Literatur Mariana Leky liest im Ehinger Buchladen

Autorin Mariana Leky signiert für Besucher der Lesung Exemplare ihres Buchs „Was man von hier aus sehen kann“.
Autorin Mariana Leky signiert für Besucher der Lesung Exemplare ihres Buchs „Was man von hier aus sehen kann“. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 07.10.2018
Bestsellerautorin Mariana Leky liest im Ehinger Buchladen aus ihrem Roman „Was man von hier aus sehen kann“.

Ich muss sie ein bisschen anstarren“, sagte Mariana Leky zu Beginn ihrer Lesung im Ehinger Buchladen. „Ich komme nämlich von einem Stipendium aus einem Kloster, und da gab es außer ein paar Eselchen nichts anzuschauen“, sagte die Erfolgsautorin, die ihre schon 2017 angekündigte Ehinger Lesung am Freitagabend nachholte. Im gut besuchten Buchladen saßen überwiegend Leseratten, die das Buch bereits kannten, davon begeistert sind und nun die Autorin kennenlernen wollten.

Nach einigen veröffentlichten Erzählungen und Romanen gelang der Kölner Buchhändlerin und Kulturwissenschaftlerin Mariana Leky mit „Was man von hier aus sehen kann“ 2017 der Durchbruch – und ein wochenlanger Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste. Die Geschichte ist bizarr und bewegt sich zwischen Magie und Realität.

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt in den folgenden 24 Stunden jemand aus dem engeren Umkreis. Als Selma von einem Okapi träumt, will sie es zunächst niemandem erzählen, aber jeder merkt, dass sie ihren Traum zu verheimlichen sucht.

Mariana Leky beschreibt meisterlich, wie die Dorfbewohner mit dieser Vorhersehung umgehen. Ein Bauer legt sich ins Bett und will den Tod willkommen heißen. Er vermutet, dass der Tod höflich anklopft und fragt, ob es jetzt in Ordnung sei, wenn er ihn mitnehme. Andere tun so, als ob sie nichts auf den Traum geben, aber jeder verhält sich anders als sonst.

Die entscheidende Stelle, in der der Tod tatsächlich durch die Türe kommt, ließ die Autorin in ihrer Lesung unter den Tisch fallen. Mariana Leky stieg bei ihrer Lesung wieder in die Geschichte ein, als die Hauptfigur Luise, Selmas Enkelin, eine nicht minder bizarre Begegnung hat. Mitten im Wald trifft sie auf eine Gruppe buddhistischer Mönche.

Warum eigentlich ein Okapi?

Mariana Leky schreibt prägnant, humorvoll und genau. Ihr lakonischer Ton gefiel auch den Lesungsbesuchern, die sich gerne ihr Leseexemplar signieren ließen. Warum die Geschichte im Westerwald spiele, wollte eine Zuhörerin nach der Lesung wissen. „Da sind wir früher als Familie oft in den Ferien hingefahren“, sagte Mariana Leky. „Da kenne ich mich aus.“ Sie wolle ungewöhnliche Geschichten an gewöhnlichen Orten schreiben. „Und warum wählten sie ein Okapi als Traumfigur?“, fragte jemand. „Das kannte ich aus dem Zoo und es prägte sich mir ein“, sagte die Autorin.

In „Was man von hier aus sehen kann“ wird geliebt und gestorben, gegessen und geschlafen. Aber alles geschieht auf dem schmalen Grat zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Mal pendelt der Roman auf die eine Seite, mal auf die andere.

„Wann kommt ihr nächstes Buch?“, fragte eine Zuhörerin. Da sei nichts in Arbeit, antwortete Mariana Leky. Der Bestseller habe sie die letzten Monate sehr stark beschäftigt. Ein Meisterwerk wie dieses braucht vermutlich seine Zeit.

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