Würtingen 80 Stundenkilometer über der Alb

Das schönste Ziel der Welt, so heißt es in einem Läufer- und Wanderlied, ist in Schmiedefeld zu finden. Für Seifenkistenfahrer liegt es bei Würtingen.
Das schönste Ziel der Welt, so heißt es in einem Läufer- und Wanderlied, ist in Schmiedefeld zu finden. Für Seifenkistenfahrer liegt es bei Würtingen. © Foto: Nadine Wilmanns
Würtingen / Nadine Wilmanns 03.07.2018

Die Rennstrecke hat‘s in sich: Auf einer Länge von rund 670 Metern werden knapp 62 Höhenmeter zurückgelegt. Wer schnell ist, kann hier auf eine Geschwindigkeit von über 80 Stundenkilometer kommen. „Die Strecke ist sehr anspruchsvoll“, sagt Michael Kuhm vom Soifa-Bobby-Club St. Johann, der seit 14 Jahren die Alb mit spektakulären Rennen unterhält. Für die Vereinswertung muss nur ein Teil der Strecke bewältigt werden, wer die Deutsche Meisterschaft fährt, für den heißt es 670 Meter bergab flitzen. „Insgesamt haben wir 85 Teilnehmer – das größte Startfeld, das wir je hatten“, freut sich Kuhm.

Die rund 40 Mitglieder des Vereins waren zahlreich am Start vertreten: „Ohne Topmotivation geht es nicht“, so der Vereinsleiter. „Die übrigen Teilnehmer kommen teilweise bis aus der Steiermark, Hamburg, Tschechien, Thüringen.“ Bewertungskriterium ist entweder Zeit oder Gleichmäßigkeit. „Wird nach Gleichmäßigkeit gewertet, muss die Zeitdifferenz zweier identischer Läufe am Ende möglichst klein sein“, erklärt Michael Kuhm die Regularien.

Training oder Probefahren für den großen Tag gab es nicht, denn der Aufbau einer sicheren Strecke kostet Geld und Mühe. „Wir haben einen hohen Grad an Sicherheit auf der Strecke, das steht bei uns an erster Stelle“, sagt Kuhn. Stapelweise dicke Reifen am Fahrbahnrand und Zäune erlauben den Fahrern Höchstgeschwindigkeiten. Das wäre anderntags allerdings keine gute Idee, wenn Wanderer und Traktoren den Weg nutzen. Und von der Strecke abzukommen ohne Reifen und Zaun als Puffer, wäre auch kein Spaß. Daher: „Man kann nur durch Rennen fahren üben“, sagt Kuhm. „Deswegen sind wir viel international unterwegs.“

Nicht zuletzt dank der Hilfe zweier befreundeter Vereine lief alles wie geschmiert: Der Discgolf-Club Achalm übernahm die Streckenposten, der Musikverein Frankenhofen bewirtete die Gäste. „Ohne die Unterstützung durch solche Vereine wäre so eine Veranstaltung überhaupt nicht möglich“, sagt Kuhm.

Während des Rennens bleibt der ein oder andere Unfall nicht aus. Doch die Sicherheitsvorkehrungen greifen: „Alle sind unverletzt.“ Nur wenige „Soifa-Bobbys“ haben leichte, mitunter aber auch tiefere Macken davon getragen – was für die Rennfahrer nicht ohne ist: Ihre ,,Soifa-Bobbys“ sind selbst gebaut. Der Verein unterscheidet zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien, die jeweils separat gewertet werden. So gibt es beispielsweise Ein- und Zweisitzer, Rennbobbys, das Original Bobbycar – quasi direkt aus dem Spielzeugladen – und die Seifenkisten der Funklasse, die in der Hauptsache originell sind.

In punkto Technik gibt es „kein Rezept“, sagt Kuhm. Im Zweifelsfall einfach drauf sitzen und los: „Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie er am Besten fährt“, sagt Kuhm. Jedes Speedcar habe außerdem seine eigenen Eigenheiten und Charakteristik. Dass dieser Sport wahrhaftig generationenübergreifend funktioniert und Jung und Alt gleichermaßen in Euphorie versetzt, zeigt nicht nur das Publikum, das in Scharen zur Rennbahn gepilgert war. „Der jüngste Teilnehmer ist sechs, der Älteste 78“, berichtet Kuhm stolz.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel