Alle Jahre wieder... kommt nicht das Christkind in den Bad Uracher Gemeinderat, sondern der Leiter des hiesigen Polizeipostens, Arthur Stotz. Auch dieses Mal kam er nicht, um Geschenke zu verteilen. Im Gepäck hatte er stattdessen viel Papier in Form des Kriminalitätslageberichts und insbesondere Nachrichten, die die Kurstädter wohl gerne hören: „Urach ist eine sichere Stadt. Hier lässt es sich gut und sicher leben“, so sein Fazit, das er am Ende seines Berichts zur Lage im Vorjahr zog. Zuvor hatte er diese Feststellung wortreich mit Zahlen und Daten unterfüttert. Dabei liegt die Stadt im landesweiten Trend.

Hier wie dort hat man es mit einer zurückgehenden Zahl an Straftaten zu tun. In Bad Urach sank sie 2017 auf insgesamt 582 Fälle (Vorjahr 655), was einen Rückgang von über elf Prozent ausmacht. „Soweit unten waren wir noch nie und das ist gut so“, bemerkte Stotz. Die Zahl der Delikte, umgerechnet auf 100 000 Einwohner, ergibt damit eine erneut gesunkene Kriminalitätsbelastungszahl von 4704 (2016: 5394). Wie die Zahl für den gesamten Kreis, so lag auch der Bad Uracher Wert im Jahr 2017 weiter unter dem Landesschnitt (5295).

Unterdurchschnittlich hingegen war die Aufklärungsquote. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr zwar nur leicht um knapp zwei auf nun 57 Prozent, sie bleibt aber deutlich hinter den Werten im Land zurück (62,4 Prozent). Die geringere Aufklärung von Straftaten, sieht Stotz aber weniger in einer knappen Personaldecke begründet, wie Ratsfrau Marlene Eggert (SPD) fragend mutmaßte, sondern eher in der Art der verübten Delikte. Die Wahrscheinlichkeit Diebstähle oder Einbrüche aufzuklären sei traditionell eher gering. In nur etwa zehn Prozent der Fälle gelingt es, die Langfinger dingfest zu machen. Entwarnung geben konnte Stotz in Sachen Wohnungseinbrüche. Insgesamt wurden 2017 nur deren sechs aktenkundig. Im Vorjahr waren es noch 14. Jene, die sie zum Teil bandenmäßig verüben, zählt der Polizeibeamte „internationalem Klientel“ zu. „Das ist niemand von hier“, weiß Stotz. Vermeintlich organisierte Gruppen sind es wohl auch, die die Zahl gestohlenen Fahrräder in die Höhe treiben. 2017 zählte man 18 Fälle, knapp doppelt so viele wie sonst üblich. Dabei handle es sich durchweg um hochwertige Fahrräder und wertige E-Bikes, die teils sogar aus Garagen entwendet werden. Sachbeschädigungen hingegen waren 2017 auf einem Tiefststand. Nur deren 70 wurden bekannt, darunter 30 Sachbeschädigungen an abgestellten Autos. Ein Großteil vermutlich verübt von ein und demselben Täter. Das Motiv? „Persönliche Animositäten“, vermutet Stotz hinter der selbstorganisierten Abstrafung von vermeintlichen Parksündern. „Wir haben einen im Auge, haben ihn aber noch nicht. Das ist aber eine Frage der Zeit“, wie er prophezeite.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 281 Tatverdächtige aktenkundig. Die Mehrheit davon Männer. Die Jugendkriminalität liegt mit einem Anteil von 21,7 Prozent unter dem Kreisschnitt. 43,4 Prozent der Verdächtigen (122) waren Nichtdeutsche. Eine Quote, leicht über dem Landesschnitt (rund 42,1 Prozent). Stotz hält fest: „Beim Thema Asyl gibt es keine Besonderheiten.“ Diese Botschaft im Ohr, hakte Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann ein. In einem beinahe schon emotionalen Appell bat er all jene, die den Untergang des Abendlandes täglich vor Augen haben, die Kirche doch bitteschön im Dorf zu lassen: „Trotz steigender Einwohnerzahlen und rund 300 Asylbewerbern in der Stadt, sind die Zahlen zurückgegangen“, unterstrich er. „Wir können stolz sein, was wir miteinander erreicht haben“, so Rebmann. Die Asyl- und Jugendarbeit im Speziellen und der wertschätzende Umgang miteinander im Allgemeinen, trage dazu bei, dass man in einer sicheren Stadt lebe – und insgesamt in einem sicheren Land. „Darüber können wir froh sein“, schloss er den Dank an die ehren- und hauptamtlich tätigen Helfer an, und nahm damit auch US-Präsident Donald Trump aufs Korn, der kürzlich über eine von der Bundesregierung angeblich geschönte Kriminalitätsstatistik twitterte.

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Prozent betrug 2017 der Rückgang der Kriminalität in Bad Urach im Vergleich zum Vorjahr. Die Rate liegt unter dem Landesdurchschnitt. Wohnungseinbrüche sind kaum ein Thema.