Ludwigsburg Wie Nazi-Verbrechen aufgeklärt werden

Am Tag des offenen Denkmals kann ein Blick hinter die Kulissen der Zentralen Stelle und deren Ermittlungsarbeit geworfen werden.
Am Tag des offenen Denkmals kann ein Blick hinter die Kulissen der Zentralen Stelle und deren Ermittlungsarbeit geworfen werden. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 24.08.2018

Ich weiß nicht, ob sich viele uns verbunden fühlen“, sagt Dr. Hans Pöschko, Vorstand des Fördervereins Zentrale Stelle in Ludwigsburg bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Er spielt auf das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals, der bundesweit am Sonntag, 9. September, stattfindet, an: „Entdecken was uns verbindet“. „Wir bekommen nicht wenig ‚Fanpost’, in der Kritik an der Zentralen Stelle geübt wird“, sagt Pöschko weiter.

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen kümmert sich um die Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen – und das seit 60 Jahren. Am 1. Dezember 1958 hat die Zentrale Stelle ihre Arbeit aufgenommen. Obwohl ihr ein baldiges Ende vorausgesagt wurde, hat sie die Zeit überdauert und ist noch immer aktiv. Dies ist zwiegespalten zu betrachten, denn das 60-jährige Bestehen der Institution bedeutet auch, dass die (ermittelbaren) Verbrechen der NS-Zeit noch immer nicht alle aufgeklärt sind.

Wissen weitergeben

Dem Förderverein, der sich 1996 gründete, ist es nach eigenen Angaben wichtig, Akten in der Ludwigsburger Außenstelle des Bundesarchivs wissenschaftlich aufzuarbeiten, die gewonnenen Erkenntnisse zu verbreiten sowie pädagogisch wertvoll weiterzugeben. Es gebe genug Berührungsängste mit der Zentralen Stelle, sagt Pöschko, nicht zuletzt, weil die Institution von dicken Mauern umgeben ist. Selbstredend auch wegen der schwer verdaulichen Thematik. In diesem Sinne versteht sich der Förderverein Zentrale Stelle als Einrichtung gegen das Vergessen und fördert deshalb die Öffentlichkeitsarbeit als Erinnerungsarbeit. Nach außen hin, global gesehen, sei Ludwigsburg weniger durch das Barockschloss als durch die Zentrale Stelle bekannt, sagt die Stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Ingrid Hönlinger. Immer wieder seien Besucher aus dem Ausland da, um die Vorgehensweise der Verbrechensaufarbeitung zu studieren. „Wenn man nationalsozialistische Verbrechen aufklären möchte, kommt man nach Ludwigsburg“, sagt Hönlinger. Im Schorndorfer Torhaus ist seit 2004 die Ausstellung „Die Ermittler von Ludwigsburg“ zu sehen, die Besuchern nicht nur vor Augen führt, welche Verbrechen in der NS-Zeit begangen wurden, sondern auch wie in den 60er-Jahren die Ermittlungen aufgenommen und Täter überführt wurden. Neben Texttafeln und Schaukästen, zeigt ein in den Boden eingelassenes, und mit einer Glasplatte überdeckeltes Arbeitszimmer die damaligen Methoden eindrücklich. „Ich beginne die Führungen immer im Torhaus“, sagt leitender Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentralen Stelle, Jens Rommel. „Das ist auf engstem Raum didaktisch wunderbar gemacht“, lobt er die Ausstellung. Am eingelassenen Zimmer könne die juristische Aufarbeitung nachvollzogen werden.

Immer wieder neue Blickwinkel

Die Ausstellung im Torhaus wird immer wieder unter neuen Gesichtspunkten betrachtet. Gerade die regionalen Fälle seien bei den Besuchern beliebt, sagt Pöschko. Am Tag des offenen Denkmals bietet die Zentrale Stelle und ihr Förderverein zusätzlich Besonderheiten an. Neben diversen Vorträgen vom Präsidenten des Bundesarchivs, dem Ministerialdirigenten des Justizministeriums Baden-Württemberg und vielen anderen, werden im Innenhof der Zentralen Stelle Informationsstände, unter anderem von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg sowie der Gedenkstätte Grafeneck und Vaihingen aufgebaut. Außerdem können die Besucher auch einen Blick in die Zentralkartei werfen, die sonst hinter einer schweren Panzertür verborgen ist und die man „normalerweise nicht betreten darf“, sagt Pöschko.

Info Am Sonntag, 9. September, sind Zentrale Stelle und Torhaus von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

www.fv-zentrale-stelle.de

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel