Die Ankündigung ist in ein freundliches Gewand gehüllt, die Nachricht selbst jedoch durchaus kernig: Im kommenden Jahr werden die Einweg-Plastiktüten vom Ludwigsburger Wochenmarkt verbannt. Bei einem Infotag am 14. September – so viel zum freundlichen Gewand – soll das Bewusstsein der Marktbesucher für nachhaltiges Einkaufen geschärft werden. „Die Plastiktüten haben uns schon immer gestört“, sagt Melanie Mitna, die für die Märkte in Ludwigsburg verantwortlich ist.

Tatsächlich spukte die Idee eines Plastiktütenverbots schon länger durch die Köpfe der städtischen Bediensteten, die immerhin in einer Stadt arbeiten, die 2014 zur nachhaltigsten Stadt gekürt worden ist. Und tatsächlich passt eine künstliche Verpackung auch nicht zu einer 300 Jahre alten Institution, deren Kunden Wert legen auf regionale und biologisch wertvolle Produkte. Doch erst jetzt, da Rekordmeldungen über Verpackungsmüllmengen und Horrorbilder von Plastikbergen im Meer oder an Land zum Alltag geworden sind, und Unverpackt-Läden eine Art Gründerzeit erleben, ist die Zeit reif für die Abschaffung der Einwegtüten.

Sensible Waren ausgenommen

Der Bann gilt vorerst den dünnen Tütchen, die klassischerweise mit Obst und Gemüse befüllt werden. Beschicker, die sensible Waren wie Fleisch verkaufen, sind laut Melanie Mitna von dem Verbot ausgenommen. Sie könnten aus hygienischen Gründen ihre Verpackung nicht einfach ändern. Gleichwohl, betont sie, gebe es Alternativen zur Tüte. So könnten Kunden etwa ihre eigenen Behälter mitbringen und direkt befüllen lassen.

Über die Vielfalt der Alternativen will die Stadt mit dem Infotag am 14. September aufklären. Beteiligt sind dabei unter anderem der Verpackungsspezialist Layer aus Murr, die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises (AVL), die Stadt selbst, die hochwertige Mehrwegtaschen verteilt, und die Initiative „Ludwigsburg packt neu ein“ darf natürlich auch nicht fehlen. Sie engagiert sich seit fünf Jahren für den Einkauf ohne Einweg und ist nun entsprechend zufrieden. „Endlich ist das Thema auf der Agenda der Stadt“, sagt Katja Nguyen Thanh, die die Initiative gegründet hat und ermittelt hat, dass die 80 Beschicker in Ludwigsburg pro Markttag rund 1500 Plastiktüten ausgeben. Denn, ganz egal auf wie vielen Aktionen die kleine Gruppe die Plastikfreiheit bewirbt: die Autorität einer Stadtverwaltung, die ein Verbot einfach anordnen kann, hat sie natürlich nicht.

Wobei einfach anordnen wird die Stadtverwaltung das Verbot nicht. „Es geht um ein Miteinander“, sagt Mitna. Der Beschluss zum Verzicht auf Plastiktüten sei gemeinsam mit den Beschickern getroffen worden. Auch ein definiertes Ausstiegsdatum gibt es noch nicht. Ungefähr zur Mitte das kommenden Jahres soll das Verbot umgesetzt werden. Und wenn ein Beschicker einen Restbestand an Einwegtütchen habe, dürfe er den, versichert Mitna, natürlich noch aufbrauchen.

Vergleichbar hält es die Stadt Stuttgart. Dort wurde im Juni offiziell das Ende der sogenannten Hemdchentüte eingeläutet. Bis Ende dieses Jahres sollen weitgehend alle der 206 Beschicker ihre Reste aufgebraucht und umgestellt haben. „Das wird positiv aufgenommen“, sagt Thomas Lehmann, der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart. Auch die Kunden würden mehr und mehr auf wiederverwendbare Taschen und Behälter umstellen.

Und ähnlich wird es womöglich in anderen Städten kommen. In Waiblingen wird sich der Marktbeirat nach der Sommerpause mit einem Verbot von Plastiktüten beschäftigen. In Esslingen will der Wochenmarktverein ebenfalls nach der Sommerpause das Thema vertiefen, um im ersten Quartal 2020 „hoffentlich einen freiwilligen Verzicht aller Marktbeschicker zu vereinbaren“, wie es der städtische Pressesprecher Roland Karpentier formuliert. Die meisten Marktleute verzichteten ohnehin schon jetzt aus eigener Überzeugung auf Plastiktüten. In Böblingen wiederum, so der Sprecher Fabian Strauch, bieten die Beschicker der meisten Stände nur Papiertüten an.

Eigene Behältnisse der Kunden

Auch auf dem Ludwigsburger Wochenmarkt befüllen die Händler anstandslos Behältnisse, die ihnen mehr und mehr Kunden über die Theken reichen. Mit dem Tütenverbot dürfte der Bewusstseinswandel befördert werden. Welcher Verkäufer riskiert schon eine Abmahnung, weil er sich nicht an die neue Regel hält? Oder möchte gar ein Bußgeld bezahlen? „Wer nicht folgt, muss mit Konsequenzen rechnen“, sagt Mitna, deren Abteilung mittelfristig auch Plastikbechern für Antipasti oder Frischkäse den Garaus machen möchte sowie Papier, in das beispielsweise Wurst eingeschlagen wird.

In Göppingen hat ein Marktstand aus dieser Not eine Tugend gemacht: Er hat, so teilt die Stadtverwaltung mit, Mehrwegbehältnisse mit eigenem Logo angeschafft. Und in Gerlingen setzt ein Händler auf einen im Schwäbischen womöglich auch sehr effizienten Weg: Er verlangt für jede Plastiktüte Geld von seinen Kunden.