Metzingen „Das sagen auch die Älteren“

Nastassia Schotter und Timo Ade trommeln nach den Ferien wieder.
Nastassia Schotter und Timo Ade trommeln nach den Ferien wieder. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 20.07.2018

Als unglücklich bezeichnet die Sprecherin des Metzinger Jugendgemeinderats die derzeit vorherrschende Diskussion über Metzingens Bäder. Zunächst findet es die 18-jährige Nastassia Schotter überflüssig, die Debatte überhaupt weiterführen zu müssen, weil ja der Gemeinderat bereits Mitte Mai entschieden hatte. Zudem ärgert sie sich über den Zeitpunkt. Gerade jetzt, während der letzten Schultage vor den Ferien: „Das ist blöd. Jetzt noch gegensteuern, reicht nicht mehr“, ärgert sie sich. Noch ein paar Tage, dann sind viele Kinder und Jugendliche im Urlaub.

Einige allein, die meisten wohl mit ihren Eltern. So müssen sie also tatenlos mitansehen, wie die Bürgerinitiative Unterschrift um Unterschrift für ihr Bürgerbegehren sammelt, das den Erhalt und den Ausbau beider Metzinger Bäder zum Ziel hat und gleichzeitig den Neubau eines Kombibads auf dem Bongertwasen blockiert. „Es läuft gut“, bestätigt Dr. Thomas Budde, einer der Sprecher der Initiative, auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Stimme der Jugend wird während der anstehenden Sommerferien also weniger stark zu vernehmen sein, „aber wir kommen wieder“, verspricht Nastassia Schotter, die kürzlich im Gemeinderat sprechen durfte und auch an jenem 17. Mai, an dem die Ratssitzung wegen des großen öffentlichen Interesses in die Stadthalle verlegt wurde. „Wir lassen die Alarmglocken läuten“, kündigt die ebenso wortgewandte wie engagierte Abiturientin an. Ob es das Alarmgebrüll dann überhaupt noch braucht, wird sich in den Tagen nach dem 17. August erweisen.

Stimmen aus dem Altenheim?

Bis zu diesem Zeitpunkt darf die Initiative noch Unterschriften sammeln, danach werden die Listen amtlich geprüft. Nach derzeitigem Stand benötigt die Initiative etwa 1300 gültige Unterschriften, um einen Bürgerentscheid herbeiführen zu können.

Übrigens, sagt Thomas Budde zum Thema Unterschriftensammeln im Altenheim: Der Fall habe sich aufgeklärt: Der Bewohner einer betreuten Wohnanlage, selbst fleißiger Freibadbesucher, habe einige leere Listen auf eigene Faust mitgenommen und in seinem Umfeld zur Unterschrift ausgelegt und weitergereicht. Er fährt mit einem elektrischen Rollstuhl ins Bad und scheut den etwa 500 Meter weiteren Weg in ein mögliches Kombibad auf dem Bongertwasen. Jener Rollstuhlfahrer wird immerhin über die Zukunft des Bades entscheiden dürfen, sollte es zu einem Bürgerentscheid kommen. Im Gegensatz zu all den Jugendlichen, die noch keine 16 Jahre alt sind: „Die verlieren ihre Stimme“, was Nastassia Schotter schade findet, schließlich hat sich die Jugend über den ersten Teil des Bürgerdialogs in die Diskussion eingebracht.

Ihr Kollege vom Jugendgemeinderat, der 16-jährige Timo Ade, erläutert, warum er gerne ins bisherige Freibad geht, noch lieber aber in ein neues Kombibad. Er spielt gerne mit seinen Kumpels Wasserball. Das geht nur selten, denn bei schönem Wetter möchten auch viele einfach nur ihre Bahnen ziehen. Da stören die Jungs mit dem Ball. „Der Status quo ist nicht gut“, ergänzt Nastsassia Schotter, „das sagen auch Leute, die älter sind als ich.“

Am Samstag steht die Initiative vor der Vinothek auf dem Kelternplatz. „Da gehe ich mal hin“, hat sich die Abiturientin vorgenommen. Miteinander reden, kann nicht schaden. Eine Behauptung, wonach eine Jugendgemeinderätin von Befürwortern der Bürgerinitiative bedrängt worden sei, hat sich inzwischen als haltlos herausgestellt. Das 17-jährige Mädchen wurde zwar angesprochen, aber nicht harsch oder unfreundlich, schildern Nastassia Schotter und Timo Ade den ihnen bekannten Vorfall. Jemand aus der Initiative wollte mit ihr diskutieren, hat die in Sachen Kommunalpolitik unerfahrene junge Frau damit aber überfordert, die ohne Rücksprache mit ihrem Gremium dazu nichts sagen wollte.

Die Initiative hat unterdessen die Jugend für sich entdeckt, zumindest spricht sie in deren Namen. Thomas Budde erinnert an all die Kinder und Jugendlichen, die im bisherigen Hallenbad zu Schulsportzwecken schwimmen lernen. Und die dazu nicht mal in einen Bus steigen müssen. Und er denkt an den Klimawandel, der eher ein Thema für die heute Jungen sein wird.

Deswegen möchte er das alte Freibad erhalten, auch als Frischluftschneise, ehe Industrie und Gewerbe noch näher an die Stadt rücken. Und er möchte den Bongertwasen nicht verbauen. Zumal dort ohne Bäume, wie er vermutet, die Badegäste einer höheren UV-Strahlung ausgesetzt sind als derzeit im Freibad, wo alte Bäume Schatten werfen.

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