Schlossfestspiele Wördehoffs letzte Abdrücke

 Thomas Wördehoff, Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele nimmt 2019 mit seiner zehnten Spielzeit, in der er nochmal einige Höhepunkte setzen will, Abschied.
 Thomas Wördehoff, Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele nimmt 2019 mit seiner zehnten Spielzeit, in der er nochmal einige Höhepunkte setzen will, Abschied. © Foto: Werner Kuhnle
Gabriele Szczegulski 10.11.2018

Es scheint so, als ob Thomas Wördehoff vor seiner Abschiedssaison noch einmal zur Höchstform aufläuft. Nicht nur, was das Programm für die Saison 2019 – seine letzte – betrifft, von der er 20 ausgewählte Veranstaltungen jetzt als „Ausblicke“ vorstellte. Auch in deren Beschreibung kommt der Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele nochmal so richtig in Fahrt: „Die Arbeit an meinem letzten Programm ist vitalisierend und inspirierend, ich sage, diese Saison wird sehr, sehr gut, Sie werden oft weinen müssen“, so Wördehoff. Es sei schon ein erhebendes Gefühl, dass alles, was er nun mache, zum letzten Mal mache. „Das, was in der Saison 2019 passiert, sind meine letzten Abdrücke in Ludwigsburg“, sagt er.

„Alles auf Anfang“ überschreibt er das Programm und erklärt, dass ein Abschied immer auch ein Neuanfang ist. Er will mit dem Programm der Saison 2019 kein Resümee setzen, aber doch zehn Jahre seiner Intendanz „spiegeln“. Er nennt Begriffe, die ihm für die Festspiele immer wichtig gewesen seien: Authentizität, Offenheit, Prozess und Identität, wobei es in der kommenden Saison vor allem um die deutsche Identität gehen soll.

Für Thomas Wördehoff stehe eine Veranstaltung 2019 symbolhaft für seine Arbeit: „Himmelerde“ heißt das Programm, das er sich selbst, so sagt er, zum Abschied schenkt. „Das ist genau mein Ding“, so der Intendant. „Himmelerde“ ist eine neu geschaffene Liederoper des Maskenensembles Familie Flöz und der Musicbanda Franui, die derzeit während der Proben auf der Bühne entsteht. Verwendet werden deutsche Kunstlieder von Schubert, Schumann oder Mahler. „Ich hätte diese Produktion gerne alleine gemacht, weil sie so typisch für die Schlossfestspiele in meiner Intendanz ist, aber es war finanziell nicht machbar.“ Und so ist die Produktion gemeinsam mit dem Berliner Theater Unter den Linden und dem Theaterhaus entstanden. Bekannt geworden ist Familie Flöz durch ihre komödiantischen und poetischen, fast immer nonverbalen Theaterstücke mit Masken. „Das schrie für mich geradezu nach Musik“, so Wördehoff. Das deutsche Kunstlied, gespielt von der Musicbanda Franui, passe geradezu ideal. Das Stück habe kein Drehbuch, „es fokussiert dieses Prozesshafte, so eben wie meine Intendanz auch ein Prozess war“, sagt Wördehoff.

Die zweite Veranstaltung, die sich mit der deutschen Identität beschäftigt, ist die Inszenierung der deutschesten aller Opern, dem „Freischütz“ durch ein französisches Team. „Mehr deutsche Identität geht nicht als in dieser Oper“, sagt der Intendant und hebt hervor, dass deutsche Identität nicht losgelöst sein darf von einer europäischen Identität, deswegen das inszenatorische „Wagnis“: Denn Regie führen die beiden Magier Clement Debailleul und Raphael Navarro. Sie sind dafür bekannt, mit holografischen Möglichkeiten Personen verschwinden, fliegen und sie in Zeitlupe bewegen zu lassen. „Da wird Magie entstehen“, sagt Thomas Wördehoff.

Die ihm wichtige dritte Veranstaltung ist ein Liederabend, der unter dem Titel „Hanns Eisler: Ein deutsches Leben in Liedern“ steht. Der von Wördehoff für Ludwigsburg neu entdeckte Bariton Holger Falk (er wird in Ludwigsburg dreimal auftreten) wird in Liedern der Spur des deutschen Komponisten nachfolgen, von dessen Erfolgen im Exil in den USA während der Naziherrschaft über seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht bis hin zur Komposition der DDR-Hymne.

Schon das Eröffnungskonzert der Saison am 9. Mai 2019 befasst sich mit der deutschen Identität. Das Orchester der Schlossfestspiele unter Leitung von Pietari Inkinen wird die 13. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch intonieren, die „Babi Jar“ heißt, und an ein unrühmliches Kapitel der deutschen Geschichte erinnert, der Ermordung von 34 000 Juden durch die Wehrmacht in der Schlucht von Babi Jar in der Ukraine. „Wir sind nicht nur ein Wohlfühlfestival“, so der Intendant. Das Schlusskonzert der Saison 2019 soll, so Wördehoff, den von ihm für die Schlossfestspiele geprägten Begriff des „Fest der Interpreten“ zum Höhepunkt bringen. „Ich wollte immer, dass sich die Interpreten die Werke zu eigen machen.“ Weggefährten wie Igor Levit und Thomas Gansch „und viele Überraschungsgäste“ werden mit Pietari Inkinen und dem Schlossfestspielorchester aufspielen und Thomas Wördehoff gebührend verabschieden.

Info Karten gibt es ab sofort im Kartenbüro, Palais Grävenitz, Marstallstraße 5, in Ludwigsburg, unter Telefon (07141) 93 96 36 oder online.

www.schlossfestspiele.de

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