Ludwigsburg / Frank Ruppert

Trompeten, Bass, Schlagzeug, Geigen, Keyboards und Gitarren – für jede andere Band mit einer ähnlichen Instrumentenvielfalt wäre es am Samstagabend wohl etwas eng geworden auf der Bühne des Scala in Ludwigsburg. Bei „Naturally7“ aus New York herrschte aber kein Platzmangel, denn die sieben Amerikaner imitieren die Instrumente nur – alles was sie dafür brauchen sind ihre Stimmen.

Sie nennen diese Weiterentwicklung von A-capella-Musik „Vocal Play“, das könnte man ungefähr mit Stimmenspiel übersetzen. Platzmangel herrschte leider auch nicht im Zuschauerraum, die Sitzplätze waren zwar alle besetzt, bei den Stehplätzen direkt vor der Bühne war aber noch Platz zum Tanzen.

Nur mit Mikrofonen – und am Anfang Taschenlampen ausgestattet – betraten „Naturally7“ die Ludwigsburger Bühne um kurz nach 20 Uhr. Ohne große Vorreden begann die Band gleich mit ihrem Programm, das stark R‘n‘B-lastig ist. Ihre Songs haben oft einen religiösen Hintergrund, kein Wunder, denn ihren Ursprung hatte das Ensemble in der Kirche. Wie Bandgründer Roger Thomas im Verlauf des Abends erklärte, entstand „Naturally7“ aus ehemaligen Mitglieder eines Gospelchors.

Neben eigenen Songs spielen sie auch Coverversionen anderer Künstler, wobei sie dabei selten nur nachspielen, was andere sich erdacht haben. „Wir machen daraus unser Eigenes“, erklärte Roger Thomas, der im zweiten Teil des Abends vermehrt das Mikrofon ergriff, um etwas über die Band oder die Songs zu erzählen. 1999 gründete sich die Band, vier der ursprünglichen Mitglieder waren auch in Ludwigsburg auf der Bühne. Erste Erfolge feierten sie als A-capella-Combo und dann habe er sich gefragt, ob man auch eine echte Band gründen könnte, so Thomas. Sein Bruder Warren – so die Legende – wollte als Kind schon immer ein Schlagzeug und brachte sich, wohl weil der Wunsch unerfüllt blieb, selbst bei, ein komplettes Schlagzeug mit dem Mund zu imitieren. Und weil jede Stimme einzigartig ist, gibt es heute in der Band Spezialisten für Bass (-Gitarre), Trompete, Keyboard, Geige, Schlagzeug und E-Gitarre. Für begeisterten Beifall sorgten stets die Soloeinlagen von Ricky Cort, der nicht nur eine E-Gitarre im Mund zu haben scheint, sondern auch gleich Jimi Hendrix. Virtuos und mit höchstem Körpereinsatz traf er auch die ganz hohen Töne zielgenau.

Mitchells Stimme beeindruckt

Auch Bassist Kelvin Mitchell beeindruckte mit seiner tiefen Stimme, sogar im kurzen Gespräch mit Roger Thomas zur Vorstellung der Band. „Er müsste nicht in der Tonlage antworten“, neckte ihn Thomas, was nur dazu führte, dass Mitchell noch ein bisschen mehr ins Mikrofon brummte. Mit ihren Songs wie „Wall of sound“, den Interpretationen von „In the air tonight“ und „Englishman in New York“ dürften die Amerikaner die vielen Zuhörer, die zum ersten Mal eines ihrer Konzerte besucht haben, überzeugt haben, der langanhaltende Applaus zwischen den Stücken lässt das zumindest vermuten.

Ein ganz besonderes Highlight, war der Reggae-Ausflug der siebenköpfigen Band. Alle Mitglieder von „Naturally7“ haben Vorfahren in Jamaika und so sangen sie mit viel Herzblut „Rivers of Babylon“ und gemeinsam mit dem Publikum „One Love“.

Vor der A-capella-Zugabe „Sound of Silence“ verabschiedete sich daraufhin Roger Thomas schon mit dem Hinweis, dass Liebe immer siegen wird.