Ludwigsburg Zwei Städte, ein Ziel: Klimaschutz

Fachleute aus Ambato sind in Ludwigsburg zu Besuch. Vorne, von links: Guillermo Chiluiza, Yadira Proano, Giannine Sanchez und Diana Fiallos. Hinten, von links: Honorarkonsul Siegfried Rapp, OB Werner Spec und Florian Tögel, Koordinator der Klimapartnerschaft.
Fachleute aus Ambato sind in Ludwigsburg zu Besuch. Vorne, von links: Guillermo Chiluiza, Yadira Proano, Giannine Sanchez und Diana Fiallos. Hinten, von links: Honorarkonsul Siegfried Rapp, OB Werner Spec und Florian Tögel, Koordinator der Klimapartnerschaft. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 15.09.2018

Städtepartnerschaften sind jedem bekannt, fast jeder noch so kleine Ort hat irgendwo auf der Welt eine Partnerstadt. Das sich gegenseitige Besuchen ist zwar schön, warum legt man dieser Verbindung aber nicht noch ein gemeinsames Anliegen zugrunde? So geschehen in Ludwigsburg. Die Barockstadt ist Ende 2017 eine Klimapartnerschaft mit Ambato eingegangen. Ambato ist die Hauptstadt der Provinz Tungurahua in Ecuador und hat, die Vororte einberechnet, etwa 350 000 Einwohner. Sie ist damit die viertgrößte Stadt Ecuadors.

Seit Montag, 3. September, sind vier Vertreter Ambatos in Ludwigsburg zu Besuch. Die Delegation setzt sich zusammen aus: Diana Fiallos, die städtische Umweltabteilungsleiterin Ambatos, Yadira Proano, die Leiterin der Tourismusabteilung, Giannine Sanchez, zuständig für den Betrieb der Kläranlage der Stadt sowie Guillermo Chiluiza, dem Leiter der Mülldeponie.

Nachhaltigkeit als Schwerpunkt

Ludwigsburg als eine Stadt, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat, kann den Gästen aus dem Anden-Hochland zeigen, wie sie gegen den Klimawandel vorgeht, sodass ein reger Austausch entsteht. „In Ambato wird gerade eine der größten und modernsten Kläranlagen Ecuadors gebaut“, sagt Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec beim Pressegespräch am Freitagvormittag. Die Delegation besichtigte daher die Kläranlage Hoheneck, denn hier wird bereits umgesetzt, was es in Ambato bald geben soll. „Es war uns wichtig, technische Erkenntnisse zu sammeln“, sagt Diana Fiallos. Die Kläranlage soll nächstes Jahr in Betrieb genommen werden, noch fehle aber das Fachwissen, bestätigt Giannine Sanchez, die für die Kläranlage zuständig ist. Auch erhoffe sie sich, dass Experten ihr zeigen können, wie mit Industrieabfällen umgegangen werden muss. Aktuell landet nämlich der gesamte Müll, auch Batterien und andere Abfallstoffe, die Schwermetalle enthalten, auf einer Mülldeponie. Die Kläranlage wird für die Haushaltsabwässer zuständig sein, ihr wird noch eine kleinere Anlage für die Industrieabwässer vorgeschaltet. Dies ist gerade in Ambato besonders wichtig, da 90 Prozent der Lederindustrie ganz Ecuadors dort sitzt.

Zur Abwasserklärung kommen natürlich noch Mülltrennung und Recycling als dringende Aufgaben dazu. „Der Pilotplan dafür läuft in den nächsten Wochen an“, sagt Guillermo Chiluiza, Leiter der Mülldeponie. Denn durch das Zusammenschmeißen des unsortierten Mülls können gesundheitsschädliche Stoffe ins Grundwasser sickern und die Bevölkerung der Region gefährden. Das Deponie-Sickerwasser werde zwar bereits aufgefangen und in einfacher Klärung behandelt, jedoch werde es dann in den Fluss geleitet, der wiederum in den Amazonas mündet. Die Delegation besuchte auch eine Wertstoffdeponie und eine Müllverwertungsfirma. „Der Besuch der Kompostierungsanlage war hilfreich. Wir werden das System übernehmen“, sagt Diana Fiallos. Das bietet sich auch an, denn der Abfall Ambatos besteht zu 70 Prozent aus organischem Material, sodass Trennen und Entsorgen recht einfach zu bewerkstelligen ist. Auch sollen im Bereich Lederindustrie neue, ökonomische Arten der Lederbearbeitung mit Olivenblatt-Extrakten ausprobiert werden. Auch in Puncto nachhaltiger Tourismus sowie Mobilität arbeiten die beiden Städte gemeinsam Handlungsstrategien aus.

Vorbild in Sachen Strom

In Sachen Stromversorgung ist Ambato der süddeutschen Partnerstadt um Längen voraus. „95 Prozent des benötigten Stroms wird aus Wasserkraft gewonnen“, berichtet OB Spec. „Die Visionen unserer beider Städte sind ähnlich, vor allem zum Klimaschutz und der Klimafolgenanpassung“, sagt Ambatos Leiterin der Umweltabteilung. Finanziert wird die Klimapartnerschaft unter anderem aus Fördermitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die gegenseitigen Besuche sind Teil der Projektförderung. Der jetzige Besuch ist der vierte und endet diesen Samstag auf Ludwigsburgs Interkulturellem Fest.

Ob das nicht auch Emissionen erzeuge und damit alles andere als umweltschonend sei? „Wir haben den Wunsch kompensierende Maßnahmen zu ergreifen“, sagt Florian Tögel, der für die Koordination der Klimapartnerschaft zuständig ist. Jedoch sei das nicht Teil der BMZ-Förderung. Im Rahmen eines Zusatzprojekts werden aber 1000 Bäume in Ambato gepflanzt sowie 100 Bienenweiden in Ludwigsburgs Umgebung angelegt, berichtet Honorarkonsul Siegfried Rapp.

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