Neckartenzlingen "Die Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod"

Neckartenzlingen / SWP 06.12.2013
Zur Debatte um die umstrittene Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers in Neckartenzlingen bezieht der Gemeinderat in einer Pressemitteilung Stellung.

Eine Entdeckung des ehemaligen SPD-Gemeinderates Walter Baral hat dieser Tage für Wirbel in Neckartenzlingen gesorgt. Wie Baral herausgefunden hat, wurde Adolf Hitler dort nie die Ehrenbürgerschaft aberkannt. Er hat deswegen an den Gemeinderat appelliert, dem Diktator diese Würde zu nehmen. Ein offizielles Vorgehen lehnte das Gremium aber ab - mit der Begründung, das Ehrenbürgerrecht sei nach Hitlers Tod ohnehin erloschen.

In einem Schreiben an die Medien nimmt nun der Gemeinderat Stellung zum Thema Ehrenbürgerrecht für Hitler. Dort heißt es: "Der Gemeinderat von Neckartenzlingen hat sich mit dem Anliegen von Walter Baral, ehemaliger SPD-Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender in Neckartenzlingen, ernsthaft auseinandergesetzt und hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Gerade weil allen bewusst ist, wie grauenvoll und menschenverachtend das nationalsozialistische Terrorsystem mit all seinen ,willigen Vollstreckern (Daniel Goldhagen, 1996) auf allen Gebieten von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft war."

Für Kriegsverbrecher habe der alliierte Kontrollrat in Deutschland 1946 den Verlust des Ehrenbürgerrechts festgelegt, so die Räte. "Hitler hatte sich durch seinen Selbstmord der gerechten Verurteilung und der Verantwortung für seine Verbrechen entzogen."

Der Gemeinderat Neckartenzlingen hat sich in den Sitzungen vom 12. November und vom 26. November nochmals zum Thema "Ehrenbürgerrecht Adolf Hitler" beraten und sei sich einstimmig darin einig, dass mit einer symbolischen Aberkennung die Problematik nicht zu lösen sei.

Grundsätzlich seien mit dem Tod einer Person deren Ehrenbürgerrechte erloschen. "Durch eine rechtlich nicht mögliche Aberkennung will sich das Gremium nicht auf einfache Art und Weise von der Schuld und dem Leid, das die NS-Diktatur über die Menschen gebracht hat, distanzieren, vielmehr soll die damalige Beschlussfassung Mahnung an dieses dunkle Kapitel der Ortsgeschichte bleiben."

Selbstverständlich distanziere sich der aktuelle Gemeinderat von der Haltung und vom Verhalten des damaligen Gremiums. "Der Gemeinderat Neckartenzlingen sieht sich deshalb verpflichtet, alles zu tun, um heute und auch zukünftig die Erinnerung an die NS-Diktatur aufrechtzuerhalten, die Ereignisse dieser Zeit in einem mahnenden Bewusstsein zu behalten und zu unterbinden, dass sie Nährboden dieser menschenverachtenden Art der Gesinnung werden", heißt es weiter.

Deswegen unterstütze das Gremium nachhaltig die Bemühungen von Bürgern, die durch ihre Arbeit und ihre Publikationen in der Interessengemeinschaft Neckartenzlinger Ortsgeschichte zur Aufklärung dieser unheilvollen Zeit beitragen.

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