Ludwigsburg Zwei "dicke Fische" aus Ludwigsburger Rauschgiftszene vor Gericht

BERND WINCKLER 03.06.2016
Zwei mutmaßlich "dicke Fische" aus der Ludwigsburger Rauschgiftszene sitzen seit Donnerstag auf der Anklagebank einer Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts.

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Ludwigsburger Drogenfahndung erste Hinweise aus der Ludwigsburger Kifferszene auf "große" Rauschgiftgeschäfte zweier türkisch-stämmiger Männer bekommen. Nach umfangreicher Überwachung der Telefonate der beiden 28- und 35-Jährigen und deren SMS-Austausch sowie Durchsuchungen der Wohnung in Ludwigsburg, Köln und in Mannheim klickten bei dem Jüngeren am 11. Dezember die Handschellen. Sein jetzt mitangeklagter Freund wurde drei Wochen danach, am 29. Dezember, in Mannheim festgenommen, nachdem dort laut Anklage offenbar ein Kokaingeschäft im Bereich von einem Kilo über die Bühne gegangen war.

Insgesamt sollen die beiden jetzt vor der 17. Großen Strafkammer in Stuttgart Angeklagten mit fünf Kilo Marihuana, vier Kilo Haschisch sowie 300 Gramm Kokain und einem weiteren Kilo dieser Droge gehandelt haben. Die Stuttgarter Schwerpunktstaatsanwaltschaft, Bereich Drogenkriminalität, geht in ihrer Anklage davon aus, dass das Rauschgift mit Gewinn an verschiedene Empfänger und Abhängige, aber auch Unterhändler in Ludwigsburg verkauft wurde. Die Vorwürfe gegen das Duo datieren von Januar bis Dezember letzten Jahres. So sollen sie damals zuerst fünf Kilo Marihuana bei einer türkischen Gruppierung in Köln geordert und eingekauft haben, dazu noch vier weitere Kilo Haschisch - jeweils gegen Barzahlung.

Gegen Bezahlung von 5000 Euro sollten später im Juni mehrere Kilo Drogen in Mannheim an die Angeklagten übergeben werden, heißt es in der Anklage. Allerdings habe sich dieser Übergabetermin zerschlagen, weshalb die Drogen dann in Ludwigshafen in die Hände der Angeklagten gingen und von dort aus ihren Weg in die Ludwigsburger Wohnungen fanden. Einen restlichen Kaufpreis hätten die beiden später an die Lieferanten entrichtet.

300 Gramm Kokain und eine weitere Mengen von 100 Gramm Heroin sollen sie am 20. August letzten Jahres zu einem der Anklagebehörde unbekannten Einkaufspreis von einem Dealer übernommen haben. Davon hat die Polizei schließlich bei der Durchsuchung der Wohnungen der beiden Männer genau 99 Gramm des Heroins sicherstellen können. Sichergestellt worden sind auch verschiedene Utensilien und Bargeld, welches möglicherweise der Erlös aus Drogengeschäften war und daher zunächst beschlagnahmt wurde.

Beide Angeklagten wollen zu den Vorwürfen zunächst keinerlei Angaben machen. Nicht einmal zu ihren Lebensläufen wollen sie sich äußern, wie ihre Anwälte dem Gericht mitteilten. Bekannt ist somit nur, dass sie aus dem nördlichen Teil der Türkei stammen und als ihren letzten Wohnsitz Ludwigsburg angaben. Die Verteidiger kündigten zudem an, man werde zu einem späteren Verfahrenszeitpunkt Erklärungen abgeben. Daraufhin wurde die Verhandlung vertagt.

Angesichts der hohen Rauschgiftmengen drohen den beiden Männern Haftstrafen bis zu 15 Jahren. Insgesamt sechs Prozesstage sind terminiert. Das Urteil ist für den 13. Juli vorgesehen.