Ludwigsburg Wie man NS-Verbrecher zur Strecke bringt

Kurt Schrimm war 15 Jahre lang Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.
Kurt Schrimm war 15 Jahre lang Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. © Foto: dpa
Ludwigsburg / Frank Ruppert 06.02.2019

Kurt Schrimm, der ehemalige Leiter der Zentralen Stellen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen kommt am Dienstag, 12. Februar, für eine Stippvisite zurück in die Barockstadt. Der Pensionär liest auf Einladung des Fördervereins Zentrale Stelle ab 19 Uhr im Staatsarchiv aus seinem Buch „Schuld, die nicht vergeht: Den letzten NS-Verbrechern auf der Spur“. Der ehemalige Staatsanwalt Schrimm ging 2015 in Ruhestand, davor hatte er die Zentrale Stelle in Ludwigsburg 15 Jahre lang geleitet. „Ich kam eigentlich per Zufall zu den Naziverbrechen“, sagt Schrimm heute. Sein Abteilungsleiter bei der Staatsanwaltschaft hatte ihm diese Fälle einfach zugeteilt.

Nachfolger gesucht

Als dann damals ein Nachfolger für die Leitung der Zentralen Stelle gesucht wurde, gab es nur wenige, die auf das Anforderungsprofil passten und Schrimm war der einzige Staatsanwalt in Württemberg, der sich mit NS-Verbrechen beschäftigte. „Die Zeit in Ludwigsburg war schön“, erinnert sich der Jurist. Als er angefangen habe, habe in der Behörde Stillstand geherrscht und er habe zum Minister gesagt, dass man die Behörde entweder schließen oder reformieren solle. In der Folge hat die Zentrale Stelle mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass ein Wende bei der Rechtsprechung erfolgte. Seither wird auch verurteilt, wer nicht direkt am Massenmord beteiligt war, sondern durch seinen Einsatz das Todessystem stützte.

Für Schrimm war die Aufgabe in Ludwigsburg vor allem deswegen interessant, weil er sich schon immer für deutsche Geschichte rund um die beiden Weltkriege interessiert habe und weil sie anders als eine herkömmliche Stelle in der Staatsanwaltschaft mehr Raum für Kreativität ließ. „Es ging nicht darum jeden Tag einen neuen Aktenstapel abzuarbeiten“, sagt Schrimm heute. Dass aus der Verfolgung von NS-Verbrechern mal eine Karriere werden wird, sei zu Beginn nicht abzusehen gewesen. Sein Abteilungsleiter bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart habe ihm Anfang der 1980er gesagt, in zwei drei Jahren interessiere sich ohnehin niemand mehr dafür als er Schrimm die Fälle übertragen habe.

Nicht nur die folgenden Jahrzehnte bei Staatsanwaltschaft und Zentraler Stelle widerlegten diese These, sondern auch die Tatsache, dass Schrimm zum Thema ein Buch schrieb. „Erst wollte ich nicht, weil ich dachte zur Nazizeit gibt es schon genügend Bücher“, sagt Schrimm. Der Verlag habe ihn aber überzeugt und so hat er „Schuld, die nicht vergeht: Den letzten NS-Verbrechern auf der Spur“ 2017 veröffentlicht. Darin berichtet Schrimm, wie er den Tätern auf die Spur kam, und erzählt von den bewegenden Begegnungen mit KZ-Überlebenden, die er als Zeugen befragt hat.

„In Ludwigsburg werde ich den Prolog vortragen und auch etwas aus dem Fazit“, sagt Schrimm mit Blick auf den Termin am Dienstag. Geplant war die Lesung schon vergangenes Jahr, da musste Schrimm aber aus familiären Gründen absagen.

Schrimm genießt nach eigenen Angaben den Ruhestand in seinem Heimatort Bondorf, hält aber weiter Vorträge und hat auch eine Meinung zur Zukunft der Zentralen Stelle angesichts wegsterbender NS-Verbrecher: „Die Dokumentation ist wichtig, aber wenn es keine lebenden Täter mehr gibt, ist dies nicht Sache der Strafverfolgungsbehörden.“

Info Kurt Schrimm liest am Dienstag, 12. Februar, ab 19 Uhr, im Staatsarchiv Ludwigsburg aus dem Buch „Schuld, die nicht vergeht.: Den letzten NS-Verbrechern auf der Spur.“ Der Eintritt kostet 5 Euro, ermäßigt 3.

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