Hülben / Kirsten Oechsner

Blasmusik und Oper, Laientheater und Gastspiele von renommierten Bühnen, malende Kinder und ausgebildete Künstler: Kultur im ländlichen Raum ist vielfältig und kreativ, hausgemacht und von Profis präsentiert. Doch was brauchen die Menschen auf dem Land? An welchen Kriterien kann Kultur gemessen werden? Und vor allem: Wie wird sie finanziert?

Viele Fragen, auf die mehr als 120 Funktionäre und Kulturschaffende, Vertreter von Vereinen und soziokulturellen Zentren, Bürgermeister und Berufskünstler trotz intensiven Meinungsaustausches bei der inzwischen zweiten Kulturplattform in Hülben nicht die eine, allgemein gültig Antwort finden konnten. „Wir dürfen diese Diskussion nicht in Sparten führen, so kommen wir nicht weiter“, machte Petra Olschowksi, Staatssekretärin im Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Forschung deutlich „Wir müssen thematischer denken.“ Dem Gespräch in der großen Runde waren Diskussionen in vier Foren vorangegangen: „Von Heimatstube bis Museum“, „Von Volkstheater bis große Bühne“, „Von Opernfestival bis Blasmusik“, „Von Ausstellungen bis Kunstverein“. Am Ende stand bei allen Gruppen die Erkenntnis: Eine Vernetzung ist notwendig – auch über einzelne Vereine, Gemeinde-, Kreis- und sogar Landesgrenzen hinweg. Zum Teil verkrustete (Vereins-)Strukturen aufzubrechen und sich den geänderten Zeiten anzupassen war eine weitere Forderung, wie Selbstbewusstsein zu zeigen: „Unsere Kulturarbeit auf den Land ist so viel Wert wie die in Verdichtungsräumen“, unterstrich Klaus Pavel, Landrat des Ostalbkreises.

„Wir müssen uns nur immer wieder melden und sagen: Wir sind auch da.“ Um Kulturprojekte nachhaltig umzusetzen brauche man jedoch die entsprechenden Möglichkeiten: „Das große Interesse an der Veranstaltung zeigt, wie wichtig dieses Thema ist.“ Das sieht auch sein Kollege Thomas Reumann so: „Kultur gehört zur Daseinsvorsorge und dieses Verständnis muss man haben“, so der Landrat im Kreis Reutlingen. „Die Basis muss stimmen und die brauchen wir über die Hochkultur hinaus.“

Die Bedeutung von Musikvereinen und Chören, Kulturvereinen und anderen Gruppierungen ist unbestritten hoch im ländlichen Raum, ohne Ehrenamt ginge laut Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin für Ländlichen Raum, gar nichts: „Wir haben in den Gemeinden viele Ideen und Impulse, doch die Frage ist, wie man sie konstruktiv begleiten kann.“ Das heißt in der Praxis, so ihre Kollegin Olschowski: „Strukturen begreifen und Ansprechpartner etablieren.“ Ihre Forderung: „Kultur weniger für sondern mit den Menschen machen.“

Das forderte auch Werner Huber, stellvertretender Bürgermeister aus Erkenbrechtsweiler: „Hier wird auf hoher Ebene diskutiert, diese Gespräche sollen an der Basis und mit Menschen, die vor Ort Kultur machen weitergeführt werden“, so seine Forderung. Das wird auch der Fall sein, die „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“, getragen von der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des Programms „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“, hat für Februar bereits das nächste Kulturforum terminiert. Das reiche an Aktionismus indes nicht aus, bereits in den Schulen müsse das Bewusstsein für Kultur vermittelt werden, so die Forderung von Hortensia Völckers. Die künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes machte deutlich: „So lange nur darüber geredet wird, haben wir ein Problem.“