Konzert Zwischen Klassik und elektronischer Musik

Ólafur Arnalds (am Piano) wurde begleitet von einer Cellistin, einer Violinistin (rechts), einem Bratsche-Spieler (links), einem zweiten Violinisten sowie einem Schlagzeuger. Vermischt mit elektronischen Elementen entstand ein sphärischer Klangteppich.
Ólafur Arnalds (am Piano) wurde begleitet von einer Cellistin, einer Violinistin (rechts), einem Bratsche-Spieler (links), einem zweiten Violinisten sowie einem Schlagzeuger. Vermischt mit elektronischen Elementen entstand ein sphärischer Klangteppich. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 10.10.2018

Ein vibrierendes dumpfes Summen steigt aus dem künstlichen Nebel auf. Ein Mann im weißen T-Shirt betritt die Bühne und setzt sich an einen schwarzen Flügel. Seine Finger berühren die Tasten des Pianos sanft, einzelne Klaviertöne durchbrechen die Stille. Warmes, gelbliches Licht scheint von einzelnen Spots an der rückwärtigen Wand von oben auf den Pianisten. Kein Konzertbesucher traut sich auch nur laut zu atmen, um keinen der leisen Töne zu verpassen.

Auftritt im Ludwigsburger Forum

Der Isländer Ólafur Arnalds lockte am Montagabend ein bemerkenswert anderes Publikum als sonst ins Ludwigsburger Forum am Schlosspark. Ein junges Publikum, offen für Experimentelles und Neues. Der 31-jährige Isländer gehört ins Programm der aktuellen Saison des Scala. Am 5. Oktober füllte Arnalds noch die Hamburger Elbphilhalmonie, am Dienstag trat er in Polen auf – und dazwischen in Ludwigsburg. Der Musiker ist derzeit auf Tour und spielt fast immer in ausverkauften Hallen, auch das Forum war gut gefüllt.

Das Bühnenbild änderte sich von Song zu Song. Von den warmen Lichtstrahlen, hin zu blauen, leuchtenden LED-Streifen, die im diesigen Nebel auf der Bühne nordische Kühle versprühten und an Polarlichter erinnerten. Aber die Atmosphäre auf der Bühne konnte auch anders: wie Geysire aus Feuer leuchteten senkrecht aufgestellte, flackernde Lichtsäulen. Neben dem Flügel standen im rechten Winkel zwei Keyboards, die auch durch den Isländer bedient wurden. Auf dem Flügel war ein Synthesizer aufgebaut sowie eine Loop-Station, mit der er Musiksequenzen aufnahm und an anderer Stelle abspielte, sodass ein vielschichtiger Klangteppich aus Live-Tönen und aufgenommenen Klängen entstand. Zu seinen erwähnten Tasteninstrumenten kamen noch zwei semi-generative, selbstspielende Klaviere hinzu, die der Musiker programmiert hat. Zumeist gaben diese beiden Klaviere leichtes Hintergrund-Geklimper von sich, die dem Cluster aus tragenden, melancholischen Tönen eine Prise Leichtigkeit verliehen.

Musikalische Begleitung

Nicht zu vergessen ist Ólafur Arnalds Band, bestehend aus einer Cellistin, einem Bratsche-Spieler, einer Violinistin, einem Violinisten sowie einem Schlagzeuger. Die Musiker saßen im Halbkreis um den Pianisten herum. Besonders tat sich der Violinist hervor. Bei einem minutenlangen Solo strich er kunstvoll mit dem Bogen über die Saiten, und wechselte zwischen glasklar herausgebrachten Tönen und kratzigen Flageolett-Tönen. Das Publikum danke dem Solisten die Gänsehaut-Momente mit einem kräftigem Applaus. Auch der Perkussionist spielte eine entscheidende Rolle beim Gesamtkunstwerk des fast zweistündigen Auftritts. Seine Paukenschläge waren mit der Lichtshow gekoppelt, sodass es zum Teil wirkte, als spiele sich auf der Bühne ein Gewitter ab, dessen Donner (große Trommel) mit den Blitzen (Licht) synchronisiert war. Arnalds wirkte in den wenigen Momenten, in denen er zum Publikum sprach zurückhaltend, fast schüchtern, aber trotzdem lustig und durchweg sympathisch. Der Isländer lief sockig über die Bühne. Sein schlichtes weißes T-Shirt, das er trug, war im pulsierenden Lichter-Wirrwarr oft der einzige Fixpunkt fürs Auge. Nach einem anderthalbstündigen Konzert folgte ein nicht enden wollender Applaus des Publikums. Lange ließ sich der Musiker bitten, kam dann aber auf die Bühne für eine Zugabe, die er an einem der programmierten Klaviere spielte. Anfänglich unbegleitet, setzten seine Streicher aus dem Off ein und bescherten dem Publikum den letzten Gänsehaut-Moment des Abends. Ein Konzert voller Emotionen, melancholisch-schön und voller virtuoser Akzente.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel