Ganze 30 Schnupperkurse bietet die Tanz- und Theaterwerkstatt (TTW) am Samstag an. Von Altentanztheater über Improvisation, orientalischen Tanz, Salsa, Urban Dance bis hin zu zeitgenössischem Tanz reicht die Palette. Asta ist ganz gebannt von Bamba Guyes Sabar Dance. Hier schlägt der Kursleiter eine kleine Trommel unter der Achsel zur Musik aus dem CD-Player. Er und acht Schüler bewegen sich anmutig-urig vor dem breiten Spiegel. "So ein Angebot wie hier gibt's ja kaum irgendwo", erklärt die 64-Jährige im Ballettsaal im Untergeschoss des Mannschaftsgebäudes. Nach 15 Jahren Freizeittanz überlegt die Augenoptikerin im Ruhestand nun, ob sie mit Salsa oder Flamenco weitermachen soll. Oder vielleicht doch Sabar Dance?

Das ist das Schöne am Tag der offenen Tür: Man kann mal ganz unverbindlich reinschauen, mitmachen, mit den Dozenten sprechen, andere Tanzwütige kennenlernen. "Einfach nur rumgucken" ist auch das erklärte Ziel von Susanne. "Toll, dieser Rhythmus", strahlt die 57-Jährige. Sie hat live miterlebt, wie Thomas E. Eyson seinen Schnupperschülern mal eben in nur einer Stunde afrikanische Rhythmen beigebracht hat. Und das Ergebnis ließ sich durchaus anhören.

Die Schöckingerin ist bereits Schülerin bei Marianne Wolf. Die Dozentin führt heute ein in den orientalischen Tanz. Langsam beginnt sie mit dem Lockern des Beckens in fließenden Bewegungen, erklärt, dass orientalischer Tanz ein sehr geerdeter Tanz sein. Meist steht man mit leicht gebeugten Knien, Bauch und Becker sind ganz locker, wobei einzelne Körperpartien abwechselnd angespannt werden. Dann folgen seitliche Beckenbewegungen im Parallelstand, später solche mit einem vorgesetzten Bein. Das hört sich zunächst leicht an. Aber: Oberkörper und Knie sollen dabei bitte still bleiben. Puh, doch nicht so einfach, denkt sich manche Debütantin in der Runde der Schnupperkursteilnehmerinnen. Das zu erlernen braucht offensichtlich viel Übung und Korrekturen durch die Tanzlehrer. Und genau das bieten die Kurse der TTW in der Karlskaserne.

Das Programm lockt sogar Profis an wie Jalnar. Die 28-jährige Tänzerin aus Israel-Palästina ist erst seit September in Deutschland und auf der Suche nach einem Engagement. Übers Internet hat sie von der Aktion an diesem Samstag erfahren. Hier am Tag der offenen Tür möchte sie schauen, wie sie ihre tänzerischen Fähigkeiten noch erweitern kann. Experimental Fusion mit Denny Hartmann hat sie schon kennengelernt. Außerdem afrikanischen Tanz und Salsa.

Marion ist gleich mit der ganzen Familie angereist. "Wir sind jedes Jahr dabei", sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Mann besucht sie an der TTW schon diverse Tanzkurse. Am Tag der offenen Tür sind auch die siebenjährige Tochter und der Dreijährige dabei, denn mit Malen an echten Staffeleien im Geschützhaus, den Traumgeschichten mit der Improvisationsgruppe Wildwechsel und Masken ist auch für die Kleinen was geboten. "Das ist ein richtiger Familientreff. Wir sehen hier auch viele Bekannte." Fürs folgende Semester hat die 35-jährige Mutter Sabar Dance in die engere Auswahl genommen.

Außerdem an diesem Wochenende: ein Workshop und Konzert mit dem Perkussionisten Christoph Haas, Lecture Demonstrations, Präsentationen von Hausensembles wie dem Altentanztheater "Zartbitter" und eine Aufführung aus der Choreografiewerkstatt mit Christine Lang. Unter dem Titel "Wenn die Stimme mittanzt" vertonen hier sechs Frauen in blau-weißer Kleidung Schiller im Treppenhaus wie im Gang des Mannschaftsgebäudes. Sie bewegen sich synchron, dann kanonisch wechselnd an den Zuschauern vorbei, unterstreichen Rhythmus und Akzente zusätzlich mit ihren Stimmen, ganz nach Schillers Motto: "Der Mensch soll mit der Schönheit nur spiele, und er soll nur mit der Schönheit spielen."

Eine schöne Sache, eine runde Sache auch, ist so ein Tag der offenen Tür, steht für die meisten Besucher der Tanz- und Theaterwerkstatt nach einem Tag voller neuer Eindrücke und Ausprobieren jedenfalls fest. Wer's heuer verpasst haben sollte, kann sich gleich einen fixen Termin notieren: Jedes Jahr in der Vorfaschingswoche stellt die TTW ihr neues Programm vor.

33 Jahre Tanz- und Theaterwerkstatt

Anfänge 1982 gründeten Mütter die "Spiel- und Theaterwerkstatt" in Marbach als zunächst rein ehrenamtlich tätigen Verein. Die große Nachfrage und der Schwerpunkt Tanz veränderten die Ziele wie den Namen. Erst der Umzug 1993 in feste Räume der Karlskaserne und die Einstellung hauptamtlicher Mitarbeiter, darunter Geschäftsführerin Bettina Gonsiorek, konnten den gewünschten Ausbau verwirklichen.

Professionell Inzwischen ist die Tanz- und Theaterwerkstatt nicht mehr wegzudenken aus Ludwigsburgs Angebot für Tanzinteressierte. 23 fortlaufende Kurse, noch mehr Workshops, dazu professionelle Aufführungen, Projektgruppen und sogar eigene TTW-Kompanien prägen heute das Programm. Die meisten Kurse beginnen Ende Februar oder Anfang März. Bei einigen davon ist aber auch ein späterer Einstieg in den laufenden Kurs möglich. Die Programme liegen aus in öffentlichen Einrichtungen, Theatern, Kinos und der Gastronomie in und um Ludwigsburg.