650 Millionen Euro Fördermittel werden vom Bund dieses Jahr für den Städtebau zur Verfügung gestellt. Diese Gelder lösen nach den Worten von Barbara Hendricks "allein im aktuellen Förderjahr 2015 rund zehn Milliarden Euro Folgeinvestitionen von Land, Kommunen und privaten Unternehmen" aus, ließ die Bundesbauministerin per Pressemitteilung verkünden. Damit sei dieses Programm "ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die Regionen".

Der "Tag der Städtebauförderung", der am vergangenen Samstag zum ersten Mal durchgeführt wurde, sollte diese Informationen in den Mittelpunkt stellen. "Insgesamt haben sich mehr als 550 Kommunen an dem Tag beteiligt", erläuterte Metzingens Leiter der Abteilung Planen und Bauen, Konrad Berger, am vergangenen Samstag im alten Rathaus. Das Datum für den Tag der Städtebauförderung wurde "von oben" vorgegeben, "die Uhrzeit war frei, was draus gemacht wird, auch", so Berger. Und die Stadt hat sich richtig ins Zeug gelegt: Eine Ausstellung zeigte etwa all die Sanierungsprojekte in Metzingen, Neuhausen und Glems, die seit 1980 gefördert wurden. "Das Rathausumfeld war das erste Projekt, das mit diesen Mitteln umgesetzt wurde." Viele weitere Maßnahmen der Ortskernsanierungen folgten.

Ursprünglich aufgelegt wurde dieses Programm 1971, weil in den 1960er Jahren eine regelrechte Stadtflucht in Westdeutschland stattfand, die Ortskerne drohten zu zerfallen, wie Konrad Berger erläuterte. "Die Idee dahinter war, dass man alte Bausubstanz erhalten und verzwickte Grundstückssituationen klären wollte."

Wie auch in Metzingen, in der Willy-Brandt-Straße etwa, die es vor der Sanierung gar nicht gab. Erst durch die vielen, vielen Gespräche mit den Anwohnern konnte durchgesetzt werden, dass Grundstücke einen anderen Zuschnitt erhielten und damit Platz für Neues geschaffen wurde. Eines sei völlig klar: Ohne die Programme der Städtebauförderung von Land und Bund würde auch Metzingen heute ganz anders aussehen. Denn: Immerhin erhalten Städte und Gemeinden Fördermittel bis zu 60 Prozent. Nach Metzingen seien seit 1980 rund 15 Millionen Euro geflossen: "Wir sind froh, dass wir die Mittel immer wieder erhalten." Dabei profitieren nicht allein öffentliche Träger - auch Privatbesitzer können innerhalb der Sanierungsgebiete Fördermittel für die Aufwertung ihres "Häusles" erhalten. Am vergangenen Samstag war aber nicht allein die Ausstellung zu bestaunen - es gab zudem Führungen durch Metzingen, bei denen Konrad Berger vor Ort die sanierten Gebäude, Straßenzüge und mehr vorstellte. Führungen gab es im Übrigen auch durch das alte Rathaus sowie eine Podiumsdiskussion mit Baubürgermeisterin Jacqueline Lohde und Schülern der Schönbein-Realschule. Apropos: Realschüler hatten sich im Vorfeld des Tages der Städtebauförderung ein Filmprojekt überlegt und umgesetzt, das sowohl Berger wie auch Lohde mächtig begeisterte. "Das ist ganz toll, was dabei rausgekommen ist", waren sich beide einig. Nicht weniger faszinierend sei das Projekt der Seyboldschule geworden: Die Schüler hatten sich alte Fotos von Metzingen besorgt, sie mit Bildern der heutigen Stadt kombiniert und dann noch ihre eigenen Vorstellungen eingefügt. Wie etwa bunte Keltern - mit der Begründung, dass die zu farblos seien. Oder ein überdachter Spielplatz in der Gustav-Werner-Straße anstatt eines Parkplatzes. Schade nur, dass viel zu wenig Publikum das wahrgenommen hat. "Ein Samstag war vielleicht auch nicht unbedingt der optimale Tag", sagte Konrad Berger.