Er werde so langsam zum Mecker-Opa, stelle seine Frau immer wieder fest, verriet Kaya Yanar seinem Publikum in der MHP-Arena in Ludwigsburg am Sonntagabend. Der Comedian mit türkischen Wurzeln, aber keinen türkischen Sprachkenntnissen, präsentierte dem laut eigener Aussage 3000-köpfigen Publikum sein aktuelles Programm „Ausrasten für Anfänger“.

Zwei Stunden Gemecker

Gut zwei Stunden lang meckerte Yanar inbrünstig über die verschiedensten Themen und bekam dafür jubelnden Applaus. Der Clou daran: Das Ludwigsburger Publikum durfte nach der Pause selbst ausrasten, und zwar schriftlich, über die Sozialen Medien. Yanar forderte die Anwesenden nämlich auf, ihm mitzuteilen, über was sie sich denn aufregen. Dabei kamen lustige Alltagsgeschichten zum Vorschein, wie der Bruder, der „so viel arbeitet wie eine Fliege und frisst wie ein Tiger“, aber auch harte Kritik an einer Sicherheitsvorschrift der MHP-Arena, größere Handtaschen kostenpflichtig für 2 Euro abgeben zu müssen. Spontan reagierte der Comedian und wetterte, beim nächsten Mal werde er ein Zelt aufstellen und darin für seine Fans aus „Lubu“ (Yanar: „Sagt man das hier so? Lubu?“) auftreten.

Stundenlang im Bad

Seine Frau, ihres Zeichens Schweizerin, die er nach sieben Jahren Beziehung im vergangenen Jahr geheiratet habe, „nicht heimlich, ich hab es nur niemandem gesagt“, bot Yanar Vorlagen für diverse, durchaus liebevolle Scherze. Unter anderem kritisierte er den Schönheitszwang der Gesellschaft, der dafür verantwortlich sei, dass seine Frau sich stundenlang im Bad verbarrikadiere und er nur sonderbare Geräusche, (herrlich komisch imitiert) durch die Tür höre.

Aber auch andere Alltagssituationen wie Verkehr oder das schwedische Möbelhaus, das, angelegt als Rundgang, einem Escape-Room ähnele sowie sein Haarwuchs, der sich vom Kopf in die Nase verlagert habe, eigneten sich zum wortgewandten Aufregen. Kaya Yanar wurde vor allem durch sein TV-Format „Was guckst du?“, das von 2001 bis 2005 in 120 Folgen ausgestrahlt wurde, bekannt. Er griff in Ludwigsburg einige seiner beliebten Figuren aus der Fernseh-Show auf, die Stereotypen verschiedener Nationalitäten entsprechen, wie den indischen Kuhbesitzer Rajid, den türkischen Türsteher Hakan oder den italienischen Gigolo Francesco. Aber der 45-Jährige konnte auch durch seine neuen Stand-up-Witze viele Lacher generieren und bewies, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört, auch wenn er selbst sagte, dass er 45 sei, „ich gehe auf die 60 zu.“