Inklusion „Toilette für alle“ im Rathaus

Mit der Eröffnung der „Toilette für alle“ wurde in Grabenstetten ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion beschritten.
Mit der Eröffnung der „Toilette für alle“ wurde in Grabenstetten ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion beschritten. © Foto: Privat
Grabenstetten / swp 07.07.2018

Ausflüge und Veranstaltungen können Erwachsene, die auf Windeln angewiesen sind, sei es durch schwere Behinderungen oder Inkontinenz, kaum besuchen, weil selten eine Möglichkeit zum Wechseln der Windeln vorhanden ist. Beim Kandelfest in Grabenstetten am 14. und 15. Juli allerdings, ist das anders: Die Gemeinde Grabenstetten hat rechtzeitig zu dem Großereignis eine „Toilette für alle“ im Rathaus eröffnet.

 Damit setzt die Albgemeinde am Heidengraben, die schon mehrfach als „barrierefreie Gemeinde“ ausgezeichnet wurde, ein weiteres Zeichen für bessere Teilhabemöglichkeiten für Jugendliche und Erwachsene, die auf Windelwechsel angewiesen sind. Es ist die erste „Toilette für alle“ auf der Schwäbischen Alb und schließt damit eine entsprechende Versorgungslücke. Insgesamt gibt es in Baden-Württemberg nun 35 Standorte.

 Die „Toilette für alle“ bietet mehr als eine „normale“ Rollstuhltoilette, denn sie ist als Ort zum Windelwechsel zusätzlich mit einem Lifter, einer verstellbaren Liege und einem lufticht verschließbaren Windeleimer ausgestattet. Wenn ein solcher Ort zum Windelwechsel fehle, könne dies nur unter entwürdigenden Umständen auf dem Fußboden einer Toilette, auf der Rückbank des Autos oder auf einer Wiese erfolgen, erklärte dazu Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM). Darum blieben viele Betroffene lieber daheim, weil „man mit vollen Hosen nicht teilhaben kann.“ Deshalb sei eine „Toilette für alle“ besonders an Veranstaltungsorten und Ausflugszielen wichtig. „Auch mit Einschränkungen möchten wir teilhaben können“, so Inklusionsbotschafter Peter Maier aus Stuttgart. „Es ist wichtig, dass noch mehr solcher Orte entstehen.“ Pierre Mayer, ebenfalls Inklusionsbotschafter, ließ sich „liften“ um deutlich zu machen, wie wichtig diese Einrichtung ist. „Die Standorte sollten flächendeckend sein“, so auch Monika Tresp, Referentin der Fachstelle Inklusion beim Gemeindetag Baden-Württemberg. Das Projekt wird vom Ministerium für Soziales und Integration mit bis zu 90 Prozent gefördert. Für den Rest hat sich in Grabenstetten ein nicht genannter Sponsor gefunden. Grabenstettens Bürgermeister Roland Deh wies darauf hin, dass „barrierefrei“ zu sein nicht ausreiche für die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben und die Gemeinde diesbezüglich weitere Verbesserungen anstrebe. 

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