Kreis Ludwigsburg Was macht eigentlich das Amt für Gesundheit?

Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth 12.10.2018

Das Gesundheitsamt des Landkreises bekommt immer mehr Arbeit. Doch es fehlt an Amtsärzten. „Mehrere Arztstellen sind nicht besetzt“, teilt im Landratsamt Dezernatsleiter Dr. Thomas Schönauer mit und begründet dies mit der prekären Arbeitsmarktlage bei den Medizinern. Ärzte seien gesucht wie selten. Aber der Landkreis könne lediglich nach Tarif bezahlen. Niedergelassene Ärzte hätten die besseren Verdienstmöglichkeiten. Das gelte ebenso für die Kliniken. Das Gesundheitsamt hat nach seinen Angaben rund 90 Mitarbeiter, die unterschiedlich ausgebildet sind und sehr unterschiedliche Aufgaben haben. Viele werden am Schreibtisch erledigt. Dokumentiert wird nach gängigen Vorschriften beispielsweise der Gesundheitszustand der etwa 550 000 Kreisbürger und festgestellt, wo es Defizite gibt und wie diese ausgeglichen werden können. Das Gesundheitsamt ist zuständig für den Infektionsschutz und für Fragen der Hygiene. Drohen Seuchen oder Epidemien, trifft das Gesundheitsamt die notwendige Vorsorge. Sollte es zum Ernstfall kommen, wird das Landratsamt zur Einsatzzentrale.

Dazu kommt praktische Arbeit: So lernt jedes Kind, das in die Schule kommt, einen Amtsarzt kennen. Ohne dessen Okay zur Einschulung wird ein Kind zurückgestellt. Beim derzeitigen Babyboom beansprucht der gesetzliche Auftrag immer mehr Arbeitszeit, stellt der Dezernent fest. „Wir untersuchen pro Jahr etwa 5400 Kinder im vorletzten Kindergartenjahr.“

Für die Schulen im Landkreis ist das Gesundheitsamt Ansprechpartner, wenn gesundheitliche Fragen auftauchen: „Bei Schulfehlzeiten von minderjährigen Schülern werden wir von den Schulen hinzugezogen. Hier geht es um eine ärztliche Feststellung, ob ein Kind oder Jugendlicher aus medizinischen Gründen schulfähig ist“, erläutert der Mediziner. Und auch um die Zahngesundheit kümmert sich das Amt. „Im vergangenen Schuljahr haben wir rund 17 000 Kinder in Kindertagesstätten und Schulen untersucht.“

Ein völlig anderes Klientel als die jungen Kreisbürger sind Beamte: Seit 2017 erstellen fünf Ärztinnen und acht Mitarbeiter im Landratsamt medizinische Gutachten zur Dienstfähigkeit von Beamten – und das für den gesamten Regierungsbezirk Stuttgart, die Landeshauptstadt und Heilbronn ausgenommen. 2017 hat die sogenannte Medizinische Gutachterstelle unter anderem 773 Mal die Dienstfähigkeit festgestellt und 114 Dienstunfälle untersucht. Dazu kommen aus dem Landkreis Aufträge von Gerichten und Ordnungsämtern, die Verhandlungs- und Haftfähigkeit eines Straftäters festzustellen. Darüber hinaus erstellen die Amtsärzte Gutachten, ob eine psychisch auffällig gewordene Person in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden sollte.

Im Fachbereich arbeiten fünf Ärzte sowie 13 Mitarbeiter. Ein Schwerpunkt ist die Überwachung der Hygiene in Krankenhäusern sowie bei niedergelassenen Ärzten, die in ihrer Praxis Operationen durchführen. „Zudem überwachen wir die Hygiene in Pflegeheimen sowie anlassbezogen in Schulen und Kindergärten“, sagt Schönauer und erklärt, dass auch das Trinkwasser unter die Aufsicht seines Amts fällt: „Wir überwachen die Hygiene bei Anlagen der Trinkwasserversorgung und Eigenversorgungsanlagen sowie von Hausinstallationen in öffentlichen Gebäuden, wie Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kindertagesstätten.“ Die Mitarbeiter überprüfen die Hygiene von Schwimmbädern, Badeseen, medizinischen Bädern und Saunen. Fußpfleger, Tätowier- und Piercing-Studios dürfen auch mit Kontrollbesuchen rechnen. Eine Ärztin ist mit fünf Mitarbeitern für die Gesundheitsförderung zuständig. Das bedeutet Außendienst: So gab es in diesem Jahr im Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen ein Impfprojekt.

Schulungen zu Verhütung

Im „Peer Projekt“ schulten an Schulen Jugendliche Gleichaltrige zu Themen wie Sexualität und Verhütung. Hinzugekommen sind Aktionen mit Menschen mit Migrationshintergrund. Zusammenfassend erklärt der Dezernatsleiter: „Unser Ziel als Gesundheitsdienst ist die Förderung und der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere auch die Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit von Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung sowie Personen mit sozialen Benachteiligungen.“

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