Prozess Vorwurf: Versuchter Mord

Ludwigsburg / von Bernd Winkler 29.06.2018

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wirft dem 47-jährigen Fahrer eines Sprinters vor, in betrunkenem Zustand und nach Einnahme von Beruhigungstabletten am frühen Abend des 13. Dezember 2017 in der 30-er-Zone der Friesenstraße in Richtung Oßweil zum einen viel zu schnell an einer Bushaltestelle vorbei gefahren zu sein. Zum andern sei er infolge seiner Trunkenheit absolut fahruntüchtig gewesen, als er mit einer Geschwindigkeit von knapp 50 Stundenkilometern einen 73-jährigen Mann frontal erfasste, der bei der Bushaltestelle die Straße überqueren wollte.

Ohne sich um das Unfallopfer zu kümmern, so die Anklage weiter, sei der Fahrer vom Unfallort geflüchtet, wobei er dabei noch ein am Straßenrand geparktes Auto streifte und dort einen 4000 Euro-Schaden verursachte. Das Verhalten des Sprinterfahrers bewertete die Staatsanwältin als „einen Verdeckungs-Mordversuch“, außerdem habe er fahrlässige Körperverletzung, fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs, Trunkenheit im Verkehr und Fahrerflucht begangen, sowie einen versuchten Mord durch Unterlassung. Er habe den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, sagte die Anklägerin am ersten Verhandlungstag vor der Stuttgarter Schwurgerichtskammer.

Dauerhaft arbeitsunfähig

Der 73-jährige Fußgänger war  lebensgefährlich verletzt und nur durch sofortige Not-Operationen im Ludwigsburger Klinikum am Leben erhalten worden. Noch am Unfallort selbst musste das Opfer wiederbelebt werden, da bei ihm ein Atemstillstand eingetreten war. Nach Auskunft der Mediziner ist der Mann durch die massiven Schädigungen dauerhaft in seinem Leben eingeschränkt.

Der Angeklagte, der aus Serbien stammt und sich Anfang 2017 in Ludwigsburg als Trockenbauer selbstständig machte, streitet seine Unfallfahrt nicht ab. Er sagte am Donnerstag, dass er mitbekommen habe, wie er einen nach der Bushaltestelle abgestellten Pkw streifte. Doch dass er den Fußgänger regelrecht überrollte, will er nicht bemerkt haben. Er berichtet nur von einem „Schatten“, den er kurz zuvor unter der Windschutzscheibe seines Sprinters sah. Aus Ärger über einen Auftrag habe er zuvor in Stuttgart in einer Gaststätte einige Biere getrunken und eine Beruhigungstablette eingenommen.

Der Prozess geht am 5. Juli weiter. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe.

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