Metzingen „Für die Kammer ein Rätsel“

Für eine Serie von Einbrüchen hat das Landgericht Tübingen einen 47-Jährigen verurteilt.
Für eine Serie von Einbrüchen hat das Landgericht Tübingen einen 47-Jährigen verurteilt. © Foto: A4796/_Silas Stein
Simon Wagner 31.08.2017

Mit einer empfindlichen Haftstrafe von viereinhalb Jahren ging am Mittwoch am Landgericht Tübingen der Prozess gegen einen 47-Jährigen zu Ende, dem die Staatsanwaltschaft eine Serie von Wohnungseinbrüchen zur Last legt. Trotz einzelner Verfahrenseinstellungen, summiert sich die Zahl auf elf Einbrüche, die er zwischen November 2015 und Mai 2016 begangen hat. In drei Fällen blieb es beim Versuch.

Der Angeklagte verübte die Taten in Bayern und in Baden-Württemberg. Unter anderem auch in Metzingen und Orschel-Hagen. Wie die Vorsitzende Richterin der Zweiten Großen Strafkammer, Mechthild Weinland, festhielt, legte er ein stets vergleichbares Tatmuster an den Tag. Mit brachialer Gewalt habe er die Wohnungstüren in Mehrfamilienhäusern aufgebrochen und anschließend Schränke und Schubladen nach Wertgegenständen durchsucht. Zuvor habe er sichergestellt, dass sich tagsüber niemand in den Wohnungen aufhielt. Die Kammer sieht darin ein professionelles Vorgehen und die Absicht, sich durch gewerbsmäßige Einbrüche eine dauerhafte Einnahmequelle zu verschaffen.

Der Angeklagte erbeutete Gegenstände mit nur geringem Wert bis hin zu wertvollem Gold- und Silberschmuck. Bei einem Einbruch in Metzingen etwa meldeten die Geschädigten einen Verlust von rund 10 000 Euro. Über die angeklagten Fälle hinweg entwendete er Bargeld, Edelmetalle und Gegenstände im Wert von rund 20 000 Euro. Beträchtlich auch der Sachschaden, den er an den Türen verursachte. Er ist auf insgesamt 18 000 Euro beziffert.

Sicherheitsgefühl erschüttert

Richterin Weinland hielt dem 47-Jährigen vor allem aber vor, neben zählbaren Schäden auch psychische Belastungen verursacht zu haben, indem er in die Privatsphäre der Geschädigten eingedrungen sei und das elementare Grundbedürfnis nach Sicherheit erschüttert habe. Betroffene schilderten dem Gericht auch gestern, teils unter Tränen, die damaligen Geschehnisse und berichteten von den Folgen der Taten. Sie manifestierten sich mitunter in monatelangen Schlafstörungen, Angstzuständen und Nervosität.

Der Angeklagte richtete im Rahmen des Prozesses und durch eine Dolmetscherin übersetzt, durchgängig Worte der Entschuldigung und der Reue an die Opfer. Für die Kammer glaubwürdig, ebenso wie seine Beteuerungen, sein Leben ändern zu wollen. Wie er als mehrfacher Vater mit fundierter Schulausbildung und geordnetem Leben überhaupt auf die schiefe Bahn geraten und zum Serienstraftäter geworden sei: „Für die Kammer ein Rätsel.“

Indes geht das Gericht davon aus, „dass er nach Deutschland eingereist ist, um die Einbrüche zu begehen“. Schon in seiner Heimat Ungarn vereinte er zahlreiche und einschlägige Vorstrafen auf sich. Zu Gute hält die Kammer dem Angeklagten, dass er frühzeitig ein umfassendes Geständnis abgelegt hat. Dies hatte eine Beweisaufnahme in wesentlich geringerem Umfang zur Folge. Überführt wurde er, nachdem er in Stuttgart Diebesgut in einem Pfandleihhaus zu Geld machen wollte. Fingerabdrücke und DNA-Spuren an den Tatorten wiesen ihn als Täter aus.

Noch im Gerichtssaal wurde auf Rechtsmittel gegen das Urteil verzichtet. Es ist somit rechtskräftig und blieb unter der Forderung von Staatsanwalts Philipp Ries. Er forderte zuvor sechs Jahre Haft. Der Verteidiger des Angeklagten, Achim Wizemann, hielt hingegen höchstens dreieinhalb Jahre Haft für angemessen. Auch weil der 47-Jährige neben strafrechtlichen nun auch mit ausländerrechtlichen Konsequenzen zu rechnen hat.

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vollende Wohnungseinbrüche und drei Versuche hat ein 47-Jähriger unter anderem in der Region verübt. Gestern bekam er in Tübingen die Quittung: viereinhalb Jahre Haft.