In dem zehnminütigen Horrorfilm „Follower“ möchte die Hauptfigur Clara eigentlich nur einen gemütlichen Abend beim Babysitting verbringen, als sie einen neuen „Follower“ auf Instagram hat. Dieser möchte ihr nicht nur in der digitalen Welt folgen, sondern dringt auch in ihre reale Welt ein. Der studentische Kurzfilm der Filmakademie Ludwigsburg spielt sich in einem Smartphone-Chat ab. Er ist bei der Berlinale im Rennen um den Preis „Generation14plus“. Die BZ hat mit der Filmcrew gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Film nur auf der Oberfläche eines Handychats stattfinden zu lassen?

Jonathan B. Behr (Regie): Wir hatten uns überlegt, wie heutzutage Kommunikation zwischen Menschen stattfindet und wie sie sich verändert hat. Es geschieht eben vieles über kurze Telefonate und Chats. Unsere Generation kommuniziert zusätzlich über GIFs, Memes, Emojis und vieles mehr. Wir haben uns gefragt, wieso wir es dann nicht schaffen, einen Film zu machen, der in dieser neu entstandenen Sprache kommuniziert. So kamen wir dazu, den kompletten Film auf einer einzigen Oberfläche stattfinden zu lassen, und zwar auf der Handyoberfläche. Wichtig war es dabei, das Geschehen in der realen Umgebung nicht zu vernachlässigen.

Welchen Einfluss hatte das auf die Kameraführung? Gab es überhaupt eine richtige Kamera?

Bo-Christian Riedel-Petzold (Kamera): Eine Kamera gab es tatsächlich nicht wirklich. Das Ganze war „gecaptured“. Das heißt, die Daten wurden vom Bildschirm abgegriffen und über einen weiteren aufgezeichnet. Wir haben die einzelnen Chats und Ebenen dann abgespeichert und anschließend zusammengeführt.

Wie verhält sich das mit dem Drehbuch? Stand das im Detail fest oder hat es sich nach und nach entwickelt?

Simon Schulz (Drehbuch): Das Drehbuch hat sich während des „Drehs“ weiterentwickelt. Als klar war, dass wir das Thema „Home invasion“ angehen wollen, haben wir sehr viel mit der Blickführung und Perspektive auf dem Bildschirm experimentiert. Insbesondere damit, wie wir den Blickwinkel eines Handychats authentisch darstellen können, als wäre der Zuschauer selbst Teil des Chats. Und dadurch verändert sich natürlich ganz automatisch das Drehbuch.

Jonas Sticherling (Produzent): Der ganze Film ist eher als Animationsfilm aufgezogen. Wir haben ständig experimentiert, bis die Emojis auch an der richtigen Stelle kamen und nicht an Stellen, an denen es eigentlich sehr ernst wird. Dadurch werden die Emotionen der Zuschauer stark gesteuert. Es ist eine komplett neue Art, den Inhalt eines Films zu gestalten und zu erzählen. Bisher wurde das so noch nicht versucht, nur auf PC- und nicht auf Handybildschirmen mit Apps.

Der Film zeigt, wie abhängig und wie verletzlich uns Digitalisierung im Privatleben macht. Wollten Sie das dem Zuschauer deutlich machen?

Schulz: Ja, das Smartphone ist heutzutage so etwas wie das erweiterte Selbst. Wenn man es jemandem wegnimmt, ist derjenige fast nicht mehr existenzfähig. Wir zeigen letztendlich, wie verletzlich man durch den Angriff auf sein Handy werden kann und welche psychische Belastung daraus resultiert.

Sticherling: Wir wollen aber keinesfalls mit dem erhobenen Zeigefinger dastehen und sagen, ‚hey, passt auf, wie Ihr mit Euren Daten umgeht’ – das ist etwas, das eher mitschwingt. Im Vordergrund stand, einen spannenden und interessanten Film zu machen, mit den neuen modernen Techniken der Kommunikation.

Info Die Ingersheimerin Tanja Majer berichtet für die BZ exklusiv von der Berlinale.