Schwerpunkt Notfallversorgung Wespenjäger sind sehr gefragt

Auch wenn Kammerjäger einen Vollschutz-Anzug tragen, werden sie ab und zu gestochen.
Auch wenn Kammerjäger einen Vollschutz-Anzug tragen, werden sie ab und zu gestochen. © Foto: Julian Stratenschulte
Kreis Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 18.08.2018

Gerade in diesem Sommer sind Wespen besonders gern unterwegs, weil es im Gegensatz zu 2017 sehr warm ist. Sie sind auf der Suche nach Futter und stürzen sich auf Speisen oder süße Getränke. Sind sie allein unterwegs, ist die Situation noch überschaubar, doch nachdem sie ein Nest gebaut haben, ist es meistens zu spät. Dann müssen die Kammerjäger ran. „Wir haben definitiv mehr Aufträge als im Vorjahr“, sagt Alexander Biederstaedt von der Ludwigsburger Schädlingsbekämpfungsfirma P.S.D.. Statt Mitte April begannen dieses Jahr die Wespen schon Anfang März ihre Nester zu bauen. „Wespen sind zudem aggressiver geworden“, berichtet er. „Bei Allergikern reicht schon eine aus und es kann lebensgefährlich werden“, weiß er.

Die Schädlingsbekämpfungsfirma kommt zurzeit, trotz ihrer zwölf Mitarbeiter, den vermehrten Anfragen zur Nesterbekämpfung schwer hinterher. „Die Verbraucher müssen mit einer Wartezeit von einem Monat rechnen“, sofern es sich um keinen Notfall handelt, sagt Biederstaedt. Notfälle seien Allergiker oder vorwiegend Nester, die sich in oder an einem Pflegeheim und Kindergarten befinden. Auch Nester, die das Leben der Menschen deutlich erschweren, wie etwa solche, die in Rollladenkästen zu finden sind, werden als Notfall gewertet.

Während der Wartezeit sollen Betroffene die Wespen „in Ruhe lassen, damit sie nicht aggressiv werden“, warnt Tassilo Sier vom Landesverband der Schädlingsbekämpfer. Er ergänzt: „Normalerweise stechen Wespen wegen des Fehlverhaltens der Menschen zu.“ Auf die Plagegeister einschlagen oder sie anpusten? „Das macht alles nur noch schlimmer. Am besten ruhig bleiben“, rät er.

Durch Musterung erkennbar

Doch dürfen Kammerjäger überhaupt Wespen töten? Das hängt von der Wespenart ab. Nur die Gemeine Wespe sowie die Deutsche Wespe dürfen vernichtet werden. „Die sind durch ihre Musterung erkennbar“, sagt Sier. Jegliche andere Wespenarten wie etwa „Feld- und Erdwespen müssen die Notleidenden der Naturschutzbehörde melden“, so Biederstaedt. Das gilt auch für Bienen, Hornissen und Hummeln und für jegliche weitere Art.

Nur wenn eine Genehmigung vorliegt, dürfen auch diese bekämpft werden. Die Kammerjäger tragen einen Vollschutz-Anzug während ihres Einsatzes. „Von Kopf bis Fuß, alles ist bedeckt“, sagt er. Trotzdem kommt es ab und zu vor, dass sie gestochen werden. Nach der Beseitigung kommen die Wespen in den Restmüll. Die Entfernung eines Nests dauert je nach Größe „von zehn Minuten bis über eine Stunde“, so der Fachmann. Ein Nest kann so groß wie ein Fußball sein oder sogar einen Meter Spannweite haben. Für die Beseitigung eines Nests greifen Menschen tief in den Geldbeutel. Ein Einsatz kostet dem Landesverband zufolge mindestens 120 Euro. Ist der Aufwand groß, wie etwa bei einem Nest unter dem Dachziegel, ist mit einem höheren Preis zu rechnen.

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