Metzingen „Ein Bürgerentscheid wäre falsch“

Metzingen / Von Peter Kiedaisch 18.07.2018

Ein großes Thema beherrscht derzeit die Stadt, zu dem es allerdings zwei Meinungen gibt. Und die stehen sich diametral gegenüber. Hier das geplante Kombibad, dort der Erhalt und die Sanierung der zwei bestehenden Bäder. Und wie immer, wenn Kompromisse nicht möglich sind, arbeiten sich die Lager aneinander ab.

Das führt bisweilen zu heftigen Wortgefechten, die teilweise auf offener Straße ausbrechen. Zwei, die diese Diskussion weitestgehend emotionslos führen, sind Carsten Reusch und Felix Schiffner.  Reusch ist Abteilungsleiter der TuS-Schwimmer, Schiffner ist Vorsitzender der DLRG in Metzingen. Sie plädieren beide für den Neubau eines Kombibads auf dem Bongertwasen. Sie sprechen zudem im Auftrag der Wal-Tauch-Freunde Metzingen und der Versehrtensportgemeinschaft, die es genau so sehen.

Hinter ihnen stehen mehr als 800 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, allerdings wissen weder Reusch noch Schiffner, ob alle derselben Meinung sind. „Es kann schon sein, dass es Mitglieder gibt, die für sich sagen, sie können die Argumente der Bürgerinitiative nachvollziehen“, sagt beispielsweise Reusch und fügt hinzu „das ist ja auch okay.“ Auch Schiffner hat Vereinskameraden, die sagen: „Ich wohne am Konrad-Adenauer-Platz, deswegen möchte ich das Hallenbad erhalten.“ Ein anderer ist gegen das Kombibad, weil er die Wiese am Bongertwasen gerne weiterhin für Spaziergänge mit seinem Hund hätte.

Aber alle gäben zu, wenn es ums Vereinsinteresse gehe, dann sei das Kombibad die einzig tragbare Variante. Das bestätigen Reusch und Schiffner unisono. Sie selbst sehen es durchaus pragmatisch. Im bestehenden Hallenbad haben sie zu wenig Platz. Schwimmkurse sind auf Jahre hin ausgebucht, und der Trend, dass auch Erwachsene schwimmen lernen möchten, muss an der DLRG zwangsläufig vorbeigehen. Zu wenig Platz im Hallenbad. Das zudem von Mitte Juni bis zum Ende der Sommerferien geschlossen bleibt. Bei den Schwimmern ist es ähnlich, berichtet Reusch. Für die aktiven Schwimmer, im besten Wettkampfalter sind sie zwischen 15 und 18, gibt es gerade noch Kapazitäten. Die aber nach ihrer sportlichen Karriere nicht mehr auf Bestzeiten aus sind, aber dem gemütlichen, sportlichen, ambitionierten Freizeitschwimmen treu bleiben möchten, haben in Metzingen keine Chance, sagt Reusch. Die verlassen die Schwimmabteilung und fehlen dem Verein auch als ehrenamtliche Mitarbeiter. Das höhlt die Abteilung aus, eigentlich besteht sie nur aus den Kindern und Jugendlichen, die Wettkämpfe schwimmen, und deren Eltern.

Sollte das Hallenbad die einzige Alternative bleiben, wären beide Vereine spätestens dann am Ende, wenn es zu einer sanierungsbedingten Schließung kommt.  „Dann sind die Kinder und Jugendlichen weg“, sagt Schiffner, „und die kommen auch nicht wieder.“ Das wären 100 Kinder pro Jahr weniger, die in Metzingen das Schwimmen lernen, rechnet er vor.

„Ach“, sagt Reusch und winkt resigniert ab, „all diese Argumente sind seit eineinhalb Jahre bekannt, ich will das eigentlich gar nicht mehr alles wiederholen“, sagt er. „Es hört sich abgedroschen an, aber auf Basis dieser Informationen ist entschieden worden.“ Dass durch die Initiative, die derzeit Unterschriften gegen das Kombibad und für den Erhalt und die Sanierung der bestehenden Bäder votiert, die Diskussion neu entfacht wird, kritisieren beide: „Ein Bürgerentscheid ist das falsche Instrument in dieser Sache“, sagt Schiffner: „Wir haben eine so tolle Chance, da draußen ein neues Bad zu bauen“, schwärmt der DLRG-Vorsitzende. „So sehe ich es auch“, bekräftigt Reusch und freut sich auf den zweiten Teil des Bürgerdialogs, weil anders als bei einem Bürgerentscheid auch die Jugendlichen unter 16 Jahren mitdiskutieren dürfen. Indessen, das geben Reusch und Schiffner zu, sind nicht alle ihre Mitglieder Metzinger. Einige kommen aus Randgemeinden, wären also sowohl beim Bürgerdialog als auch beim Bürgerentscheid außen vor.

Unterdessen sammelt die Initiative Unterschriften: „Es sieht gut aus“, heißt es aus deren Mitte. Dass sie allerdings, wie am Samstag zu lesen war, in Altenheimen Unterschriften sammeln, sei nicht wahr. Genau so falsch sei es, ihnen zu unterstellen, nicht für die Jugend zu sprechen. Die Initiative sei es ja gerade, die das Hallenbad erhalten wolle. Und das ist ja nur ein paar Schritte von der Sieben-Keltern-Schule entfernt. Deren mehr als 400 Kinder könnten bequem schwimmen lernen, ganz ohne Umwege. Vorausgesetzt, das Bad muss sanierungsbedingt nicht für lange Zeit geschlossen bleiben.

Die Argumente werden den Lagern noch lange nicht ausgehen, die Diskussion wird noch andauern. Übrigens, lässt die Initiative mitteilen, gehe es ihr gar nicht um die Finanzen. Zunächst stünde einzig die Sache im Vordergrund. Anders als der Gemeinderat, die Stadtverwaltung und die Vereine ist sie für den Erhalt und den Ausbau der bestehenden Bäder. Wie viele Bürger diese Meinung teilen, zeigt sich spätestens am 17. August. Dann läuft die Frist fürs Sammeln der Unterschriften ab.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel