Konzert Volles Haus bei AnnenMayKantereit im Scala

Die Band „AnnenMayKantereit“ im Scala.
Die Band „AnnenMayKantereit“ im Scala. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 04.02.2019

Sie schreiben Songs über Herzschmerz, Drogen, den Alltag und noch mehr Herzschmerz, alles in entwaffnend ehrlicher Umgangssprache. Da „scheißen die Vögel vom Himmel“, während sich Sänger Henning May fragt, wo denn Marie sei. Und das kommt richtig gut an, die Tour 2019 ist bis in den August rein komplett ausverkauft. Die Rede ist von AnnenMayKantereit (AMK), die Band der ehemaligen Kölner Straßenmusiker Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit und Malte Huck. Letzterer ist 2014 zu der 2011 gegründeten Band hinzugekommen und daher kein Teil des Bandnamens.

Die Schlange vor dem Scala in Ludwigsburg reichte am Freitagabend bis vor zur Alleenstraße. Hunderte von Fans der Kölner Band drängten sich aneinander. Auch im Kinosaal, war ordentlich was los, als AMK ihr fast zweistündiges Set, das sie ohne Pause durchspielten, mit „Marie“ eröffneten. 1,5 Jahre waren die Aufsteiger nicht mehr auf Tour, in Ludwigsburg spielten sie das zweite Konzert der 2019er-Tour. Das Scala-Publikum habe den „besten Zeitpunkt“ erwischt, versichert Sänger May. Es war der zweite Auftritt der Tour. Am Vortag in Mannheim sei einiges schief gelaufen, aber nun seien die Jungs wieder eingespielt, so May.

Und der 27-Jährige hat nicht zu viel versprochen. Einen Knaller nach dem anderen hauten AMK dem begeisterten Publikum um die Ohren. „Nicht nichts“ folgte auf „Nur wegen dir“ und „Es geht mir gut“. „Jenny Jenny“, der Song über die immer weiter lächelnde Flugbegleiterin fehlte auch nicht im Set. May spielte den melancholischen Chartstürmer „Barfuß am Klavier“ nach etwa einer Stunde Spielzeit. Dies tat er jedoch nicht barfuß.

Sänger begeistert
weibliche Fans

Vor allem der Sänger begeisterte die weiblichen Fans, die sich mit ordentlich Lautstärke bei ihm bedankten. Seine gewohnt rauchige Stimme stand den Aufnahmen in nichts nach. Jeden Ton traf er, immerzu sang er mit Herzblut und aus Inbrunst. Ebenso begeisterte der Vollblutmusiker mit seinem instrumentalen Können an Piano, Ukulele, Gitarre sowie Melodica. Doch nicht nur er, auch seine Bandkollegen überzeugten am Instrument. Annen legte sich an der Gitarre sowie der Mundharmonika ins Zeug, Kantereit trommelte enthusiastisch und machte mit dem Schellenkranz gut Stimmung. Huck, der mit viel Humor auf den Zuruf aus dem Publikum, wer denn der Typ da rechts bei AMK sei, reagierte, wusste den Bass einzusetzen.

Die Kölner Band sorgte, trotz der vielen Lieder über Liebeskummer und das Verlassenwerden, für gute Laune. Die Erfahrungen als Straßenmusiker waren durchgehend spürbar, immer verstanden sie das Publikum nicht zu tief in die oft traurigen Texte abdriften zu lassen. May animierte zum Tanzen, und das ließ sich das Publikum auch nicht nehmen.

Ebenso zeigten sich die Scala-Besucher textsicher, auch bei den Songs des neuen Albums „Schlagschatten“, das erst im Dezember erschienen ist. Das Album spielte AMK fast vollständig, nur einen Song, der vom Publikum immer wieder verlangt wurde, den spielten sie am Freitagabend im Scala nicht, und zwar „Freitagabend“. Sie schlossen mit einem ihrer größten Hits „Pocahontas“ sowie der Zugabe „Ich geh heut nicht mehr tanzen“.

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