Die Nostalgie für die Heimat ist immer da und besonders jetzt an Weihnachten“, sagt die Gastronomin Katerina Giomatari. Sie stammt ursprünglich aus Griechenland, genauer gesagt aus der nordgriechischen Stadt Chalkidiki und lebt seit 35 Jahren in Ludwigsburg. Schon seit 15 Jahren betreibt sie das griechische Restaurant „Ygrec“. Was sie in Deutschland am meisten vermisst? Die griechisch-orthodoxen weihnachtlichen Bräuche.

Sie erinnert sich, wie sie am Heiligabend und an Silvester als Kind mit ihren Freunden früh morgens mit einer Triangel in der Hand an Türen von Nachbarn und Freunden klingelte und ihnen Weihnachtslieder vorsang. Sobald die Tür aufgeht, stellen die kleinen Sänger immer dieselbe Frage: „Dürfen wir vorsingen?“

„Als Gegenzug für das Vorsingen bekam ich Mandarinen, Süßes oder Walnüsse“, sagt sie. „Diese Lieder heißen Kalanta und gehören zu unserer weihnachtlichen Tradition.“ Heutzutage bekommen die griechischen Kinder allerdings Geld. Als die Kinder von Giomatari noch klein waren und in Ludwigsburg die griechische Schule besuchten, haben sie auch diesen Brauch miterleben dürfen.

Die weihnachtliche Stimmung verbreitet sich unter Griechen schon recht schnell. Den Weihnachtsbaum schmücken sie nämlich schon im November statt am Heiligabend. Der steht dann über einen Monat im Haus. „Den Baum haben wir in meiner Kindheit mit Watte geschmückt“, sagt Giomatari. Nur etwa 200 000 bis 400 000 Griechen richten sich nach dem Kalender der Rusisch-Orthodoxen und feiern Weihnachten am 7. Januar.

Kirchen- und Fastenzeit

Zur vorweihnachtlichen Zeit gehören Kirchenbesuche und das Fasten dazu. „Ich faste auch und besuche an vielen Sonntagen die orthodoxe Kirche in Bietigheim-Bissingen“, sagt Giomatari. Das Fasten dauert in der Regel 40 Tage und endet an Weihnachten. Durch das Fasten soll der Mensch sich auf die Geburt Jesu vorbereiten.

„Zwar bin kein großer Kirchengänger, aber am Nikolaustag gehe ich immer in die Kirche“, sagt ihr Vater, Dimitris Giomataris, der früher Kapitän war. Der Nikolaustag ist bei Orthodoxen kein Tag, an dem die Kinder Süßes in ihren Stiefeln finden. Der Heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Seefahrer. Es ist üblich, dass vor allem die Familien der Seefahrer nicht nur einen Weihnachtsbaum, sondern auch eine Schiffsminiatur schmücken.

„An Weihnachten war ich oft auf See, ohne meine Familie. Das war traurig“, sagt Giomataris mit einem Hauch vom Melancholie. „Wenn er zu Weihnachten nach Hause kam, bekam ich viele Geschenke“, erzählt die Restaurantbetreiberin. Die Geschenke habe ich aber erst an Neujahr aufmachen dürfen“, sagt sie. Laut griechischer Tradition bringt der Weihnachtsmann erst an Neujahr die Geschenke. Um das neue Jahr und das Kommen des Weihnachtsmanns zu feiern, isst man „Vasilopita“, wörtlich übersetzt den Weihnachtsmannkuchen. In dem Kuchen steckt eine Münze, wer sie in seinem Kuchenstück findet, wird angeblich viel Glück im neuen Jahr haben.

„An Weihnachten ist die ganze Familie beisammen, und im Haus riecht es nach Weihnachtsgebäck“, sagt Giomatari. Statt Lebkuchen und Weihnachtsstollen backen Griechen Butterkekse mit Mandeln und viel Puderzucker, die sogenannten „Kourambiedes“. Weitere Weihachtsküchlein, die jedoch aus Honig und Walnüssen zubereitet werden, sind die „Melomakarona“.

Das Weihnachtsmenü besteht aus einer Gans, gefüllt mit Kastanien, Rosinen und Reis. Giomatari bevorzugt es mediterran. „In meine Gansfüllung kommen noch Granatapfelkörner hinzu“, sagt sie.

Dieses Weihnachtsfest wird allerdings anders für die griechische Familie sein. Der Grund ist ein Schicksalsschlag. Vor zwei Monaten ist die Mutter von Katerina Giomatari gestorben. „Die gute Seele des Lokals“, so nennt sie ihre Mama. „Deshalb habe ich dieses Jahr nicht weihnachtlich dekoriert“, sagt sie.