Ludwigsburg Wie auf der Bühne so in der Realität: Gemeinsam stark sein

In "Warten auf Anya" spielen auch Bewohner der Karlshöhe mit.
In "Warten auf Anya" spielen auch Bewohner der Karlshöhe mit. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / DESIREE FEHRINGER 28.01.2014
"Warten auf Anya" ist eine Theaterproduktion der Kunstschule Labyrinth in Zusammenarbeit mit der Jungen Bühne Ludwigsburg. Am Sonntag feierte das Stück eine ausverkaufte Premiere.

Die Premiere des Theaterstücks "Warten auf 2der Kunstschule Labyrinth erfreute sich einer großen Nachfrage. Das Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Besucher erwartete ein integratives Generationentheaterprojekt in gemütlicher Atmosphäre frei nach dem Roman des britischen Autors Michael Morpurgo, für das er 2010 den Jugendliteraturpreis verliehen bekam.

60 Minuten ist man als Zuschauer gefangen in einem französischen Dorf in den Pyrenäen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Buch und Regie führte bei dem Theaterprojekt Gabriele Sponner, eine eindrucksvolle musikalische Begleitung lieferten Ursula Quast und Albrecht Fendrich.

"Natürlich kann nicht alles, das in einem Buch passiert, in einem 60-minütigen Theaterstück zusammengefasst werden", erklärt Sponner den Zuschauern, noch bevor es losgeht. Menschlichkeit in aussichtsloser Lage: Das Theaterstück erzählt von Hoffnung und Widerstand in einer Zeit des Grauens. Die Darsteller sind dabei keine Helden, sondern allesamt Menschen mit Ängsten, aber auch Menschen, die sich mutig über ihre Zweifel hinwegsetzten, und handeln, Zivilcourage beweisen. Auch findet man in dem vielschichtigen Stück kein Gut-Böse-Schema. Im Gegenteil. Selbst die deutschen Soldaten, die den Ort besetzten sollen, entpuppen sich als Menschen mit Herz.

Das schwierige Thema, ein Stück Zeitgeschichte, wird dabei mit Humor und Leichtigkeit auf die Bühne gebracht ohne dass man auch nur einen Moment das Gefühl hat, es fehle dem Thema an Ernsthaftigkeit. Gabriele Sponner inszenierte das Stück mit 20 Darstellern darunter Kinder, Studenten, Rentner und Erwachsenen, in Zusammenarbeit mit dem Wohnheim für Behinderte der Karlshöhe Ludwigsburg.

Was soll man tun, wenn einem ein Geheimnis offenbart wird, dass das eigene Leben verändert? Anspannung und Entspannung, Schrecken und Hoffen - man fühlt mit dem kleinen Jo, authentisch und emotional verkörpert von Luca Bonfirraro. Und trotz großer Angst vor der Besatzungsmacht siegen auch in diesen dunklen Zeiten Mut, Zusammenhalt, Solidarität und Menschlichkeit. "Es muss einen Weg geben": Stillschweigend hilft am Ende das ganze Dorf, jüdische Kinder vor ihrem grausamen Schicksal zu bewahren und sie nach Spanien in Sicherheit zu schmuggeln.

"Man kann mit Theater die Welt nicht besser machen, aber man kann sie bereichern", so die Abschiedsworte der Veranstalterin der Jungen Bühne, Sybille Hirzel. Das Stück soll noch mindestens dreimal aufgeführt werden.

Info Wegen der großen Nachfrage gibt es eine zusätzliche Vorstellung am Samstag, 1. Februar, 17 Uhr, im Ludwigsburger Kunstzentrum Karlskaserne. Telefonische Kartenreservierung: (07141) 910 32 45.

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