Alle Augen richteten sich auf den Monitor neben dem Ausgang der Rutsche, als die Zahlen zu klettern begannen: Fünf Sekunden, zehn, zwölf – mit einem Schub Wasser kam der Sportler aus der dunklen Röhre: 12,33 Sekunden, neue Bestzeit, freute sich Jens Niedermeyer.

Er war bei den Rennrutschmeisterschaften, die am vergangenen Samstag erstmals im Stadionbad Ludwigsburg stattfanden, der mit Abstand schnellste in der Röhre. Das aber mit gutem Grund: Niedermeyer ist Mitglied des Deutschen Rennrutschverband (DRV) und als solcher Profi. „Wir stehen nachher nicht auf dem Siegertreppchen“, stellte er lachend klar. Das taten andere: Jeder Badbesucher konnte am Samstag teilnehmen und unter Anleitung der Experten das professionelle Rutschen ausprobieren. Besonders erfolgversprechend ist hierbei die Drei-Punkte-Technik: Dabei berühren nur die Schultern und eine Ferse die Rutsche, damit hat man nur minimale Reibung und wird besonders schnell.

Insgesamt nahmen 47 Neugierige teil, „alle mit Ehrgeiz dabei“, ein großer Andrang für ein Bad dieser Größe, verglich Niedermeyer. Er und seine Verbandskollegen suchen deutschlandweit nach Bädern, um ihren Sport bekannter zu machen. Im März waren sie dafür im Stadionbad – „und direkt begeistert.“

Die Rutsche, die seit ihrer Eröffnung vor gut einem Jahr die Attraktion des Stadionbads ist, hat auch einiges für sich: Allein 41 Meter der 100-Meter-Erlebnisrutsche sind mit Lichtwalze, Runninglight, Screwdrive und Lightpoints ausgestattet. Für den Sport sicher entscheidender als die optischen Reize der Röhrenrutsche: Sie hat einen Höhenunterschied von zehn Metern bei 10,4 Prozent Gefälle bei ihrer Länge von 100 Metern.

Die Auswertung des Wettrutschens erfolgte nach den professionellen Standards: Jeder Teilnehmer hatte drei Versuche. Die schlechteste Zeit wurde gestrichen, die anderen beiden addiert. Die Wertung erfolgte nach vier Klassen. Die schnellsten beiden Männer kamen auf 26,68 beziehungsweise 27,62 Sekunden, also gute 13 Sekunden im Durchschnitt für eine Runde. Die besten beiden Frauen brauchten 29,01 und 30,02 Sekunden. In der Klasse der Elf- bis 15-Jährigen wurde mit 27,33 und 28,85 Sekunden gewonnen, bei den unter Zehnjährigen mit 29,69 und 33,53 Sekunden.

Die Gewinner erhielten eine Medaille, Urkunde und Preise. Die jeweils schnellsten zwei Teilnehmer der Wertungsklassen Herren sowie Damen qualifizierten sich zusätzlich für das Finale am 23. November im Spaßbad in Bad Lauterberg. Davor sind Niedermeyer und seine Kollegen noch am 2. und 3. November in Nürnberg, am 17. in Rottweil. Sie machen einen Wettkampf pro Bad pro Jahr, man darf sich als auf eine Fortsetzung kommendes Jahr freuen.

Rennrutschen als professioneller Sport


Rennrutschen gibt es seit 20 Jahren, die Sportart hat ihren Ursprung in Deutschland. Auch in Norwegen gibt es eine große Szene. In vielen anderen Ländern ist der Sport relativ unbekannt-. Der DRV veranstaltet deutschlandweit Meisterschaften, bei denen man sich fürs Finale (23. November/Bad Lauterberg) qualifizieren kann. jol