Schwerpunkt Innenverdichtung Wohnungen mit Blick zum Schloss

Noch ist hier eine Baustellle, doch bald soll es am Kaffeeberg neue Wohnungen geben.
Noch ist hier eine Baustellle, doch bald soll es am Kaffeeberg neue Wohnungen geben. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Uwe Roth 25.11.2017

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Kaffeeberg-Areal in Ludwigsburg erste Wohnadresse. Man residierte in Sichtweise zum Schloss, schon Mozart logierte in den vornehmen Stadthäusern. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Häuser entlang der Schlossstraße (B 27) allerdings herunterkommen. Wegen des Straßenlärms, der Luftverschmutzung und des Denkmalschutzes wollte niemand in eine Sanierung investieren (die BZ berichtete). Für Investoren lohnte es sich nicht. Auch weil keiner abschätzen konnte, ob in die Nachbarschaft der vierspurigen Straße überhaupt jemand ziehen wollte.

Nun aber wird der Straßenabschnitt zwischen Kaffeeberg und Schmidgasse städtebaulich grundlegend erneuert und mit Wohnraum nachverdichtet. Am Mittwoch hat der Gemeinderat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschlossen. Das Areal soll wieder zur ersten Wohnadresse werden. Der Wohnungsmarkt-Druck ist in der Stadt mittlerweile so groß, dass die Investoren, eine Immobilienfirma mit Sitz in Kassel, hoffen, in dieser kritischen Lage hochwertigen Wohnraum erfolgreich vermarkten zu können. Sie versprechen ein „vielfältiges Wohnungsangebot in bester Lage“.

Der passende Name, um an das einst barocke Ambiente zu erinnern, ist gefunden worden: „Höfe am Kaffeeberg“. Im Innenbereich des 4000 Quadratmeter großen Areals entstehen sieben Wohnhäuser mit 40 Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage. Zur Auswahl stehen Appartements mit zwei bis fünf Zimmern und Flächen zwischen 47 und 155 Quadratmetern. Angeordnet sind die Gebäude zu drei Wohnhöfen, die zu Begegnungsorten werden sollen. Solche Innenhöfe sind in der Stadt zahlreich vorhanden. Um Ludwigsburg in seinen Anfängen optisch schnell wachsen zu lassen, ließen die Stadtplaner damals die Straßenzüge großzügig anlegen. Zwischen den Häuserzeilen entstanden große Flächen, die landwirtschaftlich oder auch zur Viehhaltung genutzt wurden. Mit dem Bevölkerungszuwachs dienten die Flächen der Nachverdichtung, wobei die Architektur der Hofbebauung auf die barocken Gebäude wenig Rücksicht genommen hat, die an der Straßen stehen.

Modernes Barock

Bei den „Höfen am Kaffeeberg“ wollen es die Planer besser machen: Barocke Stilelemente – „zeitgemäß abstrakt interpretiert“ – sollen den künftigen Bewohnern das Gefühl geben, dort zu leben, wo Ludwigsburg vor mehr als 300 Jahren entstanden ist. Das jedenfalls versprechen die Immobilienvermarkter. Am Rand des Gebiets an der Schlossstraße werden zwei historische Gebäude saniert und für eine gewerbliche Nutzung vorbereitet. Die ursprünglichen Planungen der Investoren sahen pragmatische Lösungen vor. Der städtische Gestaltungsbeirat hat daraufhin tief in die Planungen eingegriffen.

Die Straße Kaffeeberg, die den Holzmarkt mit dem westlichen Eingang zum Südgarten des Barockschlosses verbindet (wenn die B 27 nicht dazwischen wäre), hat ihren Namen vom ersten Café der Stadt, das an der Ecke um das Jahr 1720 eingerichtet worden war. Es wurde 2017 abgerissen. Trotz Denkmalschutz war es von den Besitzern immer wieder umgebaut, aber nie sachgemäß saniert worden. Die Stadt begründete ihre Zustimmung zum Abriss mit einer vom Investor vorgelegten Stellungnahme zur Tragwerksplanung. Diese habe belegt, dass der Erhalt der historischen Fassade „nur mit einem unverhältnismäßig hohen baukonstruktiven Aufwand möglich wäre“. Der geplante Neubau soll seinem Vorgänger aber sehr ähnlich werden.