Bad Urach „Tue Gutes und rede darüber“

Das Gebäude „Am Bad 5“ (im Hintergrund) ist das Stiftungskapital der „Anne und Gustav Schuhmacher-Stiftung“. Über die Verteilung der dort jährlich anfallenden Mieteinnahmen entscheidet der Stiftungsrat: (v. l.) Elmar Rebmann, Carola Walter und Dietmar Schrade als Stiftungsvorsitzender.
Das Gebäude „Am Bad 5“ (im Hintergrund) ist das Stiftungskapital der „Anne und Gustav Schuhmacher-Stiftung“. Über die Verteilung der dort jährlich anfallenden Mieteinnahmen entscheidet der Stiftungsrat: (v. l.) Elmar Rebmann, Carola Walter und Dietmar Schrade als Stiftungsvorsitzender. © Foto: Simon Wagner
Von Simon Wagner 21.07.2018

Bäderstadt, Kurstadt, alte Residenzstadt. Bad Urach besitzt viele Beinamen. Alleine, einer müsste noch hinzugefügt werden: Bad Urach ist auch die Stadt der Stiftungen.

Man muss wohl lange und aufwendig suchen, um eine Kommune in der Region zu finden, die eine auch nur annähernd so dicht und lebhaft besetzte Stiftungslandschaft besitzt. Alleine vier derlei Einrichtungen finden sich, bei der die Stadt direkt oder indirekt beteiligt ist. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Stiftungen, die alleine durch private Hand geführt werden. Gemein indes ist allen, dass sie sich durch mildtätige Zwecke hervortun und durch regelmäßige Ausschüttungen unterschiedliche Aspekte des Gemeinwohls fördern und unterstützen.

Nicht anders der Ansatz der „Anne und Gustav Schuhmacher-Stiftung“. Am 3. Juli 2003 und damit fast auf den Tag genau vor 15 Jahren ins Leben gerufen, feiert sie dieses Jahr ein kleines Jubiläum. Nach dem Tod des Fotogeschäftsinhabers und Immobilieneigentümers, Gustav Schuhmacher am 4. Januar 2000, war es der mit dem Ehepaar eng befreundete Hauptamtsleiter Dieter Ernst, der die Idee zur Stiftungsgründung hatte. Noch vor ihrem überraschenden Tod am 3. Februar 2003 verfügte Anne Schuhmacher testamentarisch, dass das Gebäude als Eigentum an die Stadt fällt. Ausdrücklich festgehalten wurde aber auch ein Verbot, es zu veräußern – stattdessen sollten die jährlichen Mieterträge für die Unterstützung gemeinnütziger Vereine verwandt werden. Insbesondere Sportvereine, Musikvereine und Gesangsvereine mit Sitz in Bad Urach und den Stadtteilen sollten profitieren. Der Gemeinderat stimmte daraufhin der Gründung einer unselbstständigen Stiftung am 24. Juni 2003 zu.

Anne Schumachers Forderung wurde in den vergangenen 15 Jahren eindrucksvoll umgesetzt. Der heutige Vorsitzende des Stiftungsrats, Dietmar Schrade jedenfalls, zog anlässlich des kleinen Jubiläums eine Zwischenbilanz. Getreu dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber.“

Wie im vergangenen Jahr flossen auch jetzt am 1. Juli wieder ­22 000 Euro an insgesamt 27 Vereine aus Bad Urach. Die einzelnen Beträge variieren dabei und sind zwischen 200 und 3200 Euro hoch. Im Laufe der vergangenen Jahre und seit der Gründung der Stiftung schüttete die Stiftung insgesamt 322 400 Euro aus. Schon 30 Vereine profitierten. Welcher Verein wie bedacht wird, darüber entscheidet jedes Jahr der Stiftungsrat. Er ist mit dem Vorsitzenden Dietmar Schrade, Carola Walter und Bürgermeister Elmar Rebmann besetzt. Die einzige – dafür eiserne – Regel bei der Auswahl der Empfänger ist die gemeinnützige Natur des Vereins, die sich etwa auch in einer aktiven Jugendarbeit niederschlägt.

„Die Stiftung ist eine segensreiche Einrichtung für die Stadt“, so Bürgermeister Rebmann. Seien die Zuwendungen doch für viele Vereine eine wichtige Einnahmequelle – gleichzeitig aber auch eine handfeste Wertschätzung, die ihnen zu Teil werde. Wie die Vereine die Mittel verwenden, bleibt ihnen dabei selbst überlassen.

Die Architektur der „Anne und Gustav Schuhmacher-Stiftung“ unterscheidet sich dabei von der vieler anderer. Bewusst speist sich das Stiftungskapital nicht aus gespendeten Zuwendungen. Zur Ausschüttung kommen, nach Abzug von notwendigen Aufwendungen zur Instandhaltung, alleine die jährlichen Mieteinnahmen die im Gebäude „Beim Bad 5“ anfallen. Hier residiert neben dem Fotofachgeschäft eine Arztpraxis, zudem sind dort drei Wohnungen untergebracht. Über verschiedene Stockwerke verteilt, verfügt das Haus über eine Gesamtfläche von 571 Quadratmeter. Zum Wohle aller. Ganz so wie es sich Anne Schuhmacher einst gewünscht hatte.

Die Bad Uracher Stiftungslandschaft

Neben zahlreichen Stiftungen, die getragen sind durch Institutionen und private Unternehmen aus Bad Urach, gibt es auch solche, an denen die Stadt direkt oder indirekt beteiligt ist, beziehungsweise einst den Anstoß zur Gründung gab:

Anne und Gustav Schumacher-Stiftung
Die Stiftung verfolgt unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Unterstützt werden Sport-, Musik- und Gesangvereine in Bad Urach. Die Ausschüttung erfolgt jeweils zum 1. Juli eines jeden Jahres. Über die Verteilung entscheidet der Stiftungsrat. Weitere Infos bei Carola Walter.

Bürgerstiftung Bad Urach
Die Bürgerstiftung Bad Urach unterstützt seit 2006 Projekte in der Stadt und verfolgt mit ihren regelmäßigen Ausschüttungen das Ziel, die Aufrechterhaltung und den Ausbau der sozialen und kulturellen Grundwerte und das allgemeine Gemeinwohl zu fördern. Kontakt und weitere Informationen unter: www.buergerstiftung-badurach.de.

Margarete und Erich Jerratsch-Gseller Stiftung
Die 1965 gegründete Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar mildtätige Zwecke durch Unterstützung von Personen, die bedürftig, über 65 Jahre alt, erwerbsunfähig oder schwerstbehindert sind und deren erster Wohnsitz in Urach begründet wurde. Informationen bei Simone Bendig.

Prof.-Dr.-Carl-Fischer-Stiftung
Der Uracher Hautarzt Prof. Dr. Carl Fischer hinterließ der Stadt ein größeres Vermögen mit der Auflage, daraus eine Stiftung zugunsten musisch begabter Jugendlicher aus Bad Urach zu bilden, die sich im kulturellen Bereich beruflich zu etablieren gedenken. Die Förderung erfolgt in Form von Stipendien oder Projektförderungen. Ansprechpartner und weitere Informationen bei Thomas Braun und Karin Ulucer. wag

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