Kurz nach 11 Uhr bildet sich bereits eine Menschentraube vor den Toren der Friedenskirche in Ludwigsburg. Unterschiedliche Menschen warten und unterhalten sich miteinander, vor allem der strahlende Sonnenschein an diesem Mittwochmittag ist Gesprächsthema. Kurz vor halb 12 rollen Männer Container zur Eingangstür ins Innere der Kirche, es durftet herrlich nach Essen.

Essen in der Kirche? Das gehört vom 10. Februar bis zum 3. März in die barocke Kirche wie das Amen, denn die Vesperkirche, getragen von der Diakonischen Bezirksstelle Ludwigsburg sowie der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ludwigsburg, ist in vollem Gange. Am Eröffnungstag, Sonntag, waren es 550 Essen, die von den vielen ehrenamtlichen Helfern ausgegeben wurden, berichtet Pfarrerin Gisela Vogt.

550 als Obergrenze

„Das ist auch so ziemlich die Obergrenze, mehr schaffen wir kaum“, sagt die Pfarrerin. Am Montag und Dienstag waren es jeweils 400 Essen. Täglich engagieren sich 65 Mitarbeiter, hauptamtliche und ehrenamtliche. „Wir können aus einem Helfer-Pool von 500 bis 800 Leuten schöpfen“, sagt Vogt. Um 11.30 Uhr wird die Kirche geöffnet, Ende des Vesperkirchentages ist um 14.30 Uhr. In diesen drei Stunden herrscht reges Treiben im Kirchenraum, in dem sonst gepredigt, getauft und geheiratet wird. Die Helfer wuseln nur so umher. Jeder hat seine Aufgabe, der er geschäftig nachgeht. Am Mittwoch verteilen Auszubildende der Volksbank Ludwigsburg Essen. Die jungen Menschen stehen mit ihren Vesperkirchen-Schürzen und Tabletts an der Essensausgabe an. „Wir fragen an jedem Tisch, was die Leute essen möchten und merken uns das dann“, erklärt eine Auszubildende. An diesem Mittwoch gibt es zur Vorspeise Kürbiscremesuppe und als Hauptgericht Fleischküchle mit Kartoffeln und Gemüse oder die vegetarische Variante mit Blumenkohl-Medaillons. Noch laufe alles in geregelten Bahnen, „ich habe aber schon ein wenig Angst, dass ich den Überblick verliere“, sagt ein Auszubildender und tritt an die Theke, er will die Hungrigen nicht warten lassen. Auch Schulklassen haben sich die Tage zum Helfen angemeldet. Das Essen wird von Wolfgang Dick und seinem Team aus der Zentralküche der Karlshöhe zubereitet.

Doch nicht nur Essen und Trinken wird den Besuchern der Vesperkirche geboten. Jeden Tag gibt es verschiedene Aktionen, etwa einen Infostand der katholischen Kirche, Frisöre aus dem Kreis schneiden Vesperkirchen-Besuchern die Haare oder auch eine Ambulanz, die am Mittwoch von Ingeborg Pietsch besetzt ist. „Die Leute kommen hauptsächlich zu mir, um mit einer neutralen Person über ihre Sorgen zu sprechen“, berichtet Pietsch. Aber auch Blutdruck und -zucker messe sie oder trage Salben auf.

Für Leib und Seele

Beate Vogelgsang ist Sozialberaterin und arbeitet hauptamtlich bei der Vesperkirche mit. „Die Kultur kommt immer zu kurz, denn wenn gespart wird, dann an der Kino- oder Konzertkarte“, sagt die Sozialberaterin und weist auf eine Verlosung hin, die zum zehnjährigen Bestehen der Vesperkirche erstmals durchgeführt wird. „Besitzer eines Tafelausweises können sich bewerben, freitagabends werden dann jede Woche die Gewinner gezogen“, sagt sie. Zu gewinnen gibt es zum Beispiel den Besuch eines Handball-Spiels der SG BBM Bietigheim mit Freunden, 52 Essen der Metzgerei Lemberger, die man übers Jahr verteilen, aber auch mehrere auf einmal einlösen kann, etwa wenn man Besuch hat. Auch Zeitungsabos, Kulturpakete oder ein Familienpaket, das Freikarten für Wilhelma, Blüba, Schwimmbad, aber auch Eisgutscheine beinhaltet. „Eine tolle Sache“, sind sich Pietsch, Vogelgsang und die Pfarrerin einig.

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