Böhringen „Das war so verrückt“

Dieter Winkler fing als Leichtathlet an, wurde Skilangläufer und  baute die Skizunft mit auf. Heute feiert er seinen Geburtstag.
Dieter Winkler fing als Leichtathlet an, wurde Skilangläufer und baute die Skizunft mit auf. Heute feiert er seinen Geburtstag. © Foto: Anne Leipold
Böhringen / ANNE LEIPOLD 18.12.2015
Viele Paar Skier lagern auf Dieter Winklers Dachboden, er könnte ein Museum aufmachen. Seit Jahrzehnten widmet er sich dem Skisport, erst aktiv, seit 50 Jahren als Trainer. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

„Langlaufskier wachsen ist schon problematisch“, sagt Dieter Winkler, während es im Fachgeschäft vorbei geht an Snowboards, Langlauf-, Skating- und Alpin-Ski. Bei nassem Schnee etwa muss anders gewachst werden. Bei Schuppenski geht es nur mit Spray. Ein Mal in Oberjoch, wurden die Ski mit Klister gewachst. „Das war nichts, den mussten wir runterbrennen.“ Mit der Zeit gehen, immer Neues lernen und ausprobieren – ein Muss, wenn man 50 Jahre lang Trainer ist und erfolgreich sein möchte. „Früher war alles anders, aber nicht besser, die Zeit ist nicht stehen geblieben.“

Im grünen Lodenmantel hat sich Dieter Winkler damals warm gelaufen. An den Füßen hatte er für den Langlauf Abfahrtsskier. Die wiederum waren präpariert mit Wachs für Alpinskier. Die Loipenspuren hat er selbst gemacht. Ohne Licht ging es abends zum Training durch den Ort. Samstags und sonntags trainierte er im Gelände, auch beim Truppenübungsplatz. Dort flogen ein Mal Gewehrkugeln der Franzosen über seinen Kopf hinweg. „Das ist mit heute nicht zu vergleichen“, sagt einer, der es wissen muss.

Zusammen mit Dieter Bauknecht baute Winkler die Skizunft Römerstein auf. Damit ist nicht nur eine inzwischen 60-Jährige Freundschaft verbunden, sondern auch eine Geschichte, die oft erzählt wurde, aber einfach dazu gehört: Das Rennen in Wiesensteig. „Wir haben gar keine Chance gehabt mit den Skiern, waren quasi immer neben der Spur.“ Spontan fuhren Winkler und Bauknecht auf dem Motorrad zum Rennen. Da sie nicht angemeldet waren, musste Bauknecht für die Zulassung seinen ganzen Charme spielen lassen. Sie dachten, sie seien sehr gut, schließlich waren sie Vereinsmeister. „Dann kam das Erwachen in Wiesensteig“, sagt Winkler und lacht. „Wir hatten keine Ahnung, das war so verrückt.“ Das war dann auch der Beginn der Skizunft.

Richtige Skier, passendes Wachs, richtige Kleidung wurden danach angeschafft und „wie die Profis trainiert“. Zehn Jahre lang war Winkler aktiv. Er war Bezirksmeister, schwäbischer Jugendmeister in der Kombination, fuhr jahrelang in der schwäbischen Mannschaft. Dann kam das Aus mit seiner neuen Arbeitsstelle. Um für Wettbewerbe zu trainieren, wurde ihm kein Urlaub genehmigt. Zuvor hat er immer Freitagmittag Urlaub genommen, auf dem Hartenberg seine Spur gemacht und trainiert. Der Skizunft blieb er stattdessen als Trainer treu.

Winkler war Schülertrainer beim Schwäbischen Skiverband, hat den B-Schein erworben, war Hilfstrainer bei der ARGE Baden-Württemberg. Schwäbische Meister, Baden-Württemberg-Meister, Deutsche Meister und einen Weltmeister, zählt die Erfolgsbilanz der SZ. „Ich bin bestimmt nicht der beste Trainer gewesen, aber erfolgreich“, sagt Winkler. „Wahrscheinlich habe ich lauter gute Leute gehabt.“ Dazu gehört auch U-23-Weltmeister Florian Notz, dessen siebten Platz beim Weltcup in Lahti Winkler vorm Fernseher verfolgte. „Da hätte ich heulen können“, sagt er und erzählt stolz, dass Notz auf ein Autogramm „Für meinen ersten Trainer“ geschrieben hat.

Trainiert hat Winkler nicht immer nach Plan, sondern auch aus dem Bauch heraus. Sein Ehrgeiz spielt natürlich auch eine Rolle: „Das gehört dazu, dass der Trainer gewinnen will“, sagt Winkler. „In der Nacht vor den Rennen habe ich kaum schlafen können.“ Er hat sich gefragt, ob er alles richtig gemacht, das richtige Wachs dabei, die Skier richtig präpariert hat. Ob dann erfolgreich oder nicht, wichtig sind ihm alle seine Sportler, er habe immer alle gleichbehandelt. „Und ich habe eine Frau, die akzeptiert hat, dass ich viel im Sport mache.“

Heute freut er sich, wenn Ehemalige auf ihn zu kommen und sagen, dass es eine schöne Zeit gewesen war. „Das ist mir mehr wert als ein deutscher Meister, so weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.“ Es war eine Zeit, in der er nach Schulschluss die Jugendlichen mit dem Vereinsbus abgeholt hat, mit ihnen nach Balderschwang fuhr, anderthalb Stunden intensiv trainierte – Tempoläufe, Sprints, Ausdauer, Bergsprints – und wieder zurück fuhr. Über zehn Jahre lang sind sie auch zum Dachstein Gletscher nach Ramsau gefahren.

Zwei Mal in der Woche ist er noch beim Training dabei, vertritt den jetzigen Trainer Frank Eisele, seinen ehemaligen Schützling. Winkler ist gerne an der Skihütte, „das ist der schönste Platz“. Sobald die Loipen gemacht sind, geht es raus in den Schnee, „wenn’s gut ist, fahr ich auch mal zehn Kilometer.“ In ein paar Jahren, so sein Wunsch, hat er dann sein Urenkelkind an der Seite. Das kam vor kurzem zur Welt und wird zu Winklers Freude den heutigen Geburtstag mitfeiern.

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