leonard Cohens "Halleluja" in drei Gesangs-Soli wie tanzende Eiskristalle. Die Spende des Abends stiftet der Musikverein für den Umbau des Zaininger Gemeindehauses.